Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

01.11.2011 / Projekte und Initiativen

Jedes Mädchen ist willkommen

Willkommen beim Ferienprojekt „Na Logo“ und überhaupt willkommen im Café Pink. Das Café ist ein Treffpunkt in der Goltzstraße für Mädchen ab 10 und junge Frauen bis 25.
Das Café Pink in der Goltzstraße 40. Foto: Ulrike Götting

Es ist ein Ort, an dem die Mädchen nicht unter Druck gesetzt werden. Zuhause - 80% der Mädchen haben einen türkischen Migrationshintergrund - müssen sie funktionieren, stehen ständig unter Beobachtung. Im Café sind sie freier, können über ihre Anliegen reden und herausfinden, was sie selbst wollen. Das Café Pink ist eine Einrichtung des freien Trägers Kiezoase e.V. und des PFH (Pestalozzi-Fröbel-Haus) in Kooperation mit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg.
Es gibt immer einen festen Stamm von ungefähr 20-30 Mädchen. Verschiedene Gruppenangebote gehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mädchen ein. Wichtig ist das Prinzip der Freiwilligkeit. Wer will, bekommt Nachhilfe oder Hilfe bei den Hausarbeiten. Ein Raum mit Computern steht zur Verfügung.

In den Herbstferien fand ganztägig das Kunstprojekt „Na, Logo!“ statt. Heute werden die Jugendlichen sehr früh mit Markenentscheidungen konfrontiert. Der Workshop hatte das Ziel, den Mädchen klar zu machen, welche Tragweite ihre Kaufentscheidungen haben. Ein anspruchsvolles Konzept. Astrid Baier, Künstlerin, Leiterin der Kreativ-Werkstatt im Café Pink seit fünfzehn Jahren, Sandra Kreimer, als sozialpädagogische Begleitung, und eine Praktikantin leiteten das Projekt.

Als erstes wurde aufgezeigt, dass es bei der Herstellung von Produkten Missstände gibt: Kinderarbeit, Tierversuche, Vernichtung der Artenvielfalt usw. In einem zweiten Schritt wurde verdeutlicht, dass die Verbraucher nicht ohnmächtig diesen Missständen ausgeliefert sind. Es wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Käufer durch seine Entscheidungen dazu beitragen kann, die Ausbeutung von Menschen und Umwelt zu verringern. Es gibt inzwischen Gütesiegel, die dem Verbraucher helfen, sich zu orientieren und die gleichzeitig, die Firmen unter Druck setzen, sich bei der Herstellung „fair“ zu verhalten. Diese „guten“ Siegel werden ständig überprüft, Firmen können sie erwerben. Am bekanntesten sind wohl: der „Blaue Engel“, WWF, das „Bio“ oder das „FairTrade“-Label. Nachzulesen unter: label-online.de.

Der Workshop sollte auch Spaß machen, deshalb ging die Gruppe an den folgenden Tagen shoppen. Aber diesmal mit einem Suchauftrag. Es sollten unterschiedliche Produkte auf ihre Gütesiegel hin überprüft werden. Am ersten Tag wurden Lebensmittel untersucht und eingekauft, um zusammen zu kochen. Am Mittwoch und Donnerstag folgten weitere Erkundungsausflüge zu dm, H&M, supermaché und ins Schloss nach Steglitz. Es war nicht leicht, Gütesiegel bei den Textilien zu finden, bei der Kosmetik war es leichter. Immer wieder führten die Mädchen „Fachgespräche“ mit den Verkäuferinnen. Die Vielfalt der Siegel war für sie überraschend. Außerdem gibt es Siegel, die keine sind. Auch im Internet wurde recherchiert. Der letzte Ausflug führte in ein Second-Hand-Geschäft, das sie bisher nicht als Einkaufsmöglichkeit kannten.

Am Freitag wurden die Erfahrungen ausgetauscht und jedes Mädchen entwickelte ein eigenes Logo, das verdeutlichen soll, was es sich für sich und die Welt wünscht. Eine Zusammenfassung ihrer Erfahrungen. Das Logo wird entweder auf eine Stofftasche oder ein T-Shirt gedruckt.

Dass der Workshop so ein Erfolg bei den Teilnehmerinnen war, überraschte sogar die Leiterinnen. Im abschließenden Gespräch wurde deutlich, dass in diesem Workshop Aufklärung im besten Sinne praktiziert wurde. Und das Erstaunliche war: Aufklärung macht Spaß. Die Mädchen wissen jetzt mehr. Es wurde ihnen ein Pfad im Konsumdschungel aufgezeigt, Orientierung im Konsumverhalten gegeben. Es war für sie sehr wichtig, mit anderen darüber zu kommunizieren. Die Mädchen waren mit Feuereifer dabei, denn die Jugendlichen haben anders, als ihnen immer unterstellt wird, ein großes Bedürfnis, sich Hintergrundwissen anzueignen über die Gesellschaft, in der sie leben. Der Workshop bot die Chance, sich Verantwortung anzueignen.

Ermöglicht wurde das Projekt vom Projektfonds Kulturelle Bildung Tempelhof-Schöneberg.

Café Pink
Goltzstraße 40
<link http: www.cafepink.de external-link-new-window externen link in einem neuen>www.cafepink.de

Ulrike Götting

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden