Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

1.03.2020

Lastenfahrrad Theo

Was mit Autos geht, genannt carsharing, geht auch mit Fahrrädern. Ein Anbieter stellt das Fahrrad zur Verfügung, und viele andere können es nach Bedarf mieten. Super, klappt in Berlin schon seit langem. An fast jeder Ecke stehen Leihfahrräder zur sofortigen Benutzung.

Theo in Wartestellung. Foto: Elfie Hartmann

Für kleine Lasten gibt es jetzt auch große Lastenfahrräder. Die stehen sogar kostenlos bereit. Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) stellt mit dem Projekt „fLotte“ bundesweit in mehr als 50 Städten Lastenfahrräder zur Verfügung. Seit 2017 gibt es nun auch in unserer Weltstadt die „fLotte Berlin“, und damit kommt die Stadt auf dem Weg zur Verkehrswende wieder ein Stück voran. Weil die Idee so gut ist, haben sich auch die Bezirksämter der Stadt entschlossen, bei dem Projekt mitzumachen, und so wurde die „fLotte kommunal“ gegründet. Das ist einmalig in Deutschland, dass sich nicht nur private Anbieter beteiligen, sondern auch die öffentliche Verwaltung kostenlos dabei ist.  Nach und nach erhalten die Bezirke jeweils 10 Lastenfahrräder, die in öffentlichen Einrichtungen für den Bürger bereit stehen, und die in der „fLotte-Liste“ des ADFC erfasst sind und verwaltet werden.

Seit drei Monaten ist nun auch Schöneberg dabei. Lastenfahrrad Theo steht in der Theodor-Heuss-Bibliothek an der Hauptstraße. Nach Aussagen der Büchereimitarbeiter wird Theo gerne genutzt. Und tatsächlich wurde er in den ersten 31 Tagen 18mal gebucht, das ergibt eine Auslastung von 65%. Wenn das in den Wintermonaten schon so erfolgreich ist, wird sich die Nachfrage, wenn die Bücherei im März nach den Bauarbeiten wieder öffnet, in den kommenden Frühlings- und Sommermonaten sicherlich noch steigern.
Die meisten Leute nutzen das Lastenfahrrad für Einkäufe und den Transport von großen Gegenständen, viele wollen auch einfach nur mal ausprobieren, wie sich so ein riesiges Fahrrad fährt.

Theo ist 2,54 m lang und 63 cm breit, dabei wiegt das Rad selbst 41 kg. Theo kann Lasten bis 130 kg transportieren. Damit lässt sich schon einiges bewegen. Der Gedanke dafür auf das Auto, die Parkplatzsuche und die Parkgebühren zu verzichten, ist vielleicht für manchen eine Überlegung wert. Mit Theo kann man Einkäufe, Gepäck oder Teile eines Umzugs bis vor die Haustür fahren. In dem großen Transportkasten vorne lässt sich sogar eine Sitzbank ausklappen, auf der zwei kleine Kinder Platz haben, für sie gibt es selbstverständlich extra Anschnallgurte.
Wegen seiner Größe wirkt Theo etwas unhandlich. Er hat einen wesentlich größeren Wendekreis als ein normales Fahrrad. Da bietet sich der kleine Platz vor der Bücherei geradezu an, um eine Probefahrt zu machen. Bei der feierlichen Übergabe des Theo im November hat sich sogar die Bezirksbürgermeisterin, Frau Schöttler, aufs Rad geschwungen und ist eine Runde gefahren. Nach einer kurzen Übungszeit haben die meisten Leute den Theo gut im Griff.

Die Kosten für so ein Lastenfahrrad liegen bei ca 2.200 Euro. Finanziert wird das ganze zu 80% aus Mitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 der Senatsverwaltung für Umwelt, und die fehlenden 20 % bezahlt der Bezirk. Das Geld für den Unterhalt, wie Versicherung und Wartung, kommt auch aus dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm.
Buchen kann man so ein Lastenfahrrad auf der Internetseite des ADFC, flotte-berlin.de. Wer hier registriert ist, kann die Liste mit den Standorten aller Lastenfahrräder im fLotte-Programm aufrufen und so ein Rad für bis zu 3 Tage buchen. Also könnte man die Buchung auch spontan gleich an einem Computer in der Bücherei vornehmen.

Der Ausleihvorgang funktioniert dann ähnlich wie bei einem Mietauto. Der Nutzer legt dem Bibliotheksmitarbeiter seinen Ausweis vor und erhält das Lastenfahrrad mit der Persenning für den Kasten und den Schlössern für die schweren Sicherheitsketten ausgehändigt. Vor Antritt der Fahrt gehen beide zusammen um das Rad und stellen eventuelle Schäden und die Fahrsicherheit fest. Und dann kann’s auch schon losgehen.

Sollten unterwegs tatsächlich einmal kleine Probleme auftreten, die Bremse quietscht, die Kette schleift oder das Licht flackert, dann findet der Nutzer auf dem Schlüsselanhänger die Telefonnummern vom „fLotte-Projektbüro“ und von dem zuständigen Radpaten.

Jedes fLotte-Rad hat einen Paten. Das ist jemand, der in der Nähe des Ausleihstandortes wohnt und sich um „sein“ Lastenrad kümmert. Er kommt in diesem Fall regelmäßig in die Bücherei und sieht nach, ob bei Theo noch alles intakt ist. Oder er kommt eben auch zu dem Rad im Einsatz und leistet erste Hilfe vor Ort.
Die Radpaten arbeiten ehrenamtlich. Ebenso wie die Mitarbeiter in den Ausleihstationen, die die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Lastenfahrrad selbstverständlich zusätzlich erledigen. Dies mindert die allgemeinen Unterhaltskosten und garantiert, dass die Räder auch langfristig kostenlos ausgeliehen werden können.

Von den insgesamt 10 Lastenfahrrädern, die der Bezirk im Rahmen von „fLotte kommunal“ erhält, sollen noch 3 oder 4 weitere Räder in Schöneberg und Friedenau stationiert werden.

Christine Bitterwolf

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