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26.05.2022 / Menschen in Schöneberg

Hungrig nach Leben - ein Romandebüt von Matthias Franck

Von Isolde Peter. Vor knapp zwei Jahren, die Corona-Pandemie nahm gerade ihren Lauf, fing ich an, mich in den sozialen Medien zu tummeln. Ich versuchte bei Instagram ein bisschen Werbung für meinen bald erscheinenden Krimi zu machen und postete aus Spaß Videos, auf denen ich Akkordeon spiele. So kam ich in Kontakt mit zahlreichen interessanten Menschen, Musikern und Musikerinnen in der ganzen Welt, und natürlich mit anderen Autorinnen und Autoren.
Matthias Franck. Foto: Privat

Zum Beispiel fiel mir das Profil von Matthias Franck auf, einem jungen Autor, der gerade an seinem Debütroman arbeitete. Das, was er im Netz schrieb, fand ich sehr authentisch und sympathisch. Witzig war, als wir feststellten, dass wir beide im Süden Berlins, er in Steglitz, ich in Schöneberg wohnen. Nun, da „Hungrig nach Leben“ im März 22 erschienen ist, nahmen wir dies zum Anlass, uns auch mal persönlich in einem Café am Walther-Schreiber-Platz zu treffen und über sein Buch zu sprechen.

Matthias Franck ist 27 Jahre alt, lebt seit drei Jahren in Berlin und arbeitet hauptberuflich als Angestellter im Büro einer Behörde. Seinen Roman hat er nebenberuflich geschrieben und ihn als Selfpublisher bei Books on Demand veröffentlicht. Vorteil für ihn war dabei, sein Romandebüt genauso herauszubringen, wie er sich das vorgestellt hat. Dafür hat er in ein ausgezeichnetes Lektorat investiert. Auch das Cover sowie die komplette Herstellung des Buches zeugen von einer großen Professionalität – einmal mehr ein Zeichen, dass sich Selfpublisher heutzutage nicht mehr hinter Verlagsveröffentlichungen verstecken müssen.

Die Geschichte in „Hungrig nach Leben“ handelt von der Hauptfigur Vincent, einem Mann, Mitte Zwanzig ist, der auf dem Land lebt, und zwar noch bei seinen Eltern. Die nächstgrößere Stadt ist Mannheim, wo es immerhin einen Bahnhof gibt. Großstädte wie Hamburg oder Berlin in erster Linie kennt man dort fast nur aus dem Fernsehen und vom Hörensagen. Sie scheinen so weit weg wie New York oder London. Als ob das nicht provinziell genug wäre, arbeitet Vincent auch noch als Verkäufer in einem Mobilfunkshop, obwohl er gar nicht so gerne verkauft.

Sein Leben scheint vor sich hin zu dümpeln, bis der neue Chef des Shops, Max, frischen Wind in die Bude wehen lässt. Obwohl Vincent sich zuerst daran stört, dass der Neue Unruhe hereinbringt und ihn zum Beispiel unbedingt zu einem besseren Verkäufer machen möchte, freunden sich die beiden Männer an. Max hat vorher in Berlin gelebt und kann die Beschaulichkeit und Naivität der Landbewohner nicht fassen. Vincent dagegen ist hin- und hergerissen, zwischen Bewunderung und Angst vor seinem eigenen Mut.

Das Genre des Romans bewegt sich zwischen „Coming of Age“, also einem Entwicklungsroman, und „Gay Romance“, da es vor allem auch ein Roman über die Liebe zweier Männer ist. Denn ja, das Landei Vincent, stellt mit Mitte Zwanzig fest, dass der Grund, weshalb er noch keine „feste Beziehung“ hatte (womit in seinem Dorf eine Beziehung zu einer Frau gemeint ist), daran liegen könnte, dass er Männer liebt. Er kann diese Liebe zunächst selbst kaum zulassen, denn da ist die Sorge über das Getratsche im Dorf und die Angst vor der Gewaltätigkeit seines Vaters.  Am Ende muss sich Vincent entscheiden, ob er weiterhin sein wahres Ich leugnen will, oder den Mut zu einem Neuanfang fasst…

Vincent ist eine Hauptfigur, deren anfängliche Schüchternheit und Naivität rührend ist, und mit dessen Entwicklung man als Leser und Leserin mitfiebert. Und ja, natürlich habe ich nachgefragt, ob Vincent das Alter ego von Autor Matthias Franck ist. Auch er stammt vom Land und ist nach Berlin gezogen. Aber im Gegensatz zu Vincent, der im Roman mit vielen Hindernissen fertig werden muss, war Matthias Francks eigenes Coming Out lange nicht so schwierig. Familiär und im Freundeskreis hat er viel Unterstützung und Verständnis bekommen. Aber das ist eben nicht immer der Fall, gerade außerhalb der großen Städte und im ländlichen Raum, kann die sexuelle Orientierung dazu führen, diskriminiert zu werden. Diese Problematik wollte er mit seinem Roman beschreiben. Gleichzeitig geht es auch darum, Schwierigkeiten zu überwinden und das Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu seiner Liebe zu stehen. Denn wie es auf der Rückseite des Buchcovers so schön steht „Wenn zwei Seelen sich finden, spielt das Geschlecht doch keine Rolle. Oder?“

Matthias Franck
Hungrig nach Leben.
Ich bin Ich.
Books on Demand
ISBN 978-3-75-579895-8
EUR 10.99

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