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05.05.2011 / Gewerbe im Kiez

Interkulturelle Begegnung mit China in der Galerie Ling

Gezeigt wird hier seit Februar 2010 vor allem Bildende Kunst von in Deutschland lebenden chinesischen Künstlern. Träger ist der Berliner Verein ONOFF Forum für internationalen Kulturaustausch e.V., ein Zusammenschluß von deutschen und chinesischen Kulturschaffenden, die sowohl in China, als auch in Deutschland studiert und gearbeitet haben. Das eröffnet viele Möglichkeiten interkultureller Kommunikation - ohne Sprachbarriere - und Kulturaustausch in den unterschiedlichsten Bereichen.
Zhu Ling und Dr. Dr. Reinhard Schöpe. Foto: Christiane Rodewaldt
Accident 7 – 2 (2011), Acryl auf Leinwand, 15 x 22,5 cm. Foto: Galerie Ling
Li Yan in seinem Atelier im Pekinger Künstlerviertel Song Zhuang. Foto: Li Yan

Initiatorin der Galerie war ihre Namensgeberin, die Kunsthistorikerin Zhu Ling. Ihr Ziel ist es, chinesischen Künstlern ein Forum, eine Plattform zu bieten. Dabei hat Zhu Ling Zweierlei im Blick: zum einen die sowohl in China als auch in Deutschland ausgebildeten Künstler mit der Frage, zu welchen neuen Ausdrucksformen das führen kann, zum anderen die wenig beachteten chinesischen Künstler, die aus einem Bedürfnis heraus produzieren. „Idealisten sind, die Kunst für sich und nicht für den (europäischen) Markt machen, die an der Entwicklung einer eigenen Kunstsprache arbeiten, die nicht einfach nur große, bunte, schöne, marktgängige Bilder malen“, so Zhu Ling.

Unterstützung in ihrer Galeriearbeit erhält Frau Zhu, die derzeit eine Dissertation über „die Spannung in der Kunst“ anfertigt, von dem Kunstsammler und promovierten Mathematiker und Psychologen Dr. Dr. Reinhard Schöpe.

Der Pekinger Künstler Li Yan ist vom 14.05.-07.07.2011 in der Galerie Ling, Motzstrasse 65 A zu sehen. Vernissage Freitag, den 13. um 19 Uhr.

Seine Bilder sind klein, kompakt, etwa Buchformat, ca. 15 x 25 cm und verstehen sich als Fragmente einer Serie, die genau, in einem zweiten kreativen Akt, von Li Yan konzipiert wird. Er nennt diese Anordnungen oder komponierten Bezugsrahmen stets „Accident“ und spielt mit der Doppeldeutigkeit des englischen Begriffs: Ereignis, Zufall und Unfall, Unglück entsprechend auch der dargestellten Bildinhalte. „Katastrophisches Welttheater – Ein Chinese malt unser Zeitalter“, so titelt die Galerie Ling die Ausstellung.

Dabei lebt und arbeitet Li Yan ganz zurückgezogen im Pekinger Künstlerviertel Song Zhuang. Seine Anregungen erhält er von Photo-Reportagen westlicher Journalisten aus dem Internet, setzt die, durch die Photos bei ihm ausgelösten Reize und Emotionen dann spontan mit dem schnell trocknenden Acryl auf Leinwand um, dünn aufgetragen, leicht und gar nicht zufällig, und will den Betrachter gleichsam bewegen, sie direkt an ihn weiterzugeben. Aber warum nicht aus sich selbst schöpfen oder aus der chinesischen Realität? Diese Direktheit gebe es in China nicht, meint Zhu Ling, auch keine Bomben, keine Kriege, keine Steinwürfe, keine öffentlichen Demonstrationen. und zudem nicht so gute Fotografen, die Ausbildung sei nicht vergleichbar. Es ist bedauerlich, dass wir Li Yan, anders als geplant, hier nicht in unser Gespräch mit einbeziehen können. Sein Kommen scheiterte an den deutschen Visa-Bestimmungen, die den Nachweis über ein regelmäßiges Ein-kommen u.ä.m. verlangen.

Li Yan hat westliche Malerei von 1998-2002 an der Luxun-Akademie der Bildenen Künste in China studiert, nie chinesische Malerei, und empfindet sich eher kosmopolitisch. Dennoch sei das Chinesische in seinen Bildern stets präsent, erklärt Dr. Dr. Reinhard Schöpe. „Die zurückgenommene Farbgebung, eine Bewegungsrichtung und die Dynamik, wie man es von der Kalligraphie kennt, auch das Fehlen von Details, wie Mimik o.ä. Das sind kleine Bilder, auf denen sehr viel passiert, nicht einfach abgemalt, sondern kleine Reflexionstafeln. Für mich sind sie deshalb ein Beispiel für gute Kunst.“

So lädt nicht nur das kleine Format zur näheren Betrachtung ein. Der direkte Kontakt mit den Kunstwerken läßt eine eigene Dynamik entstehen und es ist, als hole Li Yan die Bilder aus der Cyber-Welt des Internets zurück ins richtige Leben.

Christiane Rodewaldt

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