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4.06.2019

Mehr Zeitgeist in der Botanik

Was wurde in den letzten Jahren nicht schon alles im Botanischen Garten gemacht? Nach der Sanierung des Viktoriahauses geht es nun mit der Modernisierung weiter.

Modell des neuen Besucherzentrums ® Luxigon

Der Garten soll attraktiver werden, nicht nur für die lokalen Besucher, sondern auch für die vielen Touristen. Dafür hat der Senat bereits 2015 die Summe von 14 Millionen Euro bewilligt, die nun nach und nach ausgegeben wird.

Die erste Maßnahme ist der Bau eines Besucherzentrums am Eingang Königin-Luisen-Straße. In diesem neuen Gebäude wird zukünftig der Kassenbereich sein, eine Garderobe, ein Info Zentrum und natürlich ein Shop. Licht und hell wird es dort sein durch die großen Glasfronten, und das verbaute Holz schafft die Anbindung an die Natur.

Wenn man zur Zeit vom Eingang Königin-Luise-Straße In den Botanischen Garten möchte, so ist das nicht möglich. Der Besucher kommt nur über das Botanische Museum in den Garten. Grund für die Sperrung des Eingangs ist nicht nur der Neubau, sondern vor allem  Bauarbeiten auf dem Hauptweg. Unter dem Hauptweg, der vom Königin-Luise-Platz zum Eingang Unter den Eichen führt, liegt eine Fernwärmeleitung aus den 60er Jahren, die saniert werden muss.  Diese Fernwärmeleitung versorgt nicht nur die Gewächshäuser des Botanischen Gartens, sondern auch umliegende Anwohner. Vattenfall kann diese Sanierung natürlich nur in der heizungsfreien Zeit durchführen, d.h. die Arbeiten dauern noch bis 15.09.2019. Gleichzeitig werden dort auch schon Kabel für das neue Besucherzentrum gelegt. So wird nur einmal aufgebuddelt, was Geld und Zeit spart, bei Bauarbeiten in Berlin leider ein seltener Fall. Im Besucherzentrum sind bereits die Bodenarbeiten abgeschlossen, am Jahresende soll der Hochbau beginnen und in zwei Jahren ist die Fertigstellung geplant.

Im Laufe dieses  Sommers werden einige Besuchertoiletten zum Teil komplett erneuert und barrierefrei gestaltet, eine weitere Maßnahme des Modernisierungskatalogs. Außerdem werden die Teichanlagen am Arboretum, der Freilandabteilung mit Bäumen und Sträuchern, saniert.

Im nächsten Jahr folgt dann die Erneuerung vieler Wege, die Neuanlage von Beeten beim Garteneingang Unter den Eichen, sowie die Neuanlage eines Nutzpflanzengartens. Eine weitere Maßnahme, um  die Besucher des Botanischen Gartens stärker anzuziehen, verspricht man sich durch ein neues Leitsystem, also neue Wegweiser.  Hinzu kommt eine komplette Überarbeitung der Informationstafeln in den einzelnen Gartenbereichen.

2022 sollen dann alle fünfzehn Maßnahmen umgesetzt sein, und der Botanische Garten wird hoffentlich ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt.

Damit jedoch nicht genug, denn auch das Botanische Museum soll in Zukunft touristisch stärker erschlossen werden. 7,5 Millionen Euro wurden dafür bewilligt. Geplant ist, das Museum zum Jahresende zu schließen und dann umzubauen.  Die Ausstellungsräume sollen völlig entkernt und neu gestaltet werden. Außerdem ist vorgesehen, einen neuen Fahrstuhl einzubauen, der alle Ausstellungsebenen in einem Rundgang verbindet. Auch die Eingangshalle wird von außen und innen modernisiert, neben Toiletten und Schließfächern wird es dort flexible Räume für Gruppen und Bildungsangebote geben. Ebenfalls 2022 sollen die Umbauarbeiten beendet sein.

Die finanziellen Mittel für all diese Modernisierungsmaßnahmen stammen übrigens zu 90 Prozent aus dem Fonds für die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) und zu zehn Prozent von der Freien Universität.

Leider ist es damit nicht getan und der Botanische Garten bleibt ein Sorgenkind, das weitere Finanzierungsmittel in Höhe von über 100 Millionen benötigt. Das wurde festgestellt, als der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses im April den Botanischen Garten besuchte. Bei einem Rundgang wurde klar, dass die denkmalgeschützten Gewächshäuser dringend saniert werden müssen. Nur zwei der insgesamt 15 Gewächshäuser, nämlich das Viktoriahaus und das Große Tropenhaus, sind bereits denkmalgeschützt und energetisch saniert. Ansonsten sind allein für eine künftige Sanierung des Mittelmeerhauses rund 18 Millionen erforderlich. Zur Zeit muss das Mittelmeerhaus aus Sicherheitsgründen bei 8 Windstärken geschlossen werden, da sonst die Lüftungsflügel des Mittelschiffs herabstürzen könnten. Fast ebenso marode sind die anderen bis 1909 gebauten Schaugewächshäuser wie das Tropische Nutzpflanzenhaus, das Farnhaus oder das Aaronstab-Gewächshaus.  Die Verglasung ist undicht und der Energieverbrauch viel zu hoch.

Seit 2017 ist nicht mehr der Senat, sondern  die Freie Universität für die bauliche Unterhaltung des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums zuständig und bekommt vom Senat dafür einen jährlichen Zuschuss von 2,6 Millionen. Vergleicht man den Investitionsbedarf und den aktuellen Zuschuss, so stellen sich viele Fragen zur Zukunft des Botanischen Gartens. Ob die gesteigerte Attraktivität für Touristen das nötige Geld bringt, ist zu hinterfragen. Dazu ist zu bedenken, dass sehr viele Touristen den Charakter dieses tollen Kleinods umgeben von Großstadthektik stark verändern würden. Man kann nur hoffen, dass beim Senat genügend Geld für die weitere Sanierung locker gemacht werden kann. Keinesfalls sollte so ein Anwesen zum Beispiel aus Geldmangel privatisiert werden, es muss in öffentlicher Hand bleiben.

Eine weitere Frage wäre, ob die Freie Universität noch der richtige Träger für den Botanischen Garten ist, da er für wissenschaftliche Zwecke heutzutage nicht mehr wichtig ist und die Freie Universität sich mit einer Vermarktung des Gartens befassen muss, was eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehört.

Christine Sugg

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