Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.04.2018

„Magic Is Real“

Kennen Sie, lieber Leser, liebe Leserin, Peter Grant, auch Nightingales Sperling genannt, den Londoner Detective Constable, von dem dieser Ausspruch stammt?

Ben Aaronovitch. © Foto: Sabrina Aaronovitch

Er hat gerade seine Ausbildung bei der Metropolitan Police absolviert und selbst noch keine Ahnung von seinen magischen Fähigkeiten, bis ihm nachts auf Streife in den Londoner Straßen ein Geist über den Weg läuft. Offen für alles, was das Leben ihm so bietet, nimmt er das erst einmal hin, zumal dieser Geist, wie sich herausstellt, ein wichtiger Zeuge für einen gerade stattgefundenen Mord ist. Diese Begegnung trägt Peter die Aufmerksamkeit von besagtem Nightingale ein, genau genommen Detective Chief Inspector Thomas Nightingale, Magier und einziges Mitglied der Einheit für Übernatürliche Vorkommnisse, von hohen Beamten der Londoner Polizei „abstruser Scheiß“ genannt, mit dem sich niemand sonst beschäftigen will und kann, die sich aber doch immer wieder ereignen - Magie ist real, wie gesagt. Peter wird in Nightingales Ein-Mann-Einheit aufgenommen und damit sozusagen sein „Zauberlehrling“, und Nightingale wird sein Meister, gemäß ihrem berühmten Ahnherrn Sir Isaac Newton. Denn Zaubern ist schwer, es muss unablässig trainiert werden, weshalb es auch so wenige Menschen praktizieren, obwohl sie es könnten.

Ausgedacht hat sich diesen Plot der britische Schriftsteller Ben Aaronovitch, auch Autor einiger Folgen der prominenten englischen Kultserie „Doctor Who“, die seit Jahrzehnten durch die BBC geistert. Er hat bisher sechs Bände mit Peters und Nightingales Abenteuern mit „Wald- und Wiesenzauberern“ gefüllt, wie Nightingale sie nennt. Jemand muss schließlich all die Geister, Flussgötter, Feen, Trolle und sonstigen Halbweltgestalten im Auge behalten und in Schach halten, die nicht korrekt ausgebildet sind und ihre magischen Kräfte oft für finstere Zwecke einsetzen. Man könnte da an Lord Voldemort denken, und das ist nicht so falsch. Hier wie dort muss das Böse bekämpft werden, und die Magie spielt sich mitten im realen Leben ab, was den Reiz der Geschichten ausmacht. Im Gegensatz zu den Harry Potter-Abenteuern im Zauberer-Internat führen uns Aaronovitchs Fälle jedoch in die pulsierende Metropole London. Der Leser erfährt viel über die Arbeit der britischen Polizei, das Leben in der Stadt und in britischen Familien. Nur der Band „Fingerhutsommer“ spielt in der Provinz und beschert uns einen interessanten Einblick in das Landleben Großbritanniens, gewürzt mit Feen und Einhörnern. Es sind spannende Science Fiction Krimis mit magischem und fantastischem Einschlag, mit britischem Humor und Understatement geschrieben und unbedingt lesenswert, nicht nur für alle Freunde der Fantasy-Literatur!

Kürzlich war Ben Aaronovitch in Berlin und stand seinen Fans Rede und Antwort: charmant, unterhaltsam, geistreich und wohlbeleibt und hat sein neues Buch in Arbeit vorgestellt. Die Gemeinde war herbei geeilt, um ihren „Meister“ zu erleben, trotz guter Englischkenntnisse hatte ich etwas Mühe, dem flotten Londoner Slang zu folgen. Ich überlegte, ob deutschsprachige Engländer wohl unsere Elfriede Knöttke verstehen würden?
Bis zum Herbst müssen wir nun auf den siebenten Band mit Peter Grant und Thomas Nightingale warten – zu lange!

Sigrid Wiegand

Ben Aaronovitch
Peter Grant-Reihe
Bd.1 „Die Flüsse von London“
DTV 2012
Bde. 2-6 DTV 2012-17