Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

3.05.2021

Im Corona Dschungel

Von Christine Sugg. Seit gut einem Jahr leben wir mit dem „Virus“, und immer noch wechselt ständig die Corona-Lage und somit wechseln auch die Maßnahmen. Der folgende Artikel ist deshalb eine Momentaufnahme des Corona-Alltags Mitte April 2021.

Foto: Christine Sugg

Seit Ende März werden in Berlin kostenlose Schnelltests angeboten, die beim Besuch des Einzelhandels, des Friseurs oder der Kosmetikerin vorgelegt werden müssen. Meist muss man sich jedoch zusätzlich am Eingang des jeweiligen Geschäfts registrieren lassen und zwar mittels eines QR Codes und Handys oder schriftlich mit Adresse alles zwecks der Kontaktverfolgung. „test and meet“ nennt sich nun der Einkaufsspaß.

Offiziell durfte sich zuerst jeder Berliner einmal pro Woche kostenlos testen lassen, Stand Anfang April, jetzt seit Mitte April, darf sich jeder mehrmals die Woche testen lassen. Wenn man das Angebot annehmen möchte, kann man in einem Testzentrum einen Termin vorher buchen oder einfach ohne Termin zum Testzentrum gehen. Deshalb wird vom Corona Schnelltest in den Zentren auch vom „Test-to-go“ gesprochen, natürlich in Anlehnung an den“ Coffee-to-go“! Nun zu den Testzentren: Es gibt 16 Testzentren vom Senat Berlin und über 100 Testzentren von Drittanbietern. Da Corona die Digitalisierung sehr stark favorisiert, ist für den kostenlosen Schnelltest, den test-to-go, ein Smartphone nötig. Dort werden alle Daten gespeichert und auch das Ergebnis. Für BerlinerInnen ohne Smartphone ist der kostenlose Schnelltest schwieriger zu bekommen! In den Testzentren des Landes Berlin, zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf in der Kirchstraße und in Tempelhof-Schöneberg am Mariendorfer Damm ist es möglich, ohne Besitz eines Smartphones das Testergebnis in Papierform zu erhalten. Man unterschreibt dann eine Einverständniserklärung und bekommt nach 15 Minuten das Testergebnis auf Papier! Ein Termin für den Test kann telefonisch unter 0800/2668363 gebucht werden.

Überall im Bezirk sind sogenannte Drittanbieter von Testzentren gegenwärtig. Diese Testzentren arbeiten zum Teil nach dem Franchise-Modell. Das bedeutet ein auf Partnerschaft basierendes Geschäftsmodell, bei dem der Neuunternehmer gegen eine Gebühr ein etabliertes Geschäftsmodell nutzen darf. Da von offizieller Seite der Bedarf an Testzentren nicht gedeckt werden kann, wird die Lücke durch private Covid-19- Testzentren geschlossen, die von der Kommune beauftragt werden. In der Schloßstraße in Steglitz gibt es bisher zwei private Testzentren, in der Schloßstraße 120 und in der Schloßstraße 32, bald wird ein neues Testzentrum im Boulevard Berlin aufmachen und vor dem Boulevard Berlin steht manchmal ein Testzelt von DM.

Ständig steigt die Zahl dieser Testzentren, anscheinend ein lukrativer, neuer Markt, ein neues Geschäftsmodell. So ist es faktisch auch Branchenfremden möglich, über einen privaten Betreiber ein Testzentrum zu eröffnen und Partner zu werden. Der Interessent wird dabei von dem Unternehmen bei allen Belangen unterstützt: Es gibt Hilfe bei der Standortanalyse, bei der Personalbeschaffung, bei der Einrichtung, bei der Schulung des Personals, bei Software und Hardware, bei der Materialbeschaffung und bei der Verwendung des Logos und der Gestaltung der Webseite. Laut verschiedener Quellen obliegt die Schulung des Personals ausschließlich den Testzentren, es gibt also keine standardisierte Unterweisung, obwohl gerade eine fachgerechte Handhabung für die Aussage des Tests sehr wichtig ist. Die Personen, die die Tests ausführen, brauchen meist nur medizinische Vorkenntnisse zu haben. Oft werden Medizinstudenten eingesetzt, die vom Testzentrum eine ca. zweistündige Schulung bekommen. Übrigens, pro Test bekommt das Testzentrum eine Vergütung von 12 Euro und 6 Euro für die Testbeschaffung vom Bund. Bei dem privaten Testzentrum in der Schloßstraße 32 ist es auch möglich, sich ohne Besitz eines Smartphones testen zu lassen, man sollte dann jedoch zu Zeiten kommen, wenn nicht so viel Publikumsverkehr ist, also morgens oder abends.

Leider ist Mitte April bekannt geworden, dass in einem privaten Testzentrum die Daten gehackt wurden, weil nicht genug für die Sicherheit der Daten getan wurde. Sämtliche Daten der Getesteten konnten dann im Internet abgerufen werden. Da alles so schnell geht, wird teilweise der Aspekt der Sicherheit leider nicht so stark berücksichtigt.

Auch in Apotheken sind die kostenlosen Schnelltests möglich, da ist man vielleicht sicher, dass das Personal eine fachliche Vorbildung hat. In der Schloßstraße bietet den Service die Schildhorn Apotheke an, wo man sich täglich von 10 h bis 16h ohne Termin testen lassen kann. Auch die Kreisel-Apotheke am Rathaus Steglitz bietet einen kostenlosen Schnelltest an, allerdings muss man vorher einen Termin buchen.

Das Angebot der Schnelltests für zuhause ist bis jetzt nicht so einfach zu nutzen, denn weder bei DM, Aldi, Lidl oder Rossmann ist es leicht, eine Packung mit Schnelltests zu ergattern. Allerdings gelten diese Schnelltests nur im privaten Bereich. Außerdem sind sie umstritten, da es nicht sicher ist, ob sie das Ergebnis korrekt abbilden, bzw. die englische Variante vielleicht nicht angezeigt wird.

Der sicherste Schutz gegen Corona ist natürlich die Impfung. Sehr holprig lief die Impfung wegen Impfstoffmangels an. Dann wurden zum Beispiel Beihilfe/Privatversicherte bei der Priorisierung ab 65 + Vorerkrankung nicht berücksichtigt. Da die Einladung zur Impfung über die Kassenärztliche Vereinigung erfolgt und die Unterlagen über Vorerkrankungen der Privatversicherten der Kassenärztlichen Vereinigung natürlich nicht bekannt sind, konnte diese Personengruppe zunächst nicht eingeladen werden. Nach ca. einer Woche hatte der Senat dieses Problem gelöst. Dazu kommen die Probleme mit Astra Zeneca, mal für Personen unter 65, dann nur für Personen über 60. In den Osterferien der Ansturm von Impfwilligen über 60, die Hotline war stundenlang nicht zu erreichen, denn es konnte sich ja jeder über 60 zum Impfen anmelden.

Hat man endlich eine Einladung zum Impfen erhalten, dann hängt der Impftermin vom Impfstoff ab. Biontech/Pfizer und Moderna sind heißbegehrt, und da muss man im Schnitt vier Wochen auf einen Termin warten. Bei AstraZeneca geht es - Stand April - schneller.  Möchte man den Impftermin online vereinbaren, dann ist das auch nicht immer einfach! Je nachdem, wie viele Leute gerade im Netz sind, tauchen potenzielle Termine zum Klicken auf, verschwinden aber, sobald man sie anklickt, und dann erscheint die Info, dass der Termin vergeben ist, man braucht also Geduld! Aber seit dieser Woche können ja die Hausärzte impfen, und dann sieht die Sache hoffentlich anders aus. Ein Besuch beim Hausarzt zur Impfung ist angenehmer als ein Besuch des Impfzentrums. Obwohl das Impfzentrum sehr gut organisiert ist, ist man doch mit Massen von Menschen zeitgleich zusammen und es dauert - Geduld und nochmals Geduld - ist und bleibt ein wichtiges Wort in der Corona Krise.

Wenn das neue Infektionsschutzgesetz beschlossen ist, dann ist die berlinweite Regelung zum Einkauf hinfällig, und Testzentren sind dann nur noch für private Besuche, Flüge usw. interessant, bis der Inzidenzwert in Berlin unter 100 gefallen ist. Danach sieht es erstmal nicht aus.

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