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31.10.2012 / Gewerbe im Kiez

LOTTI! Die Zitrone kehrt zurück

Ein Stück von Alexander Katt mit Tilly Creutzfeldt-Jakob im Theater O-TonArt in der Kulmer Straße 20A.
Tilly Creutzfeldt-Jakob als Lotti Huber. Foto: Elke Günzler

Lotti Huber war, um es auf gut Berlinerisch zu sagen, ein flotter Knochen, und auch ihre große Klappe hätte gut aus dieser Stadt stammen können. In Wahrheit aber war sie aus Kiel, norddeutsch also, Tochter eines Textilfabrikanten, aus gutem Hause sozusagen. Wo da das überschäumende Temperament und der Hang zum Ordinären her kam, kann man nur vermuten. Sie selbst machte nie ein Hehl daraus, wollte sein, wie sie war. Das Theater O-TonArt in Schöneberg ließ die „Zitrone, die noch viel Saft enthält“ wieder auferstehen in einer fulminanten Show, dargeboten von Tilly Creutzfeldt-Jakob, Gründungsmitglied der O-TonPiraten, mit denen er im Laufe der Jahre fünf Shows entwickelte. Mit viel Temperament und in wahnwitzigen Kostümierungen jagt er die Zuschauer durch die Höhen und Tiefen von Lotti Hubers Leben, angefangen mit ihrer „großen Liebe“ zu dem – natürlich – arischen Sohn des Bürgermeisters, die beide in der frühen Nazizeit ob der „Rassenschande“ ins KZ und ihn in den Tod trieb. Er sollte nicht ihre letzte große Liebe bleiben.

Sie kam in der Welt herum. „Im Vergleich zu Lottis Leben ist die Nibelungen-Saga ja eine müde Kurzgeschichte“, liest man im Programm. Und wenn man das alles sieht – und hört -, was Tilly Creutzfeldt-Jakob da auf die Bühne bringt, erzählt, singt und tanzt, denkt man: das hätte für drei Leben gereicht! Manch einer wäre mit der Hälfte zufrieden gewesen; aber das will alles gelebt und durchgestanden werden, denn es war weiß Gott nicht immer nur Zuckerlecken. Tilly bringt das Schöne und Schreckliche, das Gute und das Böse über die Rampe; Lotti war oben, und wenn es nicht mehr weiterging, dann ging es eben nach unten. Und immer biss sie sich durch, lebte zuletzt in Berlin und war hassgeliebte Freundin von Rosa von Praunheim, der auch die Idee zu diesem Spektakel zu Lottis 100. Geburtstag hatte, das speziell für Tilly Creutzfeldt-Jakob geschrieben wurde.

Wir danken den schrägen Jungs vom Theater O-TonArt für diese witzige und temperamentvolle Produktion in ihren Hinterhofräumen mit dem hübschen kleinen Foyer und wünschen noch viele Aufführungen!

Sigrid Wiegand

Theater O-TonArt
Kulmer Straße 20A, 10783 Berlin
030/37 44 78 12 (Reservierung)

Die nächsten Termine:
1.+2.11., 19.30 Uhr, Theater O-TonArt
24.11., 19 Uhr: Vernissage der Rosa von Praunheim-Ausstellung in der Galerie Haus am Lützowplatz.
25.11., 17 Uhr: ARSENAL KINO, AFFENGEIL Film, prasentiert von T. Creutzfeldt-Jakob
18.+19.12., 19.30 Uhr, Theater O-TonArt

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