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04.07.2011 / Orte und Plätze

Kultur im Stadtbad Steglitz

Kultur in Steglitz? Der Bezirk ist vor allem für seine Einkaufskultur bekannt. Nicht weit von der Schlossstraße findet man jedoch einen der interessantesten Veranstaltungsorte Berlins, das ehemalige Stadtbad Steglitz in der Bergstraße 90.
Stadtbad ohne Wasser. Foto: Hartmut Becker
Stadtbad ohne Wasser. Foto: Hartmut Becker

Dank seiner Besitzerin, Gabriele Berger, wird an diesem Ort mit Tradition Kultur gemacht und bewahrt. Das Stadtbad Steglitz wurde 1908 erbaut und steht seit 1982 unter Denkmalschutz. Der Bäderbetrieb wurde 2002 eingestellt. Die engagierte Sport - und Gymnastiklehrerin Gabriele Berger hat das Gebäude 2004 für die symbolische Summe von einem Euro vom Bezirk gekauft. Ohne staatliche Zuwendungen setzt sie seit dieser Zeit schrittweise ihr Sanierungskonzept um. Dieses lässt sich wie folgt zusammenfassen: Bewegungskultur, Schwimmkultur, Kultur. Bisher hat sie das frühere Kiezbad zu einem außergewöhnlichen Ort für Theater, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen umgewandelt. Zum Verweilen vor oder nach den Veranstaltungen gibt es das Café Freistil. Nicht nur der Name, auch der Gastraum erinnern den Besucher ans Schwimmen. Der Raum ist wie ein Schwimmbad gefliest, in den Tresen sind drei Startblöcke eingearbeitet. Draußen gibt es einen netten Hof, Stühle, Sessel und Bänke laden zum Relaxen ein. Auf der Speisekarte stehen kleine Gerichte und die üblichen Getränke.
Neben dem Café Freistil befindet sich das Hauptgebäude mit der schönen alten Schwimmhalle, die im Jugendstil gebaut wurde.

Weiterhin gibt es dort die russisch-römische Sauna, die durch ihre verzierten Säulen und die Wandmosaiken besticht. Das Kesselhaus, im hinteren Teil des Traktes, beherbergt die Werkstätten, Nebenräume und die alte Wäscherei. All diese Orte haben viel Flair. Die unterschiedlichen Räumlichkeiten sind soweit renoviert, dass sie als Bühne oder Kulisse für die Kultur dienen können. So findet das Theater mal in der Schwimmhalle, mal in der russisch-römischen Sauna statt. Je nach den Gegebenheiten des Stückes wählt der „Hausregisseur“ Steffen Neugebauer die Kulisse aus. Das aktuelle Stück „Puff“ von Gabriel Barylli wird in der Sauna gespielt. „Faust I“, im letzten Jahr von ihm inszeniert, verfolgte das Publikum an verschiedenen Plätzen des Stadtbades. Meist werden die Besucher vom Regisseur oder von den Schauspielern im Café Freistil ab-geholt und an den jeweiligen Spielort gebracht. Die Zusammenarbeit zwischen der Eigentümerin und ihrem künstlerischen Leiter, S. Neugebauer, besteht  schon seit fünf Jahren.
Wie kommt man überhaupt auf die Idee, das Stadtbad Steglitz zu kaufen? Noch einmal erwähnt Gabriele Berger die ihr wichtige „Bewegungskultur“. Das Management eines Bades war ihr nicht unbekannt, denn sie betreibt seit vielen Jahren erfolgreich das Bewegungsbad Marienfelde. Dort kann man einfach nur schwimmen oder verschiedene Kurse, wie zum Beispiel Wassergymnastik belegen. Das Bewegungsbad Marienfelde ist für Frau Berger ein Beispiel dafür, dass sich ein öffentliches Bad wirtschaftlich betreiben lässt. Diese positive Erfahrung sowie ihre Begeisterung für das Element Wasser als Gesundheitsförderer führten sie zu diesem weiteren Engagement. Das Betreiben von zwei Bädern bedeutet, dass das Leben durch viel Arbeit, Opfer und Verzicht auf Urlaub geprägt ist. Jedoch wird dieses Leben durch Motivation und eine Vision bereichert. Das Gegenteil einer geregelten 40-Stunden-Woche.

Zurück zum Sanierungskonzept von Frau Berger. Spätestens bis 2013 wünscht sie sich, dass Schwimmhalle und Sauna wieder in Betrieb sind. Das heißt, dass die Orte nicht nur in ihrer alten Schönheit erstrahlen, sondern auch energietechnisch dem heutigen Stand entsprechen sollen. Auch die Kultur - bisher Zwischenlösung - soll weiterhin Bestandteil des Bades bleiben. Das alles kostet viel Geld. Sehr viel Geld. Da Frau Berger - wie schon erwähnt - keine öffentlichen Gelder bekommt, ist sie permanent auf der Suche nach Geldgebern/Unterstützern. Jeder Theaterbesuch bringt ihr Projekt weiter.

Das Stadtbad Steglitz bleibt den ganzen Sommer geöffnet. Wer also in Berlin bleibt, kann sich diesen Veranstaltungsort vormerken. Ab 26.Juni 2011 findet im Hof Public Viewing der Frauenfußballweltmeisterschaft statt. Fernseher und Sofas stehen schon bereit, außerdem soll gegrillt werden. Den ganzen August über steht  „Der Sturm“ von W. Shakespeare auf dem Programm, präsentiert vom Clubtheater Berlin unter der Regie von S. Neugebauer. Premiere des Stückes ist am 29.07. 2011 um 20.30 Uhr

Stadtbad Steglitz, Bergstr. 90, 12169 Berlin/ Tickets : 797 480 28 Café Freistil: Mo-Sa 10-18 Uhr, bei Veranstaltungen 18-24 Uhr
Infos: <link http: www.stadtbad-steglitz.de external-link-new-window externen link in einem neuen>www.stadtbad-steglitz.de

Christine Sugg

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