Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

31.01.2017 / Menschen in Schöneberg

IRRE gut Wohnen für alle

Verband für soziales Wohnen in Tempelhof-Schöneberg gegründet.
Bildergalerie Der Steg gGmbH [http://irregutwohnen.de/galerie3.html]

Eine Bedarfserhebung im Bezirk Tempelhof-Schöneberg aus 2015 ergab, dass neben ungefähr 1.500 obdachlosen Menschen etwa 250 Menschen aus der psychosozialen Versorgung im Bezirk dringend eigenen Wohnraum benötigen. Angesichts der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt werden Menschen mit Beeinträchtigungen zunehmend ausgeschlossen. Im Rahmen der Wohnaufwendungenverordnung (AV Wohnen: Ausführungsvorschrift für die Übernahme/-Obergrenze von Kosten für Unterkunft im Rahmen der Grundsicherung) existieren kaum noch bezahlbare Wohnungen. Steuerungsinstrumente wie das geschützte Marktsegment (M-Schein: Wohnungswirtschaft stellt den Bezirksämtern Wohnungen zur Verfügung, deren Mietpreise der AV Wohnen entsprechen) und der Wohnberechtigungsschein (WBS) könne das Problem nicht lösen.  In ganz Berlin stehen über den M-Schein beispielsweise nur 1.200 Wohnungen zur Verfügung.

Dilemma:
Viele Menschen können aus Trägerwohnungen (Betreutes Einzelwohnen und Therapeutische Wohngemeinschaften) nicht ausziehen, obwohl sie keinen Betreuungsbedarf mehr haben, weil sie auf dem Wohnungsmarkt nur geringe Chancen haben, Wohnraum zu finden. Andere wiederum, die dringend Unterstützung benötigen, warten monatelang auf die ihnen zustehende notwendige Unterstützung. Aus diesem Grund stehen konkrete Schritte zur Verbesserung der Situation an! Bereits seit 2013 engagieren sich mehrere soziale Träger in enger Kooperation mit dem Jobcenter und den Fachstellen im Bezirk, um die Wohnsituation für benachteiligte Personengruppen zu verbessern. Ausgehend von dieser Situation hat sich auf Anregung der Psychiatriekoordinatorin Frau Thomann, unterstützt durch die damalige Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung Frau Dr. Sybill Klotz, aus der PSAG eine trägerübergreifende Arbeitsgruppe gebildet, die in regelmäßigen Treffen Nöte und Sorgen bei der Beschaffung, dem Erhalt und der Vermittlung von Wohnraum für ihre Klienten diskutiert. Aus diesem Zusammenschluss ging vor einem knappen Jahr der Verband „Netzwerk für soziales Wohnen in Tempelhof-Schöneberg - IRRE gut Wohnen für ALLE“ hervor, in dem mittlerweile nicht nur Träger aus dem psychosozialen Spektrum, sondern auch aus dem Bereich Suchterkrankungen und geistige Beeinträchtigung vertreten sind. Im März 2016  fand ein erstes erfolgreiches Fachgespräch mit Vertretern der Politik, der Wohnungswirtschaft und der Träger zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch statt.

Reichweite
Das Netzwerk ist auf den Bezirk Tempelhof-Schöneberg begrenzt und erfüllt damit Forderungen nach dem Verbleib im Sozialraum und gesellschaftlicher Teilhabe vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention. Aufgrund der dramatischen Entwicklung auf dem Gesamtberliner Wohnungsmarkt entstehen in anderen Bezirken jedoch ähnliche Initiativen, mit denen eine Kooperation angestrebt wird. Das Netzwerk benötigt die Unterstützung der Wohnungswirtschaft mit dem Ziel, bisherigen Wohnraum zu erhalten und neuen Wohnraum zu schaffen. Im Gegenzug bietet das Bündnis Hilfestellung im Umgang mit schwierigen Mietern und hofft auf ein Entgegenkommen bei der Wohnungssuche durch die Vermieter_innen.

Ziele
Die Wohnraumerhaltung als Gemeinschafts- und Querschnittsaufgabe unter Berücksichtigung der UN-Behindertenrechtskonvention ist dabei richtungsweisend. Für Betroffene sind die Unterstützung und Akquise bei der Wohnraumerhaltung und Wohnraumversorgung durch unentgeltliche Beratung von Wohnungssuchenden vorrangig. Vorteile für die Wohnungswirtschaft ergeben sich durch Kostensenkungen und niedrigere Folgekosten durch rückläufige Zahlen von Zwangsräumungen und Räumungsklagen sowie durch ein besseres Mieterverhältnis allgemein. Um eine „Win-Win-Situation“ für Wohnungsnehmer und Wohnungswirtschaft gleichermaßen herzustellen, sind Gespräche notwendig. Hierzu zählen zum einen unentgeltliche Beratungs- und Unterstützungsangebote von Vermietern, die dieser Personengruppe Wohnraum zur Verfügung stellen können, z.B durch Fortbildungen zur Sensibilisierung im Umgang mit schwierigen Mieter_innen, zum anderen durch die Unterstützung von Initiativen zur Schaffung von Wohnraum und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, die besonderen Belange und Interessen (special needs) dieser Personengruppe bekannt zu machen und zu vertreten und dadurch eine Einflussnahme auf politisches und verwaltungsmäßiges Handeln gemäß dem Vereinszweck zu erzielen.

Erreichbarkeit
Der Verband hat mittlerweile ein eigenes Büro, was sich in der Albrechtstr. 110, 12103 Berlin (Nähe U-Bhf Alt-Tempelhof) befindet und unter Telefon 030/69818088  und per Mail unter info@irregutwohnen.de erreichbar ist.

Kathrin Vogel

Kontakt

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