Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.01.2014

Ich bin ein Berliner

Hören wir diesen Satz, wissen wir sofort, von wem die Rede ist, und ein Theaterstück mit diesem Titel kann nur von John F. Kennedy handeln, JFK also.

Szenenbild. Buch und Regie: Detlef Altenbeck. Foto: Kleines Theater

Dabei erfahren wir, dass er den Satz gar nicht selbst erfunden hat; Politiker pflegen ihre Reden nicht selbst zu schreiben, das weiß man, sie erläutern ihre Ideen, und die Redenschreiber setzen sie in zündende Ansprachen um. JFK wollte etwas Berlinspezifisches sagen, und Ted Sorensen fand diese knackige Formulierung, die uns damals so begeisterte. (Als er später erfuhr, dass „ein Berliner eigentlich ein mit Marmelade gefüllter Pfannkuchen“ ist, rechnete er sich das als einen schweren grammatikalischen Fehler an, lesen wir im Programm. Uns stört das nicht, denn in Berlin heißen sie Pfannkuchen und damit basta.)

„Der größte Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge, sondern der Mythos“ hat JFK gesagt, und das kann man geradezu als Motto für sein Leben und Wirken ansehen. Das amerikanische Volk betrachtet ihn als einen ihrer größten Präsidenten, und alle inzwischen bekannt gewordenen Skandale können daran offenbar nichts ändern. Man kann sich fragen, ob es nicht sein früher, tragischer Tod war, der ihm immer noch einen Glorienschein verleiht.

Das Theaterstück, das der Regisseur und Buchautor Detlef Altenbeck zum 50. Todestag Kennedys schrieb, will mit diesem Mythos aufräumen, dem wahren JFK auf die Spur kommen. Fünf Menschen, die in Kennedys Leben eine Rolle spielten, lässt er auftreten: Jackie Kennedy, seine Frau, Marilyn Monroe („Happy Birthday, Mr. President“), Marlene Dietrich (die auch? das war mir neu) und Mrs. Lincoln, seine Sekretärin. Jeweils einzeln treffen sie auf Kennedys Jugendfreund Lem Billings (Otto Strecker), der JFK offenbar selten von der Seite wich und der das rote Band zwischen den Protagonisten darstellt. Ted Sorensen, der Redenschreiber, spielt indirekt in Mrs. Lincolns Telefongesprächen mit.

Und diese Telefongespräche haben es in sich. Haargenau teilt die Sekretärin Ted Sorensen JFKs Vorstellungen mit, und das ist manchmal doch recht desillusionierend. Wir erfahren zum Beispiel, was Kennedy über die Bundesrepublik und über seinen Berlinbesuch dachte und dass sein berühmtes Wort „Ich bin ein Berliner“ gar nicht so spontan war, wie wir dachten, sondern sorgfältig eingeübt worden war. Ein Blick hinter die Kulissen also. Politik ist ein schmutziges Geschäft, wir wussten es. Hier bekommen wir es noch einmal vorgeführt.

Dass JFK viele Frauengeschichten hatte, war allgemein bekannt, und die Frauen, die wir auf der Bühne sehen, haben einiges zum Thema zu sagen. Marlene, gespielt von Agnes Hilpert mit dem gleichen rauen Berliner Charme, mit dem sie schon im „Grauen Engel“ auf dieser Bühne die Diva dargestellt hatte, macht sich wenig Illusionen über ihn, ist aber durchaus bereit, die Kartoffeln für ein gemeinsames Gulaschessen zu schälen. Katharina Koch als kleines Dummchen Marilyn, das gar nicht so dumm ist, fürchtet sich vor ihrem Auftritt mit dem Geburtstagssong am nächsten Tag, und Linda Sixt hat als seine Ehefrau Jacqueline so manches über ihren Angetrauten und ihre Rolle an seiner Seite zu berichten. Am besten kannte ihn wohl seine Sekretärin Evelyn Lincoln, (sehr lebendig gespielt von Nela Bartsch) - wie das ja häufig so ist.

Der Autor hat viel recherchiert und vieles zutage gefördert, was wir vielleicht noch nicht wussten. Er wollte die verschiedenen Seiten J.F. Kennedys zeigen, die problematische Figur hinter dem strahlenden Helden darstellen, der von seinem ehrgeizigen Vater in die Präsidentenrolle gedrängt worden war. Das Programm enthält weitere interessante Informationen von Zeitgenossen Kennedys, Biografen, Journalisten.

Ein interessantes Stück Zeitgeschichte mit Hintergründen.

Sigrid Wiegand


Weitere Spieltermine:
7.,8.,9. und 28. Februar '14
jeweils 20 Uhr
Kartentelefon: 821 20 21
Mo-Fr  11-14 Uhr

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