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03.07.2011 / Gewerbe im Kiez

Kalimbas in der Crellestraße

Was ist eine Kalimba? Ein Percussionsinstrument, mit Ursprung im Südosten Afrikas. Sie gehört der Familie der Idiophone (Selbsttöner oder Selbstklinger) an, denen auch Vibraphone und Glockenspiele zugeordnet werden.
Thomas Bothe mit einer Kalimba aus der Eigenproduktion. Foto: T. W. Donohoe

Eine Kalimba, auch als Thumb-Piano (etwa „Daumen-Klavier“) bekannt, besteht aus einem Resonanzkörper und einer Klangdecke mit Schallloch und mehreren Spielzungen, die mit den Daumenspitzen gezupft werden. Klang und Volumen sind abhängig von der Größe des Resonanzkörpers und der unterschiedlichen Länge der Spielzungen. Jede Kalimba hat eine eigene Stimmung, gekennzeichnet von subtilen und sublimen Tönen.

Einer der innovativsten Kalimba-Bauer ist der Schöneberger Thomas Bothe. In seiner „Wohnwerk-statt“ in der Crellestraße, in der er seit 2010 lebt, fertigt der 47-Jäh-rige gelernte Koch, ursprünglich aus Bonn, Kalimbas nach Kundenwunsch und Eigenfantasie an. „Dabei reicht die Palette von einfach zu spielenden Instrumenten, mit wenigen Tönen, bis zu hochkomplexen Kalimbas, auch mit elektrischer Verstärkung, für den Profi.“
Warum dieses ungewöhnliche Instrument? „Ich kam zu der Kalimba während einer längeren Asien-Reise, Mitte der neunziger Jahre. Dort habe ich Reisende kennen gelernt, die dieses leicht verstaubare Instrument spielten. Wieder in Deutschland habe ich dann angefangen, eigene Kalimbas zu bauen.“

Aus einem anfänglichen Hobby entwickelte sich mit der Zeit eine kleine Manufaktur, die ab Ende der neunziger Jahre zunehmend zu Bothes Haupteinnahmequelle wurde. Doch steckt viel Arbeit in einer Kalimba. „Ein Instrument braucht, je nach Größe und Material, eine Anfertigungszeit von drei Stunden bis mehreren Tagen.“ Als Resonanzkörper werden zum Beispiel Kalebassen (getrocknete Kürbisse) oder Kokosnussschalen verwendet, obwohl Bothe auch ausgefallene Kalimbas aus alten Kästen, Döschen und Ähnlichem von Flohmärkten anfertigt. „Im Grunde genommen wäre auch ein Schädel einsetzbar - doch dies habe ich nicht unbedingt vor“, erzählt Bothe schmunzelnd. Eine Kalimba kostet von 50,- aufwärts und jedes gefertigte Instrument ist ein Unikat.
Mit den Jahren haben sich seine Künste herumgesprochen; Bewunderung und Ehrung der Eigenmarke 2b Kalimba kommt vor allem aus den USA. Unter Anderem wurde er mehrfach lobend von der amerikanischen Liebhaber-Website www.kalimba-magic.com interviewt und portraitiert. Durch solche Werbung, plus Mundpropaganda, lassen sich Bothes Kalimbas in alle Winkel der Welt liefern. Die Altbauwerkstatt in der Crellestraße – ein ehemaliger Pferdestall im Hinterhof – ermöglicht Bothe den Platz, den vielen Aufträgen nachzukommen.

Die Nachfrage nach dem Instrument ist in den letzten Jahren stets gestiegen. Die Kalimba, wie die Ukulele (ein kleineres Mitglied der Gitarrenfamilie) und der Cajón (ein Perkussionsinstrument, auf dem gleichzeitig gesessen wird) ist jüngst aus der „Weltmusik-Ecke“ rausgekommen und zum „Kultinstrument“ unter aufstrebenden Szenemusikern aufgestiegen. Doch die Schönheit des Kalimba-Klangs hat auch bekannte Namen der Musikbranche unauffällig eingefangen. Beispielsweise Maurice White von der amerikanischen Funk- und Soulband Earth Wind and Fire: auf mehreren Platten der Gruppe hat er die einzigartigen Töne des eigenartigen Instruments eingespielt.

„Ganz klar“, meint Bothe, „Maurice White und viele Andere machen sehr schöne Sachen mit der Kalimba. Doch mein Held ist auch ein Amerikaner namens Mark Holdaway. Er ist der Visionär, der Prophet unter den Kalimba-Kennern. Seine Videos auf YouTube sind auf jeden Fall sehenswert.“
Auch Videomaterial von Thomas Bothe, beim Kalimba-Bau sowie beim Spielen, ist auf YouTube verfügbar. Seine Kalimbas sind in Berlin bei Pulse Percussion, Graefestraße 4 / 10967 Berlin-Kreuzberg erhältlich; weitere Anfragen werden unter 2bKalimba@googlemail.com entgegengenommen.

T. W. Donohoe

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