Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.01.2012 / Projekte und Initiativen

„Man sieht nur mit dem Herzen gut ….“ - aber zur Unterstützung braucht es gesunde Augen!

Über 80% aller Wahrnehmungen nimmt ein Sehender mit den Augen wahr. Entsprechend gravierend sind die Probleme, die ein Blinder oder Sehbehinderter hat. Nach dem Gesetz (SGB) gilt als sehbehindert, wer weniger als 30% und als blind, wer weniger als 2% sieht. Da keine empirische Erhebung dieser Behinderung in Deutschland erfolgt, liegen nur Schätzungen vor, die sich erheblich widersprechen.
Anatomie des Auges, Talos

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverein (DBSV) meldet in einer Hochrechnung für Deutschland 150.000 blinde und 500.000 sehbehinderte Menschen. Während die WHO sogar von 1,1 Mio Betroffenen ausgeht. Sicher ist, dass jedes Jahr 10.000 Neuerkrankungen dazu kommen. Ursachen für eine Erblindung oder Sehbehinderung sind im Wesentlichen folgende Ursachen :

Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD)
Glaukom (Grüner Star)
Diabetische Retinopathie
Katarakt (Grauer Star)
Hornhauttrübung
Erblindung in Kindheit
Andere Ursachen
50%
18%
17%
5%
3%
2,4%
4,6%

   
Auf der Webseite der Pro Retina Organisation wird ein Simulator angeboten, mit dem Sehende die Möglichkeit erhalten, die jeweiligen Erkrankungen nachzuvollziehen (<link http: www.pro-retina.de simulation external-link-new-window externen link in einem neuen>www.pro-retina.de/simulation).

Pro Retina ist eine Selbsthilfegruppe, die 1977 gegründet wurde und sich mit Netzhauterkrankungen beschäftigt. In über 60 Regionalgruppen haben sich 6.000 Mitglieder organisiert. Ihr Ziel ist es, ein Sprachrohr für Betroffene zu sein, Informationen zu sammeln, Forschungsprojekte zu unterstützen und über Hilfen aufzuklären. Hierzu gehört auch, Mobilitätserleichterungen durch kontrastreiches Design im öffentlichen Raum zu fordern.

Auch die in Mode gekommenen Pastelltöne auf Webseiten sind für Sehbehinderte nur schwer zu lesen, wie in einer Usher- (Hör-Sehbehinderung) Betroffenengruppe zu erfahren war. Betroffene mit dieser Doppelbehinderung haben zudem häufig mit der Finanzierung ihres Hörgerätes zu kämpfen. Die Krankenkassen gewähren einen Festbetrag, der ca. bei 420 EUR ein für Hörgerät und ca. 800 EUR für eine beidseitige Versorgung mit Hörgeräten beträgt. Es gibt Hörgeräte zu diesem Festbetrag, doch diese sind für die meisten Schwerhörigen nicht ausreichend. Die Zuzahlung für ein Hörgerät kann bis zu 4000 EUR betragen, die der Betroffene zu leisten hat. Häufig wird das Sozialgericht zur Klärung angerufen.

Eine Usher-Geschädigte berichtet von einem Sturz ins Gleisbett der U-Bahn. Wobei Sie sich Gott sei Dank nur Prellungen zuzog. Dank eines Sicherheitstrainings der BVG, das sie am Alex absolviert hatte, konnte sie sich schnell in Sicherheit bringen.

Öffentliche Unternehmen wie die BVG haben auch eine andere Servicelücke geschlossen, indem sie für stark mobilitätseingeschränkte Kunden Mobilitätshilfen in Form von einer Begleitung anbieten. Der Begleitservice (Telefon: 030.34649940) ist kostenlos und bringt seine Kunden von deren Haustür zu Ihrem Ziel in ganz Berlin und wieder zurück.

Für blinde oder sehbehinderte Berlin-Touristen gibt es zudem einen ehrenamtlichen Begleitservice (bei Interesse E-Mail an: audioguide@carpeberlin.com) mit sogenannten „Begleitengeln“. Hier führen Ehrenamtliche (info@gute-tat.de) mit einem Audioguide zu den Sehenswürdigkeiten Berlins.
Hoffnung für viele Betroffene stellt die Meldung der Zeitschrift Welt dar, dass mit Hilfe eines unter die Netzhaut implantierten 3 mm großen Mikrochips eine zumindest rudimentäre Sehkraft wieder erlangt werden kann. Noch steckt diese Technik allerdings in den Anfängen und ist sehr teuer, aber mit Einführung der Marktreife werden auch hier die Ergebnisse besser und die Kosten günstiger. Man rechnet zur Zeit mit einer Anwendungsreife in drei Jahren.  

Für die Berliner Usher Gruppe werden noch Freiwillige zum Vorlesen, Tandem- und Kanufahren gesucht. An dieser Stelle sei auch den bereits ehrenamtlich Tätigen gedankt.

Usher-Gesprächskreis
Roger Reichardt
HörBIZTel. 32 60 23 75 oder
Tel. 70 40 484 (Herr Bölkow)
E-Mail: r.reichardt@hoerbiz-berlin.de

„…das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“
(Antoine de Saint-Exupéry)

Thomas Geisler

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