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03.02.2013 / Gewerbe im Kiez

Neues vom Boulevard Berlin

Neun Monate schon ist das Einkaufszentrum in Betrieb - doch erst am 15.01.2013 erfolgte die Übergabe von Multi Development an den Eigentümer.
Boulevard Berlin
„Pocket-Park“ am Boulevard Berlin. Fotos: Thomas Protz

Shopping Center sowie deren Planung, Bau und Betrieb sind ein ganz eigener Bereich im Geflecht der Wirtschafts- und Finanzwelt, der Welt von Investoren und Aktionären und für den Einzelnen kaum zu durchschauen. So ist der niederländische Investor und Projektentwickler Multi Development auf den Bau und anschießenden Verkauf von Shopping Centern in ganz Europa spezialisiert. Sein neuestes Werk, der Boulevard Berlin, wurde laut Kaufvertrag vom März 2010 nun dem Eigentümer Corio Deutschland GmbH übergeben. Der Kaufpreis betrug 366 Millionen Euro. Zur weiteren Information: Corio Deutschland GmbH ist ein börsennotierter Investor, ebenfalls aus den Niederlanden, dessen Kerngeschäft die Entwicklung und der Betrieb von Shopping Centern in ganz Europa ist. Die Firmenphilosophie ordnet den Shopping Centern eine wichtige soziale Rolle zu, da sie als Treffpunkt der Menschen dienen sollen, man kann entspannen, Kontakte knüpfen und soll sich einfach wie zuhause fühlen. Der Investor glaubt an eine große wirtschaftliche Aktivität, wenn ein Center attraktiv ist. Doch wird dies beim Boulevard Berlin eingelöst ?

Laut Eigentümer sind zur Zeit erst ca. 88 % der Ladenfläche vermietet, und das obwohl das Einkaufszentrum attraktiv und in einer guten Lage ist. Auch wegen des Leerstands gibt der Verkäufer dem neuen Eigentümer eine Mietgarantie für 3 Jahre in Höhe von ca. 15 Millionen Euro. Das neue Centermanagement von Corio möchte die Marke Boulevard Berlin stärken. Mittels Radio-Spots, Ausstellungen und Veranstaltungen wird eine Kundenfrequenz von mindestens 13 Millionen Kunden angestrebt.

Die letzten Vermietungen waren bereits im September 2012. Saturn  ist mit einer seiner größten Filialen Berlins eingezogen. Eben-falls im September 2012 wurde der sogenannte "Food Court" eröffnet. Hier können Besucher in der obersten Etage schlemmen. In Form eines Marktplatzes reihen sich Stände verschiedener Gastronomiebetreiber aneinander. Das Angebot reicht von Schnitzel  über Fischgerichte bis hin zu zahlreichen asiatischen Gerichten. Je-doch gibt es bei der Gastronomie nicht wirklich etwas Neues oder Besonderes, die Qualität erinnert teilweise an Kantinenessen. Überall stehen Tische und Stühle und laden zum Speisen und Verweilen ein. Allerdings wirkt die gesamte Essetage etwas abgetrennt vom Rest des Centers und es entsteht der Eindruck, dass nur wenig Menschen den Weg hierher finden. Überhaupt wirkt der gesamte Boulevard Berlin während der Woche relativ leer. Am Abend und an den Wochenenden ist mehr Betrieb zu beobachten, nur um Weihnachten war im Center endlich mal viel los. Die Frage, ob das Shoppingcenter von der Kundschaft angenommen wird, ist meines Erachtens immer noch offen.

In der obersten Etage soll Mitte des Jahres der gehobene Fitnessclub Holmes Place inklusive einem 20 m Schwimmbecken einziehen. Bei Karstadt in der 1. Stock gibt es mehr Informationen dazu. Dies wird dann das 5. Fitnessstudio in der Schloßstraße sein.

Immerhin ist der Park am Shopping Center mittlerweile fast fertig. So wird die Hackerstraße durch einen kleinen „Pocket-Park“ mit dem Boulevard verbunden. Während der Bauphase standen an dieser Stelle die Containerbüros der Bauleitung, jetzt führt ein Weg, von kleinen Bäumen gesäumt und bei Dunkelheit von modernen Laternen bestrahlt, zum Einkaufsparadies.

Ein weiteres Kapitel bei der Umgestaltung des Geländes ist der erneute Versuch einer Umbenennung der Treitschkestraße. Das jahrelange Bemühen, diesen rechtslastigen Straßennamen zu ändern, ist durch letzte Abstimmung immer noch nicht vom Tisch.  Bei einer Umfrage im letzten Jahr stimmte die Mehrheit der Anwohner bedauerlicherweise für die Beibehaltung dieses unrühmlichen Namens. Anscheinend war für sie die Mühe, ihre Papiere zu ändern, wichtiger als der politische Aspekt, obwohl die Änderung kostenlos gewesen wäre. Auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen worden.

Ob und inwieweit der Park von Anwohnern und Besuchern angenommen und benutzt wird, sollen das kommende Frühjahr und der Sommer zeigen. Die Akzeptanz des Shopping Centers durch Kunden und Anwohner werden wir sicher im Verlauf der nächsten Zeit durch evtl. Fluktuation in der Belegung bzw. an der Vermietung der noch leerstehenden Ladenflächen messen können.

Christine Sugg

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