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26.05.2022 / Orte und Plätze

Längst kein unbeschriebenes Blatt mehr

Von Thomas Thieme. "Philippus gerettet!", so titelte im Juni 2012 Dr. Klaus Wittmann in der Stadtteilzeitung Schöneberg.
Altar Philippus-Kirche. Foto: Thomas Thieme

"In der Friedenauer Stierstraße steht seit 1962 die Philippus-Kirche, ein architektonisch bemerkenswertes Bauwerk der Nachkriegsmoderne, errichtet nach den Plänen von Hansrudolf Plarre und entsprechend der Formensprache vieler moderner Kirchen in Zeltform gestaltet. Der Gemeindebezirk Philippus ist nach der Fusionierung im Jahr 2000 Teil der Evangelischen Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde. … Nun stellte sich Pfingsten 2010 bei der Untersuchung von Winterschäden heraus, dass das Dach einsturzgefährdet war. Und als die Kirche baupolizeilich geschlossen wurde, als man die Kosten der Renovierung auf fast eine halbe Million Euro schätzte, als die Gemeinde beauftragt wurde festzustellen, was denn der Abriss kosten würde – da schien es schier unmöglich, dass sie bewahrt werden könnte, trotz ihres architektonischen Rangs." schrieb Wittmann. Der Gemeinde war es daraufhin auf überaus engagierter und kreativer Weise gelungen, das Geld für die Sanierung einzusammeln und damit den Kirchenbau zu retten.

Am Johannistag, Sonntag, 24. Juni 1962 wurde die Philippus-Kirche in der Friedenauer Stierstrasse eingeweiht. Die Predigt hielt damals Bischof Dibelius. Er beschrieb die Ausgründung der neuen Gemeinde so: „Weil die neue Philippus-Gemeinde aus der Nathanael-Gemeinde herausgewachsen ist, hat man diese Kirche hier Philippus-Kirche genannt. Wer war Philippus? … Das einzige, was wir wissen, ist dies, dass er damals, als er mit Nathanael zu tun hatte, ein unbeschriebenes Blatt war.“ Seitdem ist viel geschehen.

Zuerst wurde das Gemeindehaus, dann die Kirche und das Pfarrhaus gebaut. 1967 wurde das Gemeindehaus mit einem Obergeschoss aufgestockt. Im Gemeindehaus betreibt die Diakoniesta-tion Schöneberg ein Tageszentrum. Der sogenannte „Seminarraum“ im Gemeindehaus bietet Platz für Veranstaltungen mit bis zu 70 Personen.

Wolfgang Blech schreibt in der Festschrift zum 50. Kirchweihjubiläum: „In unmittelbarer Nachbarschaft zum Grundstück unterhielt der Jüdische Religions-Verein Friedenau, Steglitz und Umgebung e.V. einen Gebetsraum. In der Reichsprogromnacht wurde er zerstört. Allein aus der Stierstraße sind etwa 40 Menschen namentlich bekannt, die in die Vernichtungslager deportiert wurden. Eine in unserer Gemeinde tätige Initiative zur Verlegung von „Stolpersteinen“ will daran erinnern. Alljährlich finden in unserer Gemeinde am 27. Januar Gedenkveranstaltungen statt, im August feiern wir regelmäßig einen jüdisch-christlichen Begegnungsgottestdienst und im September senden wir junge Menschen aus, die mit der Aktion Sühnezeichen Versöhnungsarbeit in verschiedenen Ländern leisten.“

"Seit bald 60 Jahren ruft der Campanile zum Gottesdienst, seit bald 60 Jahren sammelt das Kirchenschiff die Gemeinde. Am 26. Juni feiern wir dieses Jubiläum. Wir wollen auf diese 60 Jahre Philippus-Kirche in sechs Wochen zugehen: In den sechs Wochen vor dem Jubiläumsfest veranstalten wir an jedem Freitag einen Jubiläumsabend in der Kirche. Was in den 60 vergangenen Jahren in diesem Kirchenschiff einen Ort hatte, soll auch an den Jubiläumsabenden zu hören und zu sehen sein: Wort und Musik, Bilder und Spiele", verkündet der Festausschuss der Gemeinde.  Hier das Programm im Monat Juni:

3. Juni 2022, 18 Uhr
Philippus-Kirche – Jubiläumsabend
Stierstraße 17–19, 12159 Berlin
„Macht Euch die Erde untertan“
Vortrag von Pfarrer Helmut Ruppel.

10. Juni 2022, 18 Uhr
Philippus-Kirche – Jubiläumsabend
Stierstraße 17–19, 12159 Berlin)
„Warum das Jüdische für die Kirche unverzichtbar ist“
Vortrag von Pfarrer Wolfgang Blech.

17. Juni 2022, 18 Uhr
Philippus-Kirche – Jubiläumsabend
Stierstraße 17–19, 12159 Berlin
„Come, let us sing“
Mitsingkonzert mit dem St. Konrad Gospelchor.

24. Juni 2022, 18 Uhr
Philippus-Kirche – Jubiläumsabend
Stierstraße 17–19, 12159 Berlin
„60 Jahre Philippuskirche. Eine zeitgemäße Architekturform
Vortrag von Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert.

26. Juni 2022, 10.30 Uhr
Philippus-Kirche, Stierstraße 17–19, 12159 Berlin
Festgottesdienst mit Superintendent i.R. Wolfgang Barthen,
Pfarrer Thomas Lübke und Pfarrer Simon Danner
Aufführung der Kantate 79 „Gott, der Herr, ist Sonn und Schild“ von Johann Sebastian Bach durch die Friedenauer Kantorei unter der Leitung von Tobias Brommann. Im Anschluss an den Festgottesdienst findet das Gemeindefest statt. Es gibt einen Imbiss, Kaffee und Kuchen, Spiele und Stationen für Klein und Groß. Das Musikprogramm ist bunt: Es spielen die Band Phinats und der Leierkasten, es gibt Kaffeehausmusik und offenes Singen.

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