Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

08.10.2012 / Projekte und Initiativen

Neues aus Uganda

Luisa Kahmann arbeitet seit einem Monat im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres im Projekt Nove Bluesky International, einem Internat in Nansana, Uganda. Hier der zweite Bericht von ihr aus Afrika:
Douglaus, ich, Allan, Isaac & Peter mit Handschuhluftballon-Gesichtern
Daraus wird Schmuck, z.B. Ohrringe
Cooking Lesson
Das erste, fertige Haus

Nun gibt´s wieder Neuigkeiten aus Nansana. Unglaublich, aber wir sind jetzt schon einen Monat in Uganda und ich glaube, so langsam kehrt bei uns der Alltag ein. Nachdem wir erfolgreich die Bettwanzen bekämpft haben und alles sauber gemacht haben, konnten wir uns wieder neu einrichten. Leider ist der Gestank von dem Sprühzeug immer noch  in unserem Zimmer vorhanden. Auch die erste Krankheit habe ich durch, beziehungsweise sie ist gerade dabei abzuklingen. Vor zwei Wochen habe ich einen Ausschlag am ganzen Körper bekommen und an manchen Stellen sogar Blasen. Der Arzt in Nansana hatte mir so viele Tabletten verschrieben und zwei Mal täglich eine Infusion, aber nachdem es nicht besser geworden ist, bin ich in Kampala zu einem britischen Arzt gegangen. Der war zwar menschlich ein bisschen komisch und hatte leicht rassistische Ansätze, aber immerhin war eine Besserung in Sicht was meine Blasen anging. Nun ist alles am Abheilen und ich kann langsam wieder in den Schulalltag einsteigen.  Ich kann nur von Glück reden, dass ich Vivi an meiner Seite habe, denn sie hat sich so unglaublich liebevoll um mich gekümmert und das hat auch schon viel dazu beigetragen, dass ich nicht vollkommen verzweifelt bin, weil es mir zwischendurch echt nicht gut ging. Aber trotzdem gefällt mir mein neues Leben in Uganda echt gut und ich habe auch in der Phase noch nichts bereut.

So, nun ein bisschen zu unserem Projekt. Hier im Bluesky leben 14 Jugendliche, die geistig zurück geblieben sind, 3 Shepherds, d.h. sie wohnen im Projekt, gehen aber auf eine normale Schule, weil sie keine Einschränkungen haben, momentan zwei einheimische Freiwillige, Robert und Reagan, Godwin, der Projektleiter und Vivi und ich. Der Unterricht ist hier sehr praktisch orientiert. Momentan stellen wir ganz viele Weihnachtskarten her, die wir hier und in Deutschland verkaufen wollen. Also, wenn jemand von euch Interesse an schönen, selbst gebastelten Weihnachtskarten hat oder weiß, wo man mehrere verkaufen könnte,  kann sich gerne bei mir melden. Wir schicken sie bald nach Deutschland, sodass sie hoffentlich noch rechtzeitig vor Weihnachten ankommen. Dann werden noch Ohrringe und Kettenanhänger aus Kronkorken hergestellt, sowie Schuhe aus Leder. Zweimal die Woche kommt eine Dame aus der Nachbarschaft, die mit den Jungendlichen Taschen und andere Sachen webt. All diese produzierten Sachen werden anschließend verkauft und der Erlös fließt in das neue Haus.  Dann gibt  immer montags und freitags Cooking Lesson. Freitags übernehmen immer Vivi und ich den Part, wir haben schon Plätzchen und Kuchen gebacken oder auch Pfannkuchen gemacht. Das war alles voll lecker :D Montags soll immer eine Japanerin zum Kochen kommen, aber bis jetzt war sie erst ein Mal da. Mittwochs ist halt immer der Sporttag, da gehen alle Fußball spielen. Leider konnte ich bis jetzt wegen der Krankheit nur ein Mal mitmachen, aber das halt voll Spaß gemacht. Der Weg zu dem „Fußballplatz“ dauert ungefähr eine halbe Stunde, ist aber voll schön in der Natur und die ist so unglaublich grün. Der Platz ist sehr hügelig und eigentlich auch nur eine leere Rasenfläche zwischen den Häusern. Das Gras ist dementsprechend auch sehr hoch gewesen, aber immerhin gibt es Holzpfosten. Aber da wir nicht so viele waren, aber wir uns unsere eigenen Tore gemacht. Ich freue mich schon, wenn ich das nächste Mal wieder mitspielen kann.

Natürlich haben die Jugendlichen auch Lernaufgaben, z.B. zum kleinen 1x1  oder Fragen zum Allgemeinwissen. Was mir hier allerdings ein bisschen fehlt ist der ganze pädagogische Hintergrund. Denn wenn wir den Academic Skill haben, dann arbeiten Vivi und ich meistens mit Peter, Douglas, Allan und Isaac. Die Vier brauchen nämlich ganz intensive Betreuung, weil sie sich nur sehr schlecht konzentrieren können. Peter und Douglas zum Beispiel haben ein Problem mit  Farben, dh. man kann ihnen eine blauen Stift geben und fragen, welche Farbe das ist, und sie antworten dir dann gelb oder rot. Aber das Ausmalen von Bildern macht den beiden voll Spaß. Wir haben dann mal mit Godwin über Douglas geredet und der meinte, dass es sein könnte, dass er Farbenblind ist. Aber wenn jemand Farbenblind ist, macht es wenig Sinn, jeden Tag mit ihm die Farben zu üben. Godwin ist da jedoch anderer Ansicht. Na gut. Das ist aber nur ein Beispiel dafür, dass man merkt, dass hier keiner eine pädagogische Ausbildung hat. Allgemein sind die Academic Skill-Aufgaben der Jugendlichen nicht sehr abwechslungsreich. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es hier nicht ums Verstehen geht, sondern darum, nur die Aufgaben richtig zu Lösen. Denn in Mathe zum Beispiel, wenn wir mit Allan und Isaac arbeiten, und sie 6+2 rechnen sollen, dann sind da immer noch Kugeln gemalt, die sie einfach zählen müssen. Also, sie überlegen nicht wirklich, was es bedeutet, wenn man zu 6 noch 2 addiert. Zudem haben alle Schüler keine Aufgabenbücher. Godwin hat für einige die offiziellen Aufgabenblätter vom „Senat“ bekommen, aber eben „unsere“ vier Schüler können diese Blätter nicht erledigen, weswegen wir uns für sie, bevor die Schule angefangen hatte, Aufgaben ausgedacht haben. Was auch echt schwierig war, weil wir ja noch keinen und ihre Fähigkeiten kannten. Also, von Schule im Sinne, wie wir sie kennen, kann hier nicht die Rede sein. Aber ich finde es bewundernswert, dass Godwin das ganze Projekt selbst auf die Beine gestellt hat und er lebt wirklich für dieses Projekt. Er wohnt hier und ist immer als  Ansprechpartner für die Jungendlichen da - das ist hier eben eine große Familie und dieses Gefühl wird einem wirklich übermittelt.

Im nächsten Jahr, wahrscheinlich so zwischen April und Juli, wenn alles gut geht, sollen alle in das neue Haus ziehen. Das ist nochmal ca. 30 Minuten von Nansana entfernt, total in der Natur, also richtig schön gelegen, aber weit ab vom Schuss. Das neue Grundstück ist wesentlich größer und besteht aus zwei Häusern. Das eine ist schon fertig und soll später als Klassenzimmer, Büro und Werkstatt dienen, das Zweite als Wohnmöglichkeit. Außerdem gibt es einen riesen Garten mit Avocado-Bäumen, Hausschweine und Ziegen. Der Garten soll dann zum Anbau von Kartoffeln, Bohnen, etc. genutzt werden. Godwin hat das neue Grundstück gekauft, während er hier in Nansana nur zur Miete wohnt. Der Umzug wird wahrscheinlich aber allen schwer fallen, da es wirklich in der Pampa ist und doch einige hier in Nansana Freunde haben, die sie dann nicht mehr so oft sehen können.
Von dem zweiten Hause stehen bis jetzt nur die Grundmauern. Godwin erhofft sich durch den Verkauf der produzierten Sachen ein wenig Geld einzunehmen, um beispielsweise das Dach fertig stellen zu lassen. Also, auch hier steht ein Umzug vor der Tür. ;)

Seit letzter Woche arbeiten Vivi und ich jetzt jeweils ein Mal pro Woche im Cafe PopUp. Das ist eine Art Außenprojekt von Bluesky, denn seit Mitte September arbeiten immer zwei Jugendlichen von uns für einen Monat in dem Cafe und können sich ein bisschen Geld verdienen. Das Cafe wurde von Siisi, einer Estländern, gegründet. Sie arbeitet mit Godwin und Sam, dem Leiter der Kampala School, auch eine Schule für Schüler mit geistiger und körperlicher Behinderung, zusammen. Das Cafe ist eine reine Oase, so schön ruhig und nett eingerichtet. Außerdem gibt es dort den besten Kaffee mit selbstgeröstet Kaffeebohnen und das Essen ist einfach der Hammer (vor allem, wenn man das mit dem Essen im Projekt vergleicht, was mir langsam zum Hals rauskommt, da es immer das Gleiche ist). Also, Vivi und ich sind dort ziemlich gute Kunden :D
Nächsten Samstag, am 13. Oktober, ist die offizielle Eröffnung und Vivi und ich sollen uns um einiges, wie z.B. das Programm, kümmern. Natürlich arbeiten wir dort auch ehrenamtlich, aber es ist einfach nur schön und total entspannend, überhaupt dort zu sein.

Man merkt, dass wir jetzt wirklich mitten in der Regenzeit sind, denn es gibt kaum einen Tag, wo es nicht regnet (was blöd zum Wäsche trocknen ist, aber egal) und dann ist der Regen wirklich extrem. Gerade eben hat es wieder so heftig geregnet, dass man kaum noch draußen die Wand gegenüber sehen konnte und die ist nur max. drei Meter entfernt. Aber glücklicherweise hält der Regen nie wirklich lange an, sondern ist immer nur kurz und stark.
 
Wir waren jetzt schon zwei Mal am Viktoria See, das erste Mal am Ggaba Beach. Da waren wir ein bisschen enttäuscht, weil wir uns eben einen Strand vorgestellt hatten, aber der war leider weit gefehlt. Zwischen all den Straßenständen haben wir dann irgendwann eine kleine Keilmauer gesehen, auf die wir dann gegangen sind, damit wir wenigsten einen Blick auf den Viktoria See werfen können.

Letzen Sonntag sind wir dann mit den anderen deutschen Freiwilligen von In Via Köln nach Entebbe zum Viktoria See gefahren. Dieser Ausflug hat wirklich das afrikanische Leben so wiedergespiegelt, wie man es sich nur vorstellen kann. Wir haben echt alles erlebt. Der Gastbruder von Marvin und Vanessa (deutsche) hatte für den besagten Sonntag zwei Autos gemietet, damit wir besser nach Entebbe kommen und uns dort einfacher fortbewegen können. Wir hatten abgemacht, dass wir uns so gegen halb zehn alle treffen und dann losfahren. Jedoch war das weit gefehlt. Ich glaube, wirklich losgefahren sind wir letztendlich um 14 Uhr. Moses, der Gastbruder, hatte erst in Kampala mit dem Auto Probleme, und dann war die ganze Zeit das Essen, was seine Familie auch noch für uns alle vorbereitet hatte, noch nicht fertig. In Entebbe angekommen waren wir dann an drei verschiedenen Stränden. Wobei mir persönlich der erste am besten gefallen hat. Eigentlich wollten wir auch noch in den Botanischen Garten, aber da das Eintritt gekostet hat, sind wir leider wieder rausgefahren. Das Problem war jetzt aber, dass wir mit dem Auto nicht mehr rausgekommen sind, weil der „Pförtner“ die Tür kurz vor unserer Nase geschlossen hatte. Angeblich wären wir zum Wenden zu weit auf´s Grundstück gefahren und hat nun von uns Geld verlangt, weil er gesehen hat, dass im Auto ganz viele „Muzungus“ (Weiße) sitzen. Moses und er hätten sich fast geprügelt und auch die anderen Einheimischen, die bei uns mit waren, sind alle fast ausgetickt. Nachdem dann noch ein Polizist kam und alle auf ihn eingeredet haben, hat dann irgendwann jemand das Tor wieder aufgemacht und wir konnten weiterfahren. Als wir uns dann auf den Weg zum dritten Strand gemacht haben, hatte das zweite Auto einen Platten, aber irgendwie ist es noch bis zum Strand gekommen, das war ein Beach Resort. Wir sind dann alle reingegangen während Moses und sein Bruder den Reifen gewechselt habe. Dort haben wir dann den ganzen Abend verbracht und saßen mit einen gekühlten Bier am Strand – das war echt wie Urlaub und voll entspannend. Irgendwann haben wir dann noch Reise nach Jerusalem gespielt, das hat einfach nur Spaß gemacht und war ein voll schöner Abend. Um halb zehn haben wir uns dann wieder auf den Weg Richtung Heimat gemacht, aber eigentlich wollten wir noch einen Zwischenstopp in einer Bar einlegen, aber dazu ist es nicht gekommen, weil wir diverse Probleme hatten. Als erstes hatte unser Auto kein Benzin mehr. Nachdem wir alle Mann das Auto aus der Kurve geschoben haben, wo es stehen geblieben ist, haben wir die anderen angerufen, die schon ein paar Kilometer weiter vor uns waren, dass sie uns Benzin bringen müssen. Das hat natürlich ein bisschen gedauert. Dann konnten wir endlich weiter fahren, aber ca. 15 Minuten später kam der Anruf von dem anderen Auto, dass sie nun kein Benzin mehr hätten. Aber glücklicherweise waren sie nur kurz hinter uns stehen geblieben, sodass Moses und sein Bruder beschlossen hatte, zu Fuß bei der Tankstelle gegenüber Benzin zu holen und dann zu ihnen zu laufen. Das Auto hatte er direkt vor einem Chapati-Stand geparkt und da wir Weißen alle Hunger hatten, haben wir quasi per drive-in unsere Rolex bestellt und die waren nicht mal schlecht. Moses kam dann mit der Nachricht wieder, dass das andere Auto zwar nun Benzin hat, aber die Batterie nun nicht mehr anspringt. Also sind wir hingefahren und beim Wenden hat Moses aus Versehen die ganzen Eier von dem Chapati-Stand umgefahren, ist aber einfach weitergefahren. Das wird hier also auch nicht so eng genommen. Bei dem anderen Auto angekommen, sind wir erst mal in den Straßengraben gefahren und saßen fest. Irgendwie sind wir dann aber doch wieder rausgekommen und standen vor dem anderen Auto. Das Problem war jetzt nur noch, ein Starterkabel aufzutreiben und unsere Batterie zu finden. Das Kabel hat sich leicht finden lassen, im Gegensatz zu unserer Batterie. Dazu habe sie zuerst das ganze Auto auseinander genommen, bis wir gemerkt haben, dass sie im Fußraum eingebaut  war, aber da standen halt all unsere Taschen drauf. Naja, jedenfalls hat das dann auch irgendwann alles funktioniert und wir konnten uns dann wirklich auf den Weg nach Hause machen. Angekommen sind wir um Mitternacht. Also, für die Strecke eine recht lange Zeit ;) Aber man hat viel erlebt und das Geld für das Auto hat sich auch gelohnt :D
Ach ja, ich habe einen Segler auf dem Viktoria See gesehen, da habe ich natürlich auch sofort Lust bekommen.

Was langsam hier anfängt zu nerven, ist das ständige hinterher Gerufe von „Muzungu“, was eben Weiße bedeutet. Am Anfang war das noch echt niedlich, vor allem, wenn es die kleinen Kinder gerufen habe, aber mittlerweile reagiere ich schon gar nicht mehr darauf. Gestern Abend beispielsweise sind Vivi und ich auf einem Boda zum MishMash Cafe gefahren, weil dort ein Konzert war,  und an einem Schulbus, so groß wie ein Reisebus, mit kleinen Kindern vorbeikommen. Als das erste Kind uns entdeckt hatte waren auf ein Mal alle hinten an der Scheibe und haben Muzungu geschrien. Das war so laut und selbst der Bodafahrer musste anfangen zu lachen, weil es einfach absurd aussah, wie die ganzen Kinder an der Scheibe geklebt habe und als wir an ihnen vorbeigefahren sind, sind alle noch mit nach vorne im Bus gerannt. Unglaublich. Von Männern bekommt man oft my Sister oder my Friend hinterhergerufen, ab und zu fassen sie einen auch mal an, aber das ist glücklicherweise doch recht selten.

Vor zwei Wochen, bevor ich krank geworden bin, war am Wochenende im Nationaltheater das Bayimba-Festival, was voll cool war. Es gab jede Menge abwechslungsreiches Programm, von Comedy (aber leider in Luganda) über Poetry Session und Standup Theater zu jeder Menge Musik.

Alles Liebe aus Uganda
Eure Luisa

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden