Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.09.2014

Montessori – Pflege mit Herz und Seele

In Friedenau existiert seit dem 15. Januar 2014 eine Altenpflege- und Demenz-WG mit 8 Bewohnern, die im Sinne Montessoris arbeitet.

Foto: Montessori & Friends

Der auf dem Prinzip der Ärztin Maria Montessori beruhende Gedanke: „Hilf mir, es selbst zu tun“ revolutionierte nicht nur die Kinderpädagogik, sondern auch die Altenpflege in unserer Zeit. Hier wird der Satz erweitert, auf : „Hilf mir, es noch selbst zu tun“
In Friedenau existiert seit dem 15. Januar 2014 eine Altenpflege- und Demenz-WG mit 8 Bewohnern, die im Sinne Montessoris arbeitet (In Wilmersdorf gibt es noch eine weitere WG, mit 11 Bewohnern). Der Gedanke ist, dass das, was Kindern hilft, auch für ältere, demente  Personen wirksam sein könnte.

Die hier praktizierte Bezugspflege ist zeitaufwendig. Das Pflegepersonal lebt „empathische Distanz“. Es wird darauf geachtet, wer mit wem „gut“ kann. Die zum Teil in sich gekehrten Neuankömmlinge müssen behutsam und langsam an ihre neue Umgebung gewöhnt werden. Auf den 302 qm befinden sich sehr schöne, individuell eingerichtete Zimmer, die den Eindruck von einem Zuhause aufkommen lassen.
Die Kommunikation in der Montessori Alters-WG findet auf Augenhöhe statt.  Pflegepersonal und Bewohner sind gleichberechtigte Partner – eine Intervention findet nur statt, wenn zwingend benötigt. Zur Normalität gehört, dass Bewohner und Pflegepersonal zusammen ihre Mahlzeiten einnehmen.
Eine Ergotherapeutin unterstützt die demenzkranken Menschen dabei, vergessene Handlungsabläufe wieder mit speziellen Therapien zu reaktivieren. Hierzu werden Werkmaterialien aus der Montessori-Pädagogik eingesetzt. Das Üben mit den vorbereiteten Materalien senkt den Stressfaktor und stärkt das Selbstbewußtsein, noch etwas leisten zu können.
Die Bewohner bestimmen ihren Tagesablauf selbst. Niemand wird zu etwas gezwungen. Auch können die Bewohner, wenn sie darauf bestehen, alleine die WG verlassen. Was dann manchmal dazu führt, dass, wenn sie bis 24 Uhr noch nicht zurückgekehrt sind, die Polizei alarmiert wird. Einmal empörte sich eine Bewohnerin, das man wegen ihr die Polizei informiert hätte, wo sie doch nur im Kino war.

Generell kann man sagen, dass die Montessori-Pädagogik die Neugier wecken soll, Neues zu entdecken. Sie ist eine Impulsgabe, Aufgaben zu übernehmen und sich auch gegenseitig zu helfen. So werden die Bewohner auch in die Essenszubereitung für die WG mit einbezogen. In der großen Wohnküche sitzen dann alle um den großen Tisch und jeder macht mit. Die Umgebung hierfür ist vorbereitet! Hierzu gehört auch therapeutisches Einkaufen, selbstständige Restaurant- und Eisdielenbesuche (mit Begleitung). Die Folge sind Lerneffekte und kleine Erfolgserlebnisse „ich kann noch etwas“!
Unterstützt werden die Bewohner von ständig weitergebildetem Personal und vielen Praktikanten, die auch mit ihnen bei jedem Wetter spazieren gehen.

Erwähnenswert ist auch das ehrenamtliche Personal, das in Küche und am Klavier wertvolle Arbeit leistet. Gerade Musik hilft in der Demenz neue Lebensqualität zu gewinnen. Wenn jemand nicht mehr spricht, kann er sich vielleicht noch singend verständlich machen.

Durch einen guten Personalschlüssel wird es möglich, respektvolle und wertvolle Pflege zu leisten. Diese atmosphärische Rundum-Betreuung führt dazu, dass die meisten Bewohner ohne Psychopharmaka auskommen und weniger depressiv sind.

Ein weiteres neues Vorhaben soll das Kindergartenprojekt in Zusammenarbeit mit den ebenfalls im Hause untergebrachten Montessori-Kindergärten werden. Hier soll das Zusammenführen von Jung und Alt zu positiven Erlebnissen für beide Altersgruppen führen.
Voraussetzung für die Aufnahme in die Pflege WG ist eine Demenz mit Pflegestufe. Zusätzlich muss geschaut werden, ob der Klient in die WG passt.

Frau Schwarz als Pflegegruppenleiterin für beide WG`s sowie die Wohngruppenleiterinnen Frau Kurowska (WG2) und Frau Buchholz (WG1) versuchen hier die Sympathien auszubalancieren, um potenzielle Konflikte gering zu halten. Dieser hohe Qualitätsanspruch gibt den Montessori-Pflege-WG`s auch immer Bestnoten in der Pflegebewertung. Das Konzept ist anders und es wird erfolgsorientiert begleitet. Der Klient erhält das Zeichen, dass er noch gebraucht wird.
Anlässlich von aktuell 42.000 Demenzkranken in Berlin und einer erwarteten über 100% Steigerung bis 2050 sind neue Wohn- und Pflegekonzepte dringend erforderlich!

Nichts soll an ein Heim erinnern, Vieles aber an Zuhause!

Montessori & friends
Frau Schwarz: Tel. 030.89737855
http://www.montessori-friends.de/

Thomas Geisler

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