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5.11.2013

Masterplan soll Probleme lösen

Musik gehört zu Kultur und Bildung. Deshalb gehört Musik auch zu den Unterrichtsfächern an den allgemeinbildenden Schulen. Darüber hinaus unterhält jeder Bezirk in Berlin eine staatliche Musikschule. Das Angebot reicht von den Anfängen der Grundausbildung bis zur Vorbereitung des Musikstudiums und richtet sich an Musikinteressierte jeden Alters.

Gute Arbeit soll auch gut bezahlt werden. Foto: Thomas Protz

In Tempelhof-Schöneberg gibt es die Leo-Kestenberg-Musikschule. Hier unterrichten etwa 200 Musiklehrer ungefähr 4000 Schüler. Die Schule beschäftigt 183 Musiklehrer auf Honorarbasis, daneben sind nur 16 Musiklehrer festangestellt und davon auch nur 2 mit einer Volltagsstelle. Die festangestellten Lehrer sind überwiegend im Verwaltungsbereich beschäftigt, bzw. mit der Leitung bestimmter Musikbereiche beauftragt.

Natürlich möchten mehr Musiklehrer feste Arbeitsverträge haben, und in anderen Bundesländern soll das ja auch funktionieren. Aber festangestellte Mitarbeiter kosten nun mal mehr Geld als Honorarkräfte, allein durch die Zahlungen in die gesetzliche Sozialversicherung. Zur Zeit sind die Musiker in der Künstlersozialversicherung wesentlich billiger versichert.

Seit dem 1.8.2013 hat die Musikschule nun die alten Honorarverträge gekündigt und ihren Lehrern neue Verträge angeboten. Die wesentliche Änderung durch die neuen Honorarverträge besteht darin, dass die Unterrichtstunden nicht mehr pauschal vergütet werden, sondern jetzt einzeln abgerechnet werden müssen. Zum besseren Verständnis sei erklärt: früher bekam jeder Lehrer für jeden seiner Schüler einen Stundensatz für 39 Stunden im Jahr - in den Ferien findet kein Musikunterricht statt -, der in 12 Teilen monatlich pauschal ausgezahlt wurde. Heute führt jeder Lehrer eine Liste über die gegebenen Stunden und jede Stunde wird einzeln bezahlt. Das führt zu Einkommensverlusten, wenn Feiertage auf Wochentage fallen und die Stunde nicht zu einem anderen Zeitpunkt nachgegeben werden kann. Hier wurde von den Musiklehrern ein Verlust bis zu 3,2% ausgerechnet. In einer Zeit da alle Arbeitnehmer um Einkommenserhöhungen kämpfen, ist das bitter. In den Verträgen mit den Schülern steht dagegen ausdrücklich, dass ihr Entgelt auch zu zahlen ist, wenn sie eine Unterrichtsstunde nicht wahrgenommen haben. Die Senatsverwaltung versichert jedoch, dass durch die neuen Verträge berlinweit keine Honorarmittel eingespart werden.
Dadurch, dass die Stundenhonorare nun jeweils in vollem Umfang abgerechnet werden, kommt es bei den Lehrern zu einem sehr unregelmäßigen Einkommen. In Monaten, in denen vollunterrichtet wird, ist das Honorar höher als in Monaten, in denen anteilig Ferien zu Unterrichtsausfall führen, und während der großen Ferien im Sommer gibt es dann schon mal einen Monat gänzlich ohne Bezahlung. Das kann natürlich jeder für sich selbst vorrausschauend ausgleichen, in der Außenwirkung aber führt es zu einer sozialen Schlechterstellung. Wie oft wird man, z.B. beim Mietvertrag, nach dem regelmäßigen Einkommen gefragt. Versuchen Sie mal, einen Kredit zu bekommen für ein Auto oder gar einen Wohnungskauf, wenn Sie kein regelmäßiges Einkommen haben. Die Bank gibt sich da nicht mit einem Durchschnittsverdienst zufrieden.

Ein anderes Problem ist, dass die Einzelabrechnung der Stunden zu erheblich mehr Verwaltungsaufwand führt. Dies war im Vorfeld schon abzusehen, wurde aber von der Senatsverwaltung abgewiegelt, weil ein neues Software-Programm diese Arbeit übernehmen sollte. Die neue Software gibt es auch schon, sie ist aber zur Zeit noch nicht einsetzbar. Diese Situation führte nun an der Leo-Kestenberg-Musikschule dazu, dass für die nächsten Monate eine zusätzliche Bürokraft eingestellt werden musste. Schön, dass dafür das Geld da ist.

Die geänderten Honorarverträge haben auch an der Leo-Kestenberg-Musikschule dazu geführt, dass mehrere Lehrer die neuen Verträge nicht unterschrieben haben und deshalb jetzt nicht mehr an der Musikschule unterrichten. Ein großer Teil ihrer Schüler ist mit ihnen gegangen. Die Musikschule hat aber ersatzweise einige neue Lehrer unter Vertrag genommen, wenn auch zum Teil in anderen Bereichen. Das wiederum hat zu Unstimmigkeiten geführt, weil die Lehrer, die hier bereits tätig und nicht ganz ausgelastet sind, es lieber gesehen hätten, wenn sie erst mal ihre Schülerzahl hätten erweitern können. Nur wenige Musiklehrer haben allein durch die Schüler der Musikschule einen VolltagsJob. Viele Lehrer haben nebenbei noch private Schüler, geben selbst Konzerte oder spielen in einer Band, um die geringen Honorarzahlungen zu ergänzen. Durch die neuen Musiklehrer und die vorhandenen freien Kapazitäten können nun wieder neue Schüler an der Leo-Kestenberg-Musikschule aufgenommen werden. Eine Warteliste wie in anderen Bezirken gibt es in Tempelhof-Schöneberg nicht.

Die Bezirke und auch der Senat sind sich bewusst, dass die Musikschulen ein ganz wesentlicher Faktor in der Bildungslandschaft sind. Deshalb sind sie auch bemüht, sich mit den Unzufriedenheiten der Musiklehrer auseinander zu setzen. Im September wurden dazu Gespräche geführt. Man ist sich einig, dass die Zahl der festangestellten Lehrer unbedingt erhöht werden soll. Es gibt auch bereits einen Masterplan, der die Umstrukturierung der Musikschulen in allen Punkten genau regelt und dem alle Beteiligten zugestimmt haben. Das klingt doch alles sehr hoffnungsvoll. Allerdings gibt es diesen Plan schon seit September 2012, und bisher wurde er noch nicht umgesetzt. So bleibt es abzuwarten, wann die Probleme der Musikschulen zu aller Zufriedenheit gelöst werden.

Christine Bitterwolf

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