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06.07.2015 / Gewerbe im Kiez

Liebeslieder am Ultimo

„Liebeslieder am Ultimo“ heißt das Programm, in dem Ilja Richter und Barbara Kreisler-Peters Lieder von Georg Kreisler im Schloßpark-Theater vorstellen.
Foto: DerDehmel/Urbschat

Der Titel ist einem seiner Lieder entnommen, in dem er erklärt, dass die Liebe immer bis zuletzt bleibt. Es ist sicher schwer vorstellbar, dass Georg Kreisler, dessen Texte oft bitter und böse klingen, Liebeslieder geschrieben hat. Nun ja, es sind auch keine Liebeslieder im herkömmlichen Sinne, aber es sind alles Lieder, die von der Liebe handeln.
Kreislers Witwe, die Schauspielerin Barbara Kreisler-Peters, hat sie aus seinem Nachlass ausgesucht, und Ilja Richter, der mit Georg Kreisler befreundet gewesen war, hat sie in einem gemeinsamen Abend mit ihr auf die Bühne gebracht. Sie singen im Duett oder einzeln oder tragen die Texte im Sprechgesang vor. Herr Richter ist in seinem Auftreten mit Mimik und Sprache oft so überzeugend, dass der Zuschauer glaubt, Georg Kreisler persönlich vor sich zu haben. Am Klavier werden sie begleitet von Sherri Jones, der Pianistin, die schon seit Jahren Kreislers Kompositionen so gekonnt vorträgt, dass der Künstler selbst einmal gesagt haben soll, sie interpretiere seine Stücke so perfekt, wie er es selbst nicht gekonnt hätte.

Georg Kreislers Lieder zeigen, wie erstaunlich breit das Spektrum der Liebe sein kann. Es reicht von der Liebe zu einer imaginären Frau, die von den Problemen der Realität nicht belastet ist, bis zu dem gemeinsamen Abend eines alten Ehepaares, das im Bademantel vor dem Fernseher sitzt. Kreisler betrachtet den Politiker, der eine Frau an seiner Seite braucht, aber keine Zeit für die Liebe hat, die Nonne, die mit Jesus hadert, warum ihr die Liebe verboten ist, und die Dirne auf der Reeperbahn, die an die Liebe glaubt wie an den Weihnachtsmann. Aber er vertont auch Gedanken zum Mord aus Liebe, sowohl aus der Sicht eines Mannes als auch aus der Sicht einer Frau. Und natürlich fehlt an diesem Abend nicht das bekannte Lied von dem herrlichen Weib, das ohne jegliche intellektuelle Fähigkeiten den Mann doch immer wieder begeistert. Das Schöne an all diesen Texten ist, dass sie sowohl nachdenklich kritisch als auch kabarettistisch überzogen, aber in jedem Fall intelligent witzig sind.

So anspruchsvoll Kreislers Lieder zum Thema Liebe sind, so angenehm unterhaltsam und amüsant ist es, diesem Bühnenprogramm zu folgen. Wer Georg Kreisler mag, wird von diesem Abend begeistert sein. Wer Georg Kreislers Texte schwierig findet, wird an diesem Abend erkennen, dass sie, so wie sie hier vorgetragen werden, wunderbar leicht zu verstehen sind. Bisher hatte das Schloßpark Theater diesen Kreisler-Abend nur mit zehn Terminen im Juni im Programm. Jetzt liegt aber die aktuelle Information vor, dass es im Herbst weitere Vorstellungen geben soll. Damit können dann doch viel mehr interessierte Zuschauer in den Genuss der „Liebeslieder am Ultimo“ kommen.

Christine Bitterwolf

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