Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

28.02.2011 / Projekte und Initiativen

Meditation - ein Weg zur Befreiung und Emanzipation

Die Buddhistische Akademie Berlin Brandenburg mit Sitz in den Friedenauer Ceciliengärten feiert im Mai ihr 10jähriges Bestehen. Mit deren Mitbegründerin und Vorstand, der Meditationslehrerin Sylvia Wetzel im Gespräch.
Buddha Tara animiert und stärkt weibliche Spiritualität. Statue Mongolei, 17. Jh., Abb. Privat

Über den Tellerrand schauen und mit interessanten Menschen aller buddhistischer Traditionen in Berlin relevante Themen bearbeiten und den Buddhismus in die heutige Zeit bringen. So die Grundidee, die zur Gründung der Buddhistischen Akademie führte. Dabei will die Akademie Forum und Netzwerk zugleich sein. Es gibt mittlerweile fast 50 buddhistische Gruppen in Berlin.

„Der Buddhismus ist dabei, sich in unsere Kultur zu integrieren“, sagt Sylvia Wetzel, und findet es deshalb wichtig, sich zu öffnen, Einblick zu gewähren, sich auch der europäischen Philosophie zu widmen und den interreligiösen Dialog zu pflegen. „Ich bin eine Frau des Runden Tisches“, so die Mitbegründerin der Akademie. Die Buddhistische Akademie bietet all dies in wöchentlichen Vor-trägen, Seminaren, Tagungen und Publikationen.

Ein Schwerpunkt der Akademiearbeit ist das Thema Frauen und Buddhismus, mit dem Sylvia Wetzel seit über 30 Jahren befasst ist. Hier ergibt sich die Möglichkeit, auch Einblick in die buddhistische Praxis zu erhalten und in Kursen, insbesondere für Frauen, das Üben der Meditation zu erlernen.

Buddha Tara, die Grüne Tara, eine weibliche Buddha-Gestalt, steht im Zentrum der Meditationen, die Sylvia Wetzel lehrt. Anfängern rät sie, täglich 10 Minuten diese, besonders Frauen inspirierende Tara-Praxis zu üben. Dabei konzentriert mensch sich zunächst auf die 4 Eigenschaften oder Qualitäten von Buddha Tara, die durch ihre charakteristische Körperhaltung (s. Abb.) symbolisiert werden: Sammlung und Weisheit (linkes Bein in Meditationshaltung), kluges, mitfühlendes Handeln (rechtes, zum Aufstehen bereite Bein), Zuflucht und Furchtlosigkeit (linke Hand in Höhe des Herzens), Großzügigkeit und Erfüllung aller Wünsche (rechte, zum Geben bereite Hand). Danach folgen 3 Übungen (alle Wesen um einen herum vorstellen, Zuflucht nehmen, die 4 buddhistischen Haltungen allen Lebewesen gegenüber entwickeln), 2 Runden Mantra-Rezitation (Reinigung, Stärkung) und den Schluss bildet die Widmung der ganzen Tara-Praxis, dass sie zum Wohle aller Lebewesen wirken möge. Dies vollständigkeitshalber, in aller Kürze, um einen Eindruck von der Tara-Praxis zu geben.

Das klingt nach Arbeit und nicht nach buddhagleicher Gelassenheit, dem Loslassen von Alltags-last und Ausschalten störender Gedanken, nicht nach Zuflucht nehmen und zu seiner Mitte finden, indem mensch lediglich dem eigenen Atem folgt.

Mit Atmung kann man zur Ruhe kommen und Abstand gewinnen, aber man erreicht keine Verwandlung seiner Persönlichkeit, entgegnet Sylvia Wetzel. Die tägliche Meditationsübung stärkt die 4 Tara-Qualitäten in einem, denn das ist die Grundthese der Buddhisten, dass alles, was wir brauchen, bereits in uns vorhanden ist und nur durch falsche Gewohnheiten verdeckt wird. Tara-Praxis erfordert Disziplin und Geduld, deshalb gibt es Tara Libre, ein Netzwerk von Frauen, die die Tara-Praxis bei Sylvia Wetzel er-lernt haben und sich nun gegenseitig unterstützen bzw. von einer Mentorin begleitet werden. Tara bedeutet im Tibetischen „die Befreierin“ und Libre hat Sylvia Wetzel in Analogie zur Frauenemanzipationsbewegung hinzugefügt und somit Asien mit Europa symbolisch verbunden.

Befreiung wovon?
Von Blockaden, den eigenen, eingefahrenen Mustern und Gewohnheiten, Meinungen und Ängsten oder auch nur von Gedanken. „Es ist ein Riesenschritt in die Freiheit, zu bemerken, das sind nur Gedanken...“, berichtet Sylvia Wetzel aus eigener Erfahrung. Für den emanzipatorischen Effekt ist zudem „die Reflexion der Geschlechterrollen unumgänglich“ betont Sylvia Wetzel. Auch hier wird analytisches Denken gefordert und die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit und der Wunsch nach der Wirksamkeit des eigenen Atems für eine neue Selbsterfahrung wieder enttäuscht. Mehr Freiheit bedeutet mehr Selbständigkeit, aber eben auch mehr Selbstverantwortung.

Befreiung wozu?
Um die Verbundenheit von allem mit allem zu erkennen. Vor allem aber, und da spricht die Buddhistin, „das Handeln zum Wohle aller zu lernen, und das Vertrauen in die innere Weisheit oder Buddha-Natur zu stärken.“ Mit  Hilfe der Tara-Praxis soll mensch lernen, sich selbst innerlich zu beobachten, um eingefahrene Muster und Gewohnheiten erkennen und loslassen zu können, die seine Buddha-Natur blockieren.
Es ist eine gute Nachricht, dass immer mehr Menschen meditieren in Orient und Okzident und dass es Mittlerinnen gibt, die an der Schnittstelle zwischen den Kulturen und den Traditionen tätig sind.

Christiane Rodewaldt

Literatur, Vorträge und Meditationskurse von und mit Sylvia Wetzel,
siehe: <link http: www.sylvia-wetzel.de _blank external-link-new-window externen link in einem neuen>www.sylvia-wetzel.de

Zu den Aktivitäten und Veranstaltungen der Buddhistischen Akademie,
siehe: <link http: www.buddhistische-akademie-bb.de external-link-new-window externen link in einem neuen>www.buddhistische-akademie-bb.de

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden