Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

11.03.2018

Kultur auf allen Ebenen

"Mein Laden wird entdeckt, man läuft nicht zufällig vorbei", sagt Frau Moser, die Inhaberin von Primobuch.

Foto: Thomas Protz

Abseits der Schloßstraße, in einer ruhigen Seitenstraße der Lepsiusstraße, trifft man auf diese Buchhandlung. Beim Betreten fällt sofort die Höhe des Raumes auf, und der Laden wirkt luftig und hell. Primobuch ist keine normale Buchhandlung, sondern ein Antiquariat. Auf dem Büchertisch in der Raummitte und in den hohen Regalen wird die Ware ansprechend präsentiert. Alle Bücher sind gut erhalten, sehen aus wie neu, nichts erinnert an ein Antiquariat im üblichen Sinne. Das Sortiment ist äußerst umfangreich: Literatur und Sachbücher jeglicher Art, präsentiert in Form von Taschenbüchern, Paperbacks, gebundenen Büchern, Bildbänden ... "alles, was aus Papier ist und Buchstaben trägt", wie die Inhaberin zusammenfasst. Dann verweist sie auf die Galerie und die Decke des Raumes, blau bemalt mit kleinen weißen Wölkchen wie ein schöner Sommerhimmel, ihr "Paradies"...
Neben dem Angebot im Laden verfügt Frau Moser noch über einen Fundus von ca. 12.000 Büchern. Diese sind in einem weiteren Raum gelagert und alle katalogisiert. Diese Bücher werden über ihre Webseite im Internet angeboten. Man fragt sich, wie kann so ein kleiner Laden im Zeitalter eines Giganten wie Amazon bestehen? Dank kritischer Kunden, antwortet Frau Moser. Diese schätzen die persönliche Beratung, außerdem gibt es Kunden, die weder Vorkasse noch Registrierung möchten, auch sie sind bei Primobuch gut bedient. Die Kunden schätzen auch die schnelle Bearbeitung. Innerhalb von 24 Stunden wird ihre Bestellung von Frau Moser erledigt.

Doch Primobuch ist nicht nur eine Buchhandlung, sondern auch ein Ort lebendiger Kultur. Regelmäßig finden im großen Nebenraum Lesungen sowie wechselnde Ausstellungen statt. Die Kunstwerke zieren dann die Wände. Die Künstler stammen nicht nur aus dem Viertel. Seit 2014 gibt es dieses  interessante Geschäft. Zuvor mussten die Räume 1 1/2 Jahre renoviert werden, denn der Laden stand über 30 Jahre leer, davor war es wohl ein Zeitungsladen. Man kann sich gut vorstellen, wie schlimm die Räume runtergewirtschaftet waren und wie viel Energie, Zeit und Geld das Projekt erforderte. Der Name Primobuch fasst übrigens die ersten beiden Silben der Namen der Gründerinnen zusammen, Prill und Moser. Beide fingen 2007 in Mariendorf mit einem Laden an. Ihre Liebe zu den Büchern währt schon sehr lange, die Liebe zum Antiquariat entdeckte Frau Moser durch ihre ehrenamtliche Mitarbeit beim Büchertisch in Kreuzberg.  Damals wie auch heute werden Bücher kostenlos bei ihren Besitzern abgeholt, egal welche Anzahl und welcher Inhalt. Vorausgegangen ist bei den Besitzern meist ein schwieriger Trennungsprozess. Dann landen die Bücher entweder im Geschäft oder im katalogisierten Regal des Nebenraums oder bei starkem Verschleiß in der Tonne.

Primobuch weist jedoch noch eine weitere Qualität auf, der Laden ist mittlerweile eine Art Nachbarschaftstreff geworden. Gerade in unserer anonymen Großstadt freuen sich die Menschen über Kontinuität und Vertrautes. Die Buchhandlung hat bis auf Sonntag täglich geöffnet, man kann etwas trinken und gemütlich sitzen und dabei in den Büchern stöbern. Auch bei den regelmäßigen Veranstaltungen bewirtet Frau Moser gerne ihre Kunden und Gäste mit warmer Suppe und Getränken und schafft so die angenehme, fast familiäre Atmosphäre des Ladens.

Primobuch, Herderstr. 24 / Ecke Gritznerstraße, 12163 Berlin
Mo-Sa 11-18Uhr
www.primobuch.de

Christine Sugg