Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

1.12.2021

Kidöb – was ist das?

Kidöb sind die Anfangsbuchstaben der türkischen Worte Kadinlar Icin Danisma Ögrenme bulusma, die auf Deutsch bedeuten: Treffpunkt, Beratung und Kurse für Frauen aus der Türkei. Von Christine Bitterwolf.

Foto: Thomas Thieme

Seit 40 Jahren ist Kidöb ein Treffpunkt für Frauen aus der Türkei, der sehr gerne angenommen wird. Frauen anderer Nationalitäten werden grundsätzlich nicht betreut, können aber auf Grund der vielen guten Kontakte schnell an die richtigen Ansprechpartner weitervermittelt werden. So gibt es zum Beispiel Al Nadi, ein ähnliches Projekt für arabische Frauen.
Kidöb bietet Deutschkurse in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule an. Diese Kurse, an denen vor der Pandemie 15 Frauen teilnehmen konnten,  werden zur Zeit leider nur mit 6-7 Teilnehmerinnen durchgeführt. Die Hausaufgabenhilfe für Schülerinnen kann im Moment gar nicht angeboten werden wegen der Corona-Bestimmungen.

Die Beratung der Frauen speziell im Ausländerrecht, bei Fragen zu finanzieller Unterstützung und bei familiären Problemen wird je-doch jederzeit angeboten. In dem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass Männer bei Kidöb grundsätzlich keinen Zutritt haben. Es ist ein geschützter Raum, in dem die Frauen ganz unter sich sind.

Die Räume von Kidöb liegen in der Rheinstraße 53-54. Sie sind unterschiedlich groß und alle sehr hell und freundlich. In dem größten Aufenthaltsraum gibt es auf der  einen Seite eine komplette Küchenzeile und einen großen Tisch mit vielen Stühlen. Hier wurden vor der Pandemie auch gerne spezielle Kochkurse durchgeführt. Auf der anderen Seite stehen eine gemütliche Sitzgruppe und ein Bücherregal mit überwiegend türkischen, aber auch einigen deutschen Büchern.  
Außerdem bietet Kidöb Kurse an zum Nähen, Malen oder Saz (türkische Gitarre) spielen. Diese finden wegen Corona augenblicklich jedoch nur mit geringer Teilnehmerzahl statt. Und doch sind viele Frauen interessiert daran sich hier zu treffen. Da werden dann schon mal einige von ihnen gebeten, besonders wenn sie bereits mehrfach einen Kurs besucht hatten, im nächsten Halbjahr auf die Teilnahme zu verzichten, damit auch andere Frauen die Chance bekommen dorthin zu gehen. Obwohl viele von ihnen an den angebotenen Deutschlehrgängen teilgenommen haben, reden sie in diesen Kursen meist türkisch.
Daneben gibt es noch eine Kreativgruppe, in der man sich trifft, um zu stricken und sich zu unterhalten. Innerhalb solcher Gruppen finden die Frauen gegenseitig Halt und Unterstützung. Ab Januar kann hoffentlich auch wieder einmal im Monat das offene Frühstück angeboten werden. Dazu können auch Frauen anderer Nationalitäten kommen. Hier bringt jeder etwas zu essen mit oder zahlt einen geringen Betrag, damit etwas gekauft werden kann. In diesem Kreis wird dann oft deutsch geredet, damit sich alle untereinander verstehen.

Bei allen Treffen legt Kidöb großen Wert auf politische und religiöse Neutralität. Gegenseitige Toleranz ist ein ganz wichtiger Faktor bei der täglichen Arbeit.

Kidöb arbeitet mit diesem Konzept der Mischung aus Beratung, Deutschkursen, Hobbykursen und freien Gesprächsgruppen seit 40 Jahren erfolgreich. Das Angebot wird kontinuierlich gut angenommen. Die meisten Frauen kommen schon seit Jahren, manche von ihnen sind inzwischen schon im Rentenalter. Aber natürlich gibt es auch immer wieder neue Frauen, die aus politischen und wirtschaftlichen Gründen hier in Deutschland, bzw. Berlin ankommen und Kontakte suchen.
Durchgeführt wird dieses erfolgreiche Projekt vom Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V., finanziert wird es aus den Mitteln des Senats. Mit Frau Ayfer Özceban und Frau Cagla Erdemci hat Kidöb zwei engagierte Mitarbeiterinnen, die für die Organisation und den täglichen Ablauf der Kurse und Treffen sorgen. Beide sind ausgebildete Sozialpädagoginnen. Für die Leitung der einzelnen Kurse und Gruppen werden kompetente Honorarkräfte engagiert.

Es ist diesem Projekt zu wünschen, dass es nach Ende der Pandemie wieder für alle interessierten Teilnehmerinnen offen steht und allen türkischen Frauen ein breites Spektrum an Freizeitgestaltung und sozialen Kontakten anbieten kann.

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