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26.05.2022 / Gewerbe im Kiez

Monsieur Claude und seine Töchter 2. Teil

Von Christine Bitterwolf. Eigentlich müsste das Theaterstück heißen „Monsieur Claude und seine Schwiegersöhne“, denn diese spielen hier im Grunde die Hauptrollen.
Monsieur Claude und seine Töchter, Teil 2: Blanco, Grothum, Bause © DERDEHMEL/Urbschat

Im ersten Teil dieser Geschichte, die 2018 hier aufgeführt wurde, musste Monsieur Claude sich damit abfinden, dass seine vier Töchter alle Schwiegersöhne heiraten wollten, die nicht ganz seinen Vorstellungen entsprachen. Er hat damals seine Vorurteile gegenüber anderen Nationalitäten, Hautfarben und Religionen abgebaut, damit sie alle zusammen eine glückliche Großfamilie werden konnten.
Jetzt wird im Schlossparktheater der 2. Teil von Monsieur Claudes Familie auf die Bühne gebracht. Die vier jungen Männer fühlen sich beruflich in Frankreich nicht anerkannt und glauben, auf Grund ihrer Herkunft überall abgelehnt zu werden.
Der jüdische Geschäftsmann David erhält von den Banken nicht den erforderlichen Kredit für seine Erfindungen, der chinesische Bankfachmann hat Angst vor den Aggressionen gegen Asiaten, der muslimische Rechtsanwalt bekommt nur Mandate gegen die Verschleierung und der dunkelhäutige Schauspieler bekommt keine Hauptrollen.
Deshalb beschließen sie aus Frankreich auszuwandern und woanders in der weiten Welt ihr Glück zu suchen. Und ihre Frauen wollen natürlich mit ihnen gehen. Doch Mutter Marie fürchtet ihre Enkel nicht aufwachsen zusehen. Also muss sich Monsieur Claude etwas einfallen lassen, um seine Familie in Frankreich zusammen zu halten. Außerdem will die Schwester des dunkelhäutigen Schauspielers eine Frau heiraten. Und zwischendurch wird noch ein Afghanischer Flüchtling für einen Terroristen gehalten. Das Chaos in dieser Familie ist perfekt.

Es werden in diesem Zusammenhang viele Vorurteile und Klischees angesprochen, die widerlegt und entkräftet werden müssen. Die Hauptthemen des Stückes sind wieder die Integration und der familiäre Zusammenhalt.

Die Senioren dieser Familie, die Eltern Marie und Claude Verneuil und Andrè Koffi, der befreundete Vater eines Schwiegersohns, werden von Brigitte Grothum, Peter Bause und Roberto Blanko verkörpert. Dabei fängt Brigitte Grothum als agile Mutter im Rentenalter mit Nordic walking an und läuft fleißig immer wieder mit ihren Stöcken auf der Bühne im Kreis. Claude dagegen will jetzt Schriftsteller werden und setzt sich dazu eine komisch zerzauste Perücke aus der Zeit um 1880 auf, um sich besser in die historische Zeit seines Romanes einfühlen zu können. Wenn das Publikum nun aber erwartet, dass Roberto Blanko anfängt zu singen, dann hat es sich getäuscht. Zwar singen die Schwiegersöhne zur Melodie der Marseillaise, warum sie auswandern wollen, und am Ende des Stückes singen alle gemeinsam, warum sie doch zusammenbleiben, aber ein Solo von Herrn Blanko gibt es nicht. Allerdings singen einige Familienmitglieder ihm „ein bisschen Spaß muss sein“ zu, als er der Hochzeit seiner Tochter nicht zustimmen will.

Neben den vielen Rollen in der Familie ist Marvin Münstermann der Star der Nebenrollen. Er stellt überzeugend 8 verschiedene Personen dar, von der überdrehten Regisseurin über einen afghanischen Flüchtling bis zum nüchternen Standesbeamten, und lässt diese auch gekonnt in verschiedenen Dialekten sprechen.

Das Bühnenbild für diese Stück ist relativ einfach. Es besteht aus einer Wand, die mitten auf der Bühne steht. Sie dreht sich bei jedem Szenenwechsel und bietet so binnen kurzem den Hintergrund für die vier Heimatländer der Schwiegersöhne, durch die Marie und Claude reisen. Diese Wand ermöglicht auch durch verschiedene Dekorationen den schnellen Wechsel zwischen Szenen im Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Garten oder verschiedenen Treffpunkten mit der Familie. Sehr witzig ist auch der Regieeinfall für die Blitzgeburt des ersten Enkelkindes auf der Bühne.

Das Schlossparktheater zeigt hier ein Bühnenstück mit 14 Personen. Manchmal scheint es, als wenn die Bühne für diese große chaotische Familie zu klein ist. Und doch finden alle ihren Platz. Bemerkenswert ist jedoch, obwohl oft viele Schauspieler auf der Bühne stehen, am Ende sogar alle, … es sind nie 13 Figuren gleichzeitig zu sehen. Ob tatsächlich alle Künstler noch abergläubisch sind?

Das Stück um Herrn Claude und seine große Familie wird noch bis 19. Juni aufgeführt.

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