Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

03.07.2011 / Menschen in Schöneberg

Miss- oder trauen, das war hier die Frage

Ein mir unbekannter Verfasser schrieb: Wer misstrauisch ist, begeht ein Unrecht gegen andere und schädigt sich selbst. Wir haben die Pflicht, jeden Menschen für gut zu halten, solange er uns nicht das Gegenteil beweist.

Genau diese Worte gehen und gingen kontinuierlich mit meiner eigenen Lebensmaxime konform, so oft ich auch schon schmerzlich „reingefallen“ bin: Im folgenden handelt es sich aber um eine risikobehaftete Begebenheit, die zwar gut ausging, jedoch auch als Warnung für ähnliche Fälle verstanden werden will.

Wohnungssuche kann ein herrliches Abenteuer sein, sofern man keinen  Zugzwang - im wahrsten Sinne des Wortes - hat. Eine Freundin aus Tegel wollte seit langem nach Friedenau, Steglitz oder Schöneberg ziehen. Da ich seit einigen Jahren (sehr glücklich) hier wohne, bot ich mich an, mich für sie umzusehen und dabei gleichzeitig nur zu gerne dabei auch selbst weiteres Umfeld zu erkunden. Unweit des Rathauses Friedenau fiel mir ein Wohnblock ins Auge, der mich sogleich anzog und neugierig machte. Eine ältere, dem Anschein nach sehr gut situierte Dame hantierte dort gerade mit ihrem Schlüssel und die sprach ich dann auch freundlich auf eine eventuell frei werdende Wohnung für meine Freundin an.
Im Laufe eines kurzen Gesprächs ließ sie mich mit ins Haus kommen, beschrieb mir die Wohnverhältnisse und berichtete sogar von einer Lehrerin, die in gleicher Etage wohne und wohl ausziehen wolle.
Kurz, innerhalb von höchstens zehn Minuten, lud sie mich in ihre Wohnung, obwohl ich nur nach dem Wohnungsschnitt gefragt hatte. Sie wohne hier alleine, nur der Sohn käme sporadisch vorbei, erzählte sie, während sie mit mir durch hübsche Zimmer schritt. Einer plötzlichen Eingebung folgend fragte ich sie, was ihr Sohn wohl dazu sagen würde, dass sie eine ihr völlig fremde Person soeben in ihre Wohnung gelassen habe?
Da verfinsterte sich ihre Miene sofort zusehends und als Resultat betrachtete sie mich (!) jetzt er-schreckend deutlich voller Miss-trauen ...
Ich hatte es ja absolut gut gemeint, doch brachte sie meine Äußerung sichtlich völlig durcheinander. So verließ ich sie besser umgehend, selbstverständlich ganz besonders herzlich dankend, doch war ich nun leider etwas irritiert und auch reichlich beklommen.
Ob ihre Angst vor der eigenen sträflichen Unachtsamkeit oder der sicher zu erwartenden Zurechtweisung des Sohnes größer war, konnte ich schlecht einschätzen. Sicher aber beides?

Auf jeden Fall wird es ihr eine Weile zu denken gegeben haben und letzten Endes wird sie auf eine subtile Art erleichtert gewesen sein? Es spricht jedoch auch sehr für diese liebenswerte Friedenauerin, dass sie mir so spontan und so rückhaltlos vertraute, zu-recht in diesem Fall zum Glück!

Ich selbst hoffe unverdrossen weiterhin, dass Misstrauen nicht so oft gerechtfertigt ist, anvertraut hiermit allen Lesern und besonders jener vertrauensvollen Mitbürgerin,

Elfie Hartmann

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