Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

1.05.2017

Im Dunkeln sieht man weniger

Als ich das Buch „Im Dunkeln sieht man weniger“ von Gregorio Ortega Coto zu lesen begann, fiel mir ein Bild ein, das meines Erachtens den Unterschied zwischen einem Roman und einem Kurzgeschichtenband charakterisiert.

Gregorio Ortega Coto. Foto: Hartmut Becker

Das Lesen eines Romans ist ein bisschen wie das Essen einer Tafel Schokolade. Man kann Stückchen für Stückchen daran knabbern, jeden Tag ein bisschen, manchmal auch mehr, aber es ist immer dieselbe Schokolade. Ein Kurzgeschichtenband erinnert mich dagegen an eine Pralinenschachtel, in der viele wunderbare Pralinés zu finden sind. Manchmal fällt es sogar schwer, zu entscheiden, welches man sich als Erstes herausnehmen will, denn alle sehen so verlockend aus. Schließlich nimmt man eines, genießt es, und weil es so gut schmeckt, nimmt man sich das nächste ... und genießt jedes einzelne in seiner Besonderheit.

Dass ich beim Lesen von Gregorio Ortega Cotos neuem Buch an eine Schachtel voller verlockender Pralinés denken musste, liegt daran, dass es ein Kurzgeschichtenband mit fünfundzwanzig wunderbar überraschenden Geschichten ist. Ortega Coto ist Schriftsteller aus dem Bayerischen Viertel in Schöneberg und nennt sich selbst „Erzähler“ bzw. „Cuentista“: Er erzählt gerne humorvolle, rührende, abenteuerliche, bewegende Geschichten. Neben Beiträgen in Anthologien hat er vor einigen Jahren bereits einen ersten Kurzgeschichtenband und einen Roman veröffentlicht. „Im Dunkeln sieht man weniger“ ist sein neues Buch, sein zweiter Kurzgeschichtenband. Das Titelbild ziert ein wunderbarer winterlicher Blick auf die Haberlandstraße.

Die Geschichten des Bandes spielen an unterschiedlichen Orten, oft in Berlin, aber auch in Madrid und New York. Es gibt Geschichten, die aus dem Blickwinkel eines Kindes die verrückte und oft auch absurde Welt der Erwachsenen betrachten. In vielen Geschichten geht es um Begegnungen zwischen Menschen, um Beziehungen und um das menschliche Begehren. Es werden auch sehr einleuchtende Lösungen für Nachbarschafts- oder Eheprobleme aufgezeigt. Immer humorvoll und mit einem Augenzwinkern. Dass der Nachbar, der mit seinem Hund zusammen die Bewohner des Hauses terrorisiert, zum Beispiel irgendwann aus dem Fenster fällt, daran trägt vermutlich der Mann selbst am meisten Schuld. Wir Leserinnen und Leser verstehen auch bald, dass es in Dreiecksbeziehungen leicht zu Missverständnissen kommen kann. Dies können fünfzehn Postkarten und ein Brief wunderbar illustrieren, wenn auch nicht vermeiden.

„Im Dunklen sieht man weniger“ ist erschienen bei BoD / Books on Demand. Es ist unter der ISBN 978-3-7431-0903-2 bestellbar, und u.a. im Buchladen am Bayerischen Platz (soweit vorrätig) erhältlich. Es kostet 12,99 EUR.
Nähere Informationen über den Autor und seine Bücher: http://www.ortegacoto.de/de/buecher/buch-dunkeln.html

Isolde Peter

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