Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

01.07.2021 / Projekte und Initiativen

MENSCH - ARBEIT - ALTER

Von Elfie Hartmann. Die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) waren bis zum 1. Juni diesen Jahres am Wittenbergplatz in Schöneberg zu besichtigen. Die Arbeiten hatten den gemeinsamen Titel: MENSCH ARBEIT ALTER.
Fotos: Elfie Hartmann

Die BGW setzt sich für gesunde Arbeitsbedingungen in der Pflege ein. Sie hatte Fotografinnen und Fotografen aufgerufen, die verschiedenen Facetten des Altenpflegeberufs zu dokumentieren. Entstanden sind Bilder von großer Eindringlichkeit.
Die Ausstellung zeigte, wie bedeutend dieser Beruf für unsere Gesellschaft ist, und wie sehr die hier tätigen Menschen unsere Wertschätzung verdienen. Es lohnt unbedingt, sich ausgiebig Zeit zu nehmen, jede einzelne Fotografie intensiv zu betrachten. Ergänzend stand über jedem ausgestellten Foto die entsprechende Geschichte dazu. So zum Beispiel die der Pflegekraft Uta Gareis:

Menschliches Sein in der Pflege
Pflege hat viele Gesichter, sie ist voller Bilder und Geschichten. Die hohe Arbeitsbelastung, der Stress, der Zeit- und Personalmangel sind schon lange ein großes Thema. Was spricht gerade für diesen Beruf?
„Nirgendwo anders sind mir soviel berührende und spannende Lebensbiographien begegnet. Meine Bilderstrecke erzählt von Alltäglichem bis hin zu emotional-persönlichen Erfahrungen. Mit meinen Fotos habe ich versucht, das facettenreiche Thema Pflege so gut und authentisch wie möglich darzustellen. Besonders herausfordernd war, diesen sehr intimen Bereich würdevoll, aber dennoch unverfälscht bildlich wiederzugeben. Ich bin mit leeren Händen gekommen und mit vollem Herzen gegangen.“

Noch ein Beispiel:

Henny Steffens
Inseln der Zufriedenheit
Das Leben mit Demenz wird für betroffene Personen vor allem durch den Einsatz und die Fürsorge der Pflegenden lebenswert. Sie sorgen jeden Tag dafür, dass sich die Menschen in einer durch Erinnerungsverlust entfremdeten Welt zurechtfinden und sich wohlfühlen können. Sie helfen, das Umfeld zu ordnen und aus dem Zustand der Isolation zu befreien. In einer schwindenden Welt bilden Pflegekräfte als wichtige Bezugspersonen einen Anker, führen immer wieder entfallendes Wissen und Erfahrungen zurück, helfen erinnern und erschaffen Inseln der Zufriedenheit.

Den dritten Platz des Fotowettbewerbs erreichte Thomas Engel mit seiner Fotodokumentation:

Walter und Marie
Walter stirbt. Seine Tochter Marie ist mit ihm im Krankenhaus. Nach Jahren der Sorge und Unsicherheit dringt die Gewissheit des Abschieds in ihr Leben. Sie warten, gefangen und geschützt zugleich, im Raum des Karikativen, wo das Verschwinden sich surreal in Gefühle und Gesichter schleicht. Die Rollen ihres Lebens sind wortbrüchig geworden. Die Sprache ist gewichen und die Strukturen, die sie im Leben trugen, zerfallen, als würde ein Faden gelöst. Wo Pflegerinnen und Patienten sich am Tage kreuzen, krümmt nun abends die drohende Leere das Licht.
Die Arbeit entstand in den Wochen, in denen der 93-jährige Walter, der in den vorherigen zehn Jahren bereits mehrere Schlaganfälle erlitten hatte, zum letzten Mal im Hospital auf verschiedene altersbedingte Symptome hin behandelt wurde.

Einen Sonderpreis erhielt Lisa-Marie Kaspar mit ihrem Beitrag
Berührungspunkte
„Im Juni und Juli 2019 durfte ich im Seniorenheim Ehehaltenhaus/ St. Nikolaus der Stiftung Bürgerspital im Würzburger Stadtteil Sanderau den Beruf der Altenpflege kennenlernen. Dabei konnte ich viele intime persönliche Momente miterleben und mit meiner Kamera festhalten; es herrschte stets eine freundliche, vertraute Atmosphäre, die mir bei meiner Arbeit sehr geholfen hat und die ich in meiner Serie widerspiegeln möchte. Mein Anliegen war es, zu verstehen, was Pflege, insbesondere Altenpflege, bedeutet und mit sich bringt. Auch wenn ich in dieser kurzen Zeit vielleicht nur einen Bruchteil all dessen, was diese Arbeit ausmacht, kennen lernen konnte, so habe ich auf jeden Fall die Herzlichkeit und Menschlichkeit zwischen Pflegern und Bewohnern, aber auch der Pflegekräfte untereinander gespürt und konnte in persönlichen Gesprächen zudem heraushören, wie viel Freude den meisten Pflegern ihre Arbeit bereitet. Der Titel „Berührungspunkte“, verrät schon, dass es um Berührungen geht - sowohl körperlich als auch emotional.“

Die hier abgebildeten Elemente der Fotoausstellung standen am Nordbrunnen sowie am Südbrunnen vom Wittenbergplatz in Sichtweite des KaDeWe. Die üblichen Pandemie-Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln galten bei der Freiluftausstellung auch hier und wurden auf großen Anzeigetafeln für den Besuch der Ausstellung angezeigt.

Die nachfolgende Ausstellung mit neuer Themengebung findet in Lübeck statt. Seit Beginn der Pandemie konnten die Ausstellungen der Gewinner nur in fünf Städten innerhalb Deutschlands stattfinden. Aber noch Im Jahre 2017 konnte man die Fotos, stets mit den jeweiligen Geschichten der einzelnen Wettbewerbsgewinner versehen, noch in fünfzig Städten besuchen. Ab September 2021 wird die STZ durch nochmalige Kontaktaufnahme erfahren, wann und wo man auch wieder in Berlin mit einer Ausstellung rechnen kann und darüber rechtzeitig informieren.

Weitere Informationen über:
www.bgw-online.de/Fotowettbewerb.

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden