Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.06.2013

La maison des cultures in Schöneberg

Der französische Name des Vereins macht neugierig, vielleicht weckt er auch eigene Erinnerungen an Frankreich. Für seine Mitglieder ist der Name Ausdruck ihrer interkulturellen Pädagogik und weist gleichzeitig auf die Herkunft einiger Mitglieder hin, wie zum Beispiel Frankreich oder die Elfenbeinküste.

Trommelkurs. Foto: La maison des cultures e.V.

Ziel des Vereins ist es, durch Projekte die sozialen Beziehungen und die Kommunikation unter den Teilnehmern zu verbessern und zu fördern. Die unterschiedlichen Projekte richten sich schwerpunktmäßig an Kinder und Jugendliche, teilweise solche mit Migrationshintergrund. Dass es sinnvoll und wichtig ist, mit Jugendlichen, und vor allem mit „schwierigen“ Jugendlichen auf eine ganz andere Weise zu arbeiten, hat ja schon der Film „Rhythm is it“  gezeigt. Der Verein „La maison des cultures“ setzt diese Art von Pädagogik in gewisser Weise fort. Wie das konkret funktionieren kann, zeigen einige Beispiele, die Valéry Thérésin und Carola Schmidt vom Vorstand des Vereins geben.

So wurde im Rahmen des 50jährigen Jubiläums der deutsch-französischen Beziehungen ein Trommelworkshop durchgeführt. 50 Jugendliche aus beiden Ländern nahmen daran teil. Das Ergebnis dieser Arbeit war ein großer Auftritt am Brandenburger Tor. Ein anderes Projekt trägt den Namen :  „Am Wochenende ist Kindertag“.  Es richtet sich an Kinder, die am Stadtrand oder in problembelasteten Bezirken aufwachsen, dort, wo es wenig Kultur und Begegnungen gibt. Für sie gibt es am Projekttag eine kostenlose Aufführung eines Puppentheaters, anschließend können die Kinder verschiedene Workshops besuchen, zur Auswahl stehen zum Beispiel Trommeln, Tanz oder afrikanischer Gesang. Das Projekt wird von Aktion Mensch finanziert. Überhaupt werden viele Projekte des Vereins von Förderorganisationen und sozialen Trägern wie Aktion Mensch oder dem Arbeiter Samariterbund (ASB) finanziert.

Ein weiteres Beispiel für die Arbeit von „La maison des cultures“ findet man in Falkensee. Hier geht es nicht nur um Jugendliche, sondern um ein generationsübergreifendes Projekt. Mehr Kommunikation und stärkere soziale Beziehungen sollen zwischen den Generationen der Stadt entstehen. Für Valéry Térésin ist dies vor allem mittels Musik möglich. So gründete er eine Sambagruppe, in der alle, vom Kind bis zum Senior vertreten sind. Drei Wochen lang übte er jeweils zwei bis vier Stunden mit der Gruppe im Bezirksamt. Das Ergebnis wird das ganze Jahr über zu bewundern sein, denn bei öffentlichen Anlässen tritt die Gruppe auf, das erste Mal war bereits Ende April.

Valéry Térésin ist Musiker. Er spielt Schlagzeug und Dudelsack und arbeitete in vielen Ländern Europas. Vor fast 20 Jahren begann er seine Arbeit in einem Kinder- und Jugendzirkus in Kreuzberg, dort entdeckte er sein Talent im Umgang mit Kindern. Auch das Quartiersmanagement in Kreuzberg wurde aufmerksam und engagierte ihn für verschiedene Schulen, um mit „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Projektwochen zu arbeiten. Dabei zeigte sich, dass Jugendliche besser über Musik lernen und sich da-bei auch besser konzentrieren können, außerdem haben sie schnell ein Erfolgserlebnis. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie bei der Arbeit im Projekt lernen besser miteinander zu kommunizieren. Um die Projekte durchzuführen zu können, besitzt Valéry Térésin mittlerweile ein ganzes „Arsenal“ an Utensilien: über 300 Trommeln, Hüte sowie Musikinstrumente von den Antillen.

Carola Schmidt kam aus ganz an-deren Beweggründen zum Verein. Die studierte Pädagogin arbeitet bei der Arbeiterwohlfahrt. Durch die Organisation von interkulturellen Projekten kam sie zu „La maison des cultures“. Vor allem ein Projekt hat sie stark beeinflusst. Jugendliche mit Migrationshintergrund aus Neukölln, vor allem türkischer und arabischer Herkunft, allesamt Jugendliche ohne Schulabschluss und Perspektive hatten mit Jugendlichen aus Südfrankreich einen Austausch. Die Franzosen, allesamt ebenfalls Jugendliche mit Migrationshintergrund und in der gleichen Situation, waren für eine Woche in Berlin. Es gab ein gemeinsames Austauschprogramm mit Besichtigungen, einer Stadtrallye und gemeinsamem Kochen. Anschließend waren die Berliner Jugendlichen in Südfrankreich und hatten ebenfalls für eine Woche ein Austauschprogramm, das unter anderem Tauchen beinhaltete. Viele der Jugendlichen aus Neukölln sahen zum ersten Mal das Meer und mussten beim Tauchen ihre Ängste überwinden. Durch die gemeinsamen Erlebnisse in den zwei Wochen, in denen sie teilweise auch an ihre Grenzen gehen mussten, hatten die Jugendlichen am Ende enorme Entwicklungsschritte gemacht. Vor allem aber wurde ihre Identität gestärkt, denn sie erfuhren sich im Ausland als Deutsche und nicht als Migranten.

Der Verein hat derzeit sieben feste Mitglieder und verfügt über ein Netzwerk an Künstlern, die bei den verschiedenen Projekten mitmachen. So gibt es zum Beispiel eine Puppentheatergruppe unter Anleitung eines Theaterpädagogen, eine Tänzerin für Breakdance und Hip Hop, verschiedene Mitarbeiter, die mit den Kindern kochen oder Künstler, die im Rahmen eines Recycling-Workshops mit den Kindern aus mitgebrachtem Müll von zuhause Sachen basteln oder Kostüme herstellen. Bis jetzt haben alle Vereinsmitglieder neben ihrer Tätigkeit beim Verein noch einen festen Job.

Ein weiteres aktuelles Projekt dieses multikulturellen Vereins ist „Berlin Noir“. Es richtet sich an afrikanische oder afroamerikanische Jugendliche in Berlin, deren Zahl ständig wächst. In Workshops sollen sie mithilfe von Tanz, Gesang oder Theater ihre Erfahrungen mitteilen oder einfach kreativ sein und Geschichten erzählen. Durch diese Art der Zusammenführung mehrerer Kulturen soll für alle ein positives Miteinander erfahrbar werden, und das ist in unserer multikulturellen Stadt auch dringend nötig.

Für mehr Informationen: www.mdcultures.org

Christine Sugg

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