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25.02.2014

"Kurt am Wittenbergplatz"

Anlässlich des 750. Jubiläums von Schöneberg zeigt das Haus am Kleistpark eine Ausstellung historischer Fotografien und Filme.

Fotograf/in unbekannt: "Kurt am Wittenbergplatz i. J.“, o. J., um 1905

Museen Tempelhof-Schöneberg/Archiv

Karl-Heinz Schubert: Potsdamer Straße. 50. Sechstagerennen im Sportpalast - „Krücke“ d. i. Reinhold Habisch (1889 – 1964) pfeift den Sportpalast-Walzer, 12. Januar 1962. ©Landesarchiv Berlin, Fotograf: Karl-Heinz Schubert, F Rep. 290 Fotosammlung

(Theodor?) Diepenbach: Rudolph-Wilde-Platz von Osten gesehen, links: Armenhaus, rechts: Mühlengehöft Rosenkessel, an der Stelle des heutigen Rathauses, um 1905

Kurt könnte eine Figur aus Erich Kästners „Emil und die Detektive“ sein: ein verschmitzt grinsender Junge mit kessen Ohren, der eine helle Ballonmütze und eine lange, dunkle Pellerine trägt. Er steht lässig neben einem Baum und blickt direkt in die Kamera. Im Hintergrund sieht man Gründerzeit-Häuser und weitere Bäume.

Wir kennen von Kurt nur diese Fotografie. Sie ist klein, brauntonig und blass und entstand irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auf der Rückseite befindet sich ein kurzer handschriftlicher Hinweis: "Kurt am Wittenbergplatz, i. J.".

Der Wittenbergplatz gehört, seit 1938, zu Schöneberg, und diese ehemals eigenständige Stadt  - sie wurde 1264 erstmals als „Villa Sconenberch“ erwähnt - feiert in diesem Jahr ihr 750. Jubiläum. Aus diesem Anlass zeigt das Haus am Kleistpark eine Ausstellung fotografischer Bilder aus dem Archiv der Museen Tempelhof-Schöneberg sowie Fotografien und Filme aus dem Landesarchiv Berlin.

Die Exponate  belegen an Beispielen die Entwicklung der letzten 140 Jahre in Schöneberg und dem angegliederten Friedenau. In einer Aufnahme um 1905 etwa ist die Fläche vor dem Armenhaus und dem Rosenkesselschen Mühlengehöft noch sehr ländlich. Doch bereits eine Fotografie von 1914 zeigt an derselben Stelle das beinahe fertige Rathaus. Der Vorplatz wurde nach dem Bürgermeister Rudolph Wilde benannt und war, wie andere Bilder belegen, immer wieder ein Ort von politischer und gesellschaftlicher Brisanz: eine Aufnahme von 1917 zeigt eine Kinderdemonstration, hier protestierten 1961 die Westberliner gegen die Mauer, hier fielen 1963 die berühmten Worte „Ich bin ein Berliner!“, hier demonstrierten 1968 die Studenten, und hier wurde 1997 die Regenbogenfahne gehisst. In einer Panorama-Aufnahme von 2012 des Fotopreisträgers Frank Silberbach scheinen die Wogen am heutigen John-F.-Kennedy-Platz schließlich geglättet.

Wie bei einem Spaziergang ruft die Ausstellung verschiedene Orte ins Gedächtnis - von Nord nach Süd, von West nach Ost. Dazu gehören der Sportpalast, der Roxy-Palast, das Eldorado, das Augusta-Viktoria-Krankenhaus, der Lette-Verein, der RIAS und der erste Peace Food Laden. Zur Geschichte des Stadtteils zählen natürlich auch die Trümmerfrauen nach dem Krieg und die Hausbesetzer der frühen 80er Jahre. Dazwischen spielen Kinder am Insulaner, in Hinterhöfen und Springbrunnen.
Die Originalabzüge, Neuprints und Postkarten stammen von anonymen und namhaften Fotografen, z. B. Bernd und Ute Eickemeyer, Jürgen Henschel, Max Jacoby, André Kirchner, Arthur und Walter Köster, Hermann Rückwardt, Herwarth Staudt und Waldemar Titzenthaler.

Zusätzlich entführen Filmausschnitte aus dem Landesarchiv Berlin in die Jahre ab 1910. Sie zeigen bedeutende Ereignisse im und vor dem Schöneberger Rathaus im Laufe der 60er Jahre, aber auch die Sanierungsphase der frühen 70er. Besonders erwähnenswert sind die Arbeiten von Hans Jähner. Darüber hinaus wird ein 13-minütiger Film von 1929 über einen Markttag am Wittenbergplatz gezeigt.
In diesem Jahr dürfte Kurt ein erwachsener Mann gewesen sein. Doch in der Gegenwart blickt er wieder als Junge in die Kamera und uns als Betrachter direkt in die Augen. In subjektiven Assoziationen finden die Geschichten ihre Fortsetzung in anderen Bildern, die in der Ausstellung nicht zu sehen sind.


Haus am Kleistpark, Grunewaldstraße 6 - 7, 10823 Berlin-Schöneberg
U-Bahn: U7 Kleistpark, Bus: M48, M85, 106, 187, 204
Eröffnung: Donnerstag, 27. März 2014, 19:00
Ausstellungsdauer: 25.03.2014 - 25.05.2014, Di - So 10:00 - 19:00 Uhr, Eintritt frei

Kuratorinnenführung mit Dr. Katharina Hausel: Sonntag, 27. April, 16:00 Uhr
Kontakt: 030 - 90 277 - 6964, www.hausamkleistpark.de

Eine Ausstellung des Fachbereichs Kunst, Kultur und Museen Tempelhof-Schöneberg in Kooperation mit dem Landesarchiv Berlin, www.landesarchiv-berlin.de

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