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3.11.2015

„Kollodzieyski, der Erste“

Schon immer haben Komponisten beklagt, dass ihre Werke kostenlos zelebriert wurden. Aber dann gelang der Sprung in die Vermarktung:

Foto: Hartmut Ulrich

1903 wurde von den Komponisten der „ernsten Musik“ (E-Musik) unter Mitwirkung von Richard Strauß (Till Eugenspiegel, Der Rosenkavalier u.a.) die AFMA (Anstalt für musikalische Aufführungen) zur Verwertung ihrer Tonkünste gegründet. Operetten-Komponisten und andere Vertreter der U-Musik (Unterhaltungs-Musik) fühlten sich in ihren Belangen aber zunehmend weniger vertreten, und so kam es 1915 zur Gründung der „Alten GEMA“ (Genossenschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte), sozusagen der „Ur-GEMA“ der heutigen GEMA. Einer der Mitbegründer, eben jener „Kollodzieyski der Erste“ wohnte seinerzeit in der Starnberger Straße 2 im Herzen Schönebergs. Was schrieb am 5. November 1915 das „Schöneberger Tageblatt“?:


„Ein Schöneberger Komponist als G.m.b.H. – Der bekannte Operettenkomponist Kollozieyski, genannt Kollo, in Berlin-Schöneberg, Starnberger Straße 2 hat sich „gegründet“. In das Handelsregister des Amtsgerichts Berlin–Mitte ist die „Kollo = Verlags = Gesellschaft = mit beschränkter Haftung“ mit dem Sitz in Berlin–Schöneberg eingetragen worden. Gegenstand des Unternehmens ist der Verlag und der Bühnenvertrieb musikalischer und dramatischer Werke, besonders der Kompositionen des Herrn Walter Kollodzieyski (genannt Kollo). Das Stammkapital beträgt 20.000 Mark. Geschäftsführer sind der Komponist Walter Kollozieyski, gen. Kollo in Berlin–Schöneberg  und der Kaufmann Hans Mendheim in Berlin.“
Dieser Walter Kollo, Vater des Willi Kollozieyski, gen. Willi Kollo und Großvater des Rene Victor Kollozieyski, gen. Rene Kollo (1961: „Hello Mary Lou“ und späterer Wagner–Star-Tenor) hinterließ 1913 die pfiffige Operette (Posse mit Gesang in 4 Bildern) „Wie einst im Mai“  mit den  für Berlin unsterblichen Gassenhauern „Die Männer sind alle Verbrecher“, „Untern Linden, Untern Linden“ und „Es geht doch nischt, nischt, nischt über Berlin“ und - siehe oben.


Liebhaber dieser Operette können sich allein an den handelnden Personen und deren Titeln (Ottilie von Henkenskoven, Stanislaus von Methusalem, Heinrich von Jüterbog, Baron Ernst Cicero von Henkeshoven u.a.) possierlich vergnügen. Und wem das nicht genügt, kauft sich einen Roman aus der Serie „Große Adelsromane“ oder „Fürstenkrone“ aus dem Kelter Verlag und hat die rein literarische Ergänzung  des  Themas. Aber auch auf die heutigen einschlägigen Zeitschriften zur bunten Welt des Adels, seines Glamours, aber auch seiner Probleme sei zur Anregung für die Ausdehnung des geistigen Horizonts verwiesen. Es passt ja (wieder?) alles in unsere heutige Zeit. Mal sehen, ob eine der „großen“ Berliner Bühnen im Mai nächsten Jahres diese Anregung wahrnimmt. Immerhin wurde die Operette bereits im Mai 2005 unter dem damaligen künstlerischen Leiter Andreas Gergen im Steglitzer Schloßpark–Theater mit opulenten Kostümen und mit großem Erfolg aufgeführt, worüber unsere Kollegin Sigrid Wiegand in der Mai-Ausgabe der Stadtteilzeitung Schöneberg 2005 erfreut berichtete.
 
Kolloidol beglückt: Hartmut Ulrich

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