Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

28.05.2011 / Menschen in Schöneberg

Menschen in der VHS: Frau Schönemann aus Schöneberg und die Logik der Grammatik

„Ich, du, er, sie, es…“, der Stift flitzt quer übers Papier. Vertikal geht´s weiter: „Nominativ, Genitiv…“, die Augen leuchten. Sie malt eine Insel mit Palme – Urlaub! Nein, den hat Karin Schönemann jetzt nicht, denn als Kursleiterin der Volkshochschule (VHS) Tempelhof-Schöneberg ist sie im Einsatz.
Karin Schönemann. Foto: Sabine Henkel

Dort skizziert sie Kasus und Personalpronomen nicht auf Papier, sondern entwirft vielfältige Übungen für das Lernen am Computer. „Ich versuche, möglichst kreativ die Technik am PC mit dem Lernen von Grammatik zu verschränken“, sagt Karin Schönemann. Ihre Begeisterung für die „Logik der Grammatik“ ist mehr als eine Leidenschaft, denn sie wirkt unmittelbar ansteckend.

Seit 2002 ist Karin Schönemann Kursleiterin an der VHS Tempelhof-Schöneberg für Deutsch als Fremdsprache und als Zweitsprache. Sie gibt Intensiv- und Integrationskurse für die Grundstufe, die auf den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) vorbereiten. Zum weiteren Angebot für Migrantinnen und Migranten gehören die Deutschkurse für Mütter/Eltern in Schulen und Kitas, in denen sie ebenfalls unterrichtet. In diesen Kursen bilden Themen, die die Kita, die Schule und vor allem das deutsche Schulsystem betreffen, einen besonderen Schwerpunkt. Die Eltern sollen in die Lage versetzt werden, ihre Kinder bestmöglich zu fördern und auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen.

In Sachen Bildung hat auch Karin Schönemann verschiedene Stationen durchlaufen – Wechsel-spiele zwischen Faszination und Vernunft. In Lübeck geboren, zog es sie zum Studium von Philosophie, Deutsch und Sozialkunde nach Tübingen. „Ich war erpicht, die Fragen der Welt und der menschlichen Existenz zu verstehen“, sagt sie. Ernst Bloch lehrte dort, Marx und Hegel wollten gelesen werden, doch Tübingen selbst blieb allenfalls beschaulich.

Karin Schönemann beschloss, alles zu ändern: Politologie statt Philosophie, Lehramt statt Magister-Abschluss, Studium in Berlin. Drei Jahre habe sie auf die Zulassung zum Referendariat gewartet, die Zeit mit diversen Stellen in pädagogischen Einrichtungen überbrückt. Das zermürbt, rief nach Neuorientierung. Anfang der 90er-Jahre absolvierte Karin Schönemann die Zweite Staatsprüfung für das Amt der Studienrätin. Dann: Einstellungsstopp!

Mit ihren Fähigkeiten erarbeitete sich Karin Schönemann die Qualifikation, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Darüber hinaus absolvierte sie eine Computer-Weiterbildung und entdeckte bald ihr eigentliches Metier, das sie schließlich zur VHS brachte. „Die Menschen in den Kursen sind hoch motiviert, die Niveaustufen homogen, es herrscht Disziplin und das Publikum ist international“, sagt sie.

Hobby und Beruf kreuzen sich beim Radfahren. Mit Konstanze Blanck-Lubarsch leitet Karin Schönemann den Sommerkurs für Migrantinnen „Berlin mit dem Fahrrad entdecken“. Sie bieten attraktive Touren, multikulturelles Picknick und weitere Highlights in Theorie und Praxis an.

Einen persönlichen Höhepunkt kann Karin Schönemann dieses Jahr feiern: ihr 35jähriges Jubiläum in ihrem „Dorf“, dem Schöneberger Kiez, und in Berlin, „der ultimativen Stadt“. Ihre „Neugier auf die Welt und die existenziellen Fragen“ bleibt ungebrochen.

Sabine Henkel

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