Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

30.08.2020

Lebensretter in Schöneberg

Christine Bitterwolf Ist die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. nicht hauptsächlich am Wasser zuständig? Ihre Hauptaufgabe ist es, Menschen vor dem Ertrinken zu retten. In Schöneberg gibt es nun bestimmt kein Gewässer, in dem man ertrinken kann. Was machen also die Schöneberger Lebensretter?

Die Rettungstation Schildhorn. Foto: DLRG

Sie helfen an der Havel, sie geben Schwimmunterricht und sie arbeiten, wenn es nötig ist, auch beim Katastrophenschutz mit.

Die DLRG Berlin hat zurzeit fast 13.000 Mitglieder und 26 Wasserrettungsstationen. Sie ist in 16 Bezirke aufgeteilt und einer davon ist Schöneberg. Die DLRG Schöneberg ist mit etwa 1.400 Mitgliedern einer der mitgliederstärksten Bezirke in Berlin. Die Mitglieder kommen aus allen gesellschaftlichen Gruppen. Dabei sind Schüler und Rentner, Handwerker, aber auch viele Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst, dazu gehören auch 40 % der Mitglieder unserer Bezirksverordnetenversammlung (BVV), darunter alle Stadträte. Die meisten sind natürlich nur zahlende Mitglieder, die die DLRG durch ihre Beiträge und Spenden unterstützen. Doch über 60 Mitglieder arbeiten aktiv im Verein mit.

Die DLRG versieht ihren Dienst bereits seit 1950 auf den Rettungsstellen Schildhorn und Kuhhorn an der Unterhavel. Auch in diesem Jahr haben ihre Mitglieder nach den Corona-Lockerungen im Mai wieder an jedem Wochenende den Wasserrettungsdienst übernommen.

Die DLRG arbeitet aber auch präventiv, sie will verhindern, dass Leute im Wasser gerettet werden müssen, dazu bietet sie Schwimmkurse an. Jeder, der Mitglied ist, kann davon profitieren. Normalerweise, und hoffentlich nach der Corona-Sperre auch wieder, steht der DLRG Schöneberg jede Woche für einige Stunden die Schwimmhalle im Sportzentrum am Sachsendamm zur Verfügung. Dort werden schon die Kinder ans Wasser gewöhnt und können dann ihr Seepferdchen machen und später die anderen Schwimmabzeichen bis hin zum Rettungsschwimmer. Die DLRG bietet offene Schwimmkurse an, d.h. man kann jederzeit beginnen, wenn ein Platz frei wird, und ist nicht gezwungen, die Prüfung nach einem bestimmten Zeitraum abzulegen, sondern es wird individuell trainiert entsprechend dem eigenen Entwicklungsstand.  Aber auch Erwachsene können hier Schwimmen lernen. Die Schöneberger Lebensretter nehmen sogar den Polizei-Schwimmern die erforderlichen Prüfungen ab.
Wer so herangeführt wird, bleibt oft in dem Verein und übernimmt später selbst Aufgaben als Schwimmlehrer oder Rettungsschwimmer.

Die DLRG Schöneberg besetzt zwei Rettungsstationen an der Unterhavel. Dabei ist Schildhorn sogar eine Ausbildungsstation. Denn neben all dem Spaß und den Erlebnissen in der Gruppe gehören zur Ausbildung auch viele Übungen und Trainingsstunden.

Die Schöneberger Helfer hier warten zur zeit auf ihr neues Rettungsboot, das als Besonderheit eine Bugklappe hat, durch die die Taucher leichter ins Wasser kommen und gerettete Personen leichter an Bord geholt werden können. Das neue Boot wird einen Motor mit 115 PS haben und kann dadurch eine Geschwindigkeit von 40 km/h erreichen. Normalerweise sind auf der Havel nur Geschwindigkeiten bis 25km/h erlaubt. So ein Rettungsboot ist immer mit 4 Leuten besetzt, ein Bootsführer, ein Funker und 2 Rettungsschwimmer, wenn es notwendig ist, fährt auch ein Taucher mit. Die erforderlichen Qualifikationen, Bootsführerschein, Funkerausbildung, Rettungsschwimmer oder Sanitäter können bei der DLRG erworben werden.

Die Stationen sind zurzeit, coronabedingt, nur mit der Mindestanzahl von 5 Rettern besetzt. Sonst sind im Sommer oft mehr Leute auf der Station. Sie haben sogar die Möglichkeit dort zu übernachten, um sich den langen Weg bis Schöneberg morgens oder abends zu ersparen.

Gerade in diesem Jahr war in den Ferien an den freien Badestellen mehr los als sonst, weil die Freibäder nur einen beschränkte Anzahl von Besuchern zugelassen haben. Und die vielen Leute, die in diesem Sommer nicht verreist sind, waren offenbar vermehrt mit Booten auf dem Wasser. Und doch mussten die Lebensretter bei ihren Einsätzen die zusätzlichen Hygienebedingungen besonders beachten.
Die DLRG-Boote sichern aber auch die Regatta-Strecken auf der Havel und passen bei anderen Veranstaltungen auf.

Manche der Schöneberger Lebensretter versehen ihren Dienst im Sommer sogar an der Ostsee-Küste. Während der Haupturlaubssaison gibt es dort oft nicht genug Personal an den Stränden, und dann helfen die Schöneberg Retter an der Küste Schleswig-Holsteins aus. Für freie Kost und Logis arbeiten sie z.B. auf den Stationen in Grömitz, Laboe oder an der Flensburger Förde mit. Im Laufe der Jahre haben sich dabei schon Freundschafen entwickelt, die sich rechtzeitig fürs nächste Jahr wieder zusammen in die Dienstliste eintragen.

Darüber hinaus können die Mitglieder der Berliner DLRG im Bedarfsfall auch für den Katastrophenschutz eingesetzt werden. Neben der freiwilligen Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk stehen manchmal auch Helfer der DLRG im Einsatz. Sie arbeiten im Betreuungszug mit und bekommen dafür von der Feuerwehr ein Fahrzeug gestellt, das dann nur mit Helfern der DLRG besetzt ist.

Die DLRG finanziert sich fast ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Nur etwa 15 Prozent der Aufwendungen werden durch Projektförderungen aus öffentlichen Mitteln getragen. Allein der Unterhalt für eine Rettungsstation kostet etwa 3.500 Euro pro Jahr.
 
Im ganzen Land Berlin hat die DLRG nur 3,5 feste Mitarbeiter für Verwaltungsaufgaben. Alle anderen Helfer arbeiten unentgeltlich, d.h. sie engagieren sich ehrenamtlich.

DLRG, LV Berlin e.V.
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10829 Berlin
www.schoeneberg.dlrg.de

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