Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

5.05.2013

„Komm lieber Mai und mache..“ (Mozart)

Über die „Sangeslust“ der preußischen Schulbehörde 1912!

Passend zur Zeichnung „Oase – Komm lieber Mai und mache“ unserer  Künstlerin Elfie Hartmann findet der „Archiv-Reporter“ die kaiserlich-behördliche musikalische Ergänzung zum Thema Mai aus dem Jahr 1912 (Quelle: Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen, Jahrgang 1912, Auszug aus den Seiten 623 -626):

„……Von den Liedern, deren Einübung durch unsere Verfügung vom 13. April 1887 II A 3776 für die Volksschulen unseres Bezirkes angeordnet worden ist, haben sich einige als wenig beliebt erwiesen, während andererseits in diesem Liederverzeichnis manche schönere neuere Lieder nicht enthalten sind. Wir haben daher den Liederkanon geändert und bestimmen hierdurch, daß in Zukunft die unten folgenden als Pflichtlieder bezeichneten Lieder in unseren Volksschulen an erster Stelle zur Einübung gelangen … Das auch im Gesangsunterricht anzustrebende selbständige Können lässt sich aber nur dadurch erreichen, daß die Kinder schon vom zweiten Schuljahr ab und durch planmäßige Übungen zum Singen nach Noten angeleitet werden. Auf solche Übungen ist von jeder Gesangstunde das erste Viertel zu verwenden …
Bei der Aufstellung des Kanons ist auch Rücksicht auf den Tonumfang der Lieder genommen worden. Die beiden ersten Jahrgänge weisen nur solche Lieder auf, die sich in der Sechserreihe bewegen. Die Lieder des dritten und vierten Jahres haben den Umfang einer um eine Tonstufe nach unten und oben erweiterten Oktave, während die folgenden Lieder mit Rücksicht auf die natürliche Zunahme des Stimmumfanges der Kinder den bisherigen Tonumfang überschreiten.

Damit die eingeübten Lieder, insbesondere diejenigen, die auch der Erwachsene noch gern singt, als unverlierbares Eigentum mit ins Leben gehen, werden im letzten Teile jeder Gesangstunde mindestens zwei dieser Lieder zur Wiederholung und festen Einprägung gesunden. Besonderen Wert legen wir darauf, dass jedes Kind alle Strophen jedes geübten Liedes genau auswendig kennt; bei längeren Liedern genügen in der Regel drei Strophen….
(Anmerkung: Es folgt die Liste für  Schuljahre 1-8).

Für das 4. Schuljahr werden u.a. angeordnet: „1. Komm lieber Mai - …..- 6. O du fröhliche, o du selige - ….. 8. Freut euch des Lebens (kann bei ungünstigen Schulverhältnissen wegfallen.)“

Danach  erscheinen  Ersatz- und Auswahllieder für das dritte und vierte Schuljahr in der Liederliste. Folgerichtig findet sich das andere Volkslied „Der Mai ist gekommen …“ wegen des größeren Tonumfangs als die Nummer 1 erst für das 5. Schuljahr.
Mit Freude liest man  ja heutzutage, dass die Schulbehörde damals großen Wert auf den selbständigen Erwerb von Können und verschiedenster Kompetenzen legte und dafür auch hinreichend Unterrichtszeiten einräumte. Ach wie war sie doch schön, die Zeit damals; oder ???

Übrigens:  Das Lied „Komm lieber Mai und mache…“  hat Mozart am 14. Januar 1791 in Wien komponiert. Im Köchel – Verzeichnis ist es die  Nummer KV 596 („Sehnsucht nach dem Frühling“). Das musikalische Thema wurde von Mozart zuvor im 3. Satz seines letzten Klavierkonzerts KV 595 ausgeführt, und es hat  ihn offenbar so sehr begeistert, dass er daraus dieses wunderbare Kinderlied komponiert hat.

Hartmut Ulrich

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