Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

27.05.2020

Hummeln bummeln nicht

von Isolde Peter „Ich bin die Frau Hummel und bitt dich, Kathrinchen, komm mit mir zum Bummel, du fleißiges Bienchen. Summ summserum.”

Erdhummel (Bombus spec.) http://offene-naturfuehrer.de/web/Hummelschlüssel

Manchmal tragen Kinderlieder wirklich nicht zu einer vernünftigen Aufklärung bei. Fleißige Biene, verbummelte Hummel? Dabei meint es Frau Hummel ja nicht böse. Sie will die Biene namens Kathrinchen zum Bummeln überreden. Einfach mal Relaxen. Aber diese lehnt das natürlich – typisch Workaholic-Biene! – ab. Lieber Sammeln und Schaffen, damit die Kinder Honig bekommen. Die gute Biene denkt an sich selbst zuletzt.

Einer der Gründe, dass Hummeln dieses Image anhaftet, nicht so fleißig wie Bienen zu sein, sondern eher behäbig, mag an ihrer Optik liegen. Mit ihrem gut sichtbaren „Fell“ und ihrem leicht pummeligen Körperbau erinnern sie ein wenig an „Karlsson vom Dach“ (der Kinderbuchfigur von Astrid Lindgren mit Propeller am Rücken). Auch der lateinische Name für Hummel - „Bombus“ - lässt lautmalerisch an eine „bombige Figur“ denken. Er bezieht sich aber natürlich auf das laute Brummen, das man hört, wenn eine Hummel zur Blüte strebt.

Ähnlich wie bei Karlsson vom Dach, wundert man sich ein bisschen. Sind Hummeln nicht eigentlich zu dick fürs Fliegen? Wie schaffen sie es, ihr Körpergewicht in die Lüfte zu hieven? Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Problem ganz klar gelöst. Hummeln haben, wie alle Insekten, die passenden Flügel, um Auftrieb zu erzeugen. Sie besitzen sogar ein Gelenk, um die Krümmung ihrer Flügel zu verstärken. Was für uns nach einem einfachen Flügelschlag aussieht, ist in Wirklichkeit ein ausgeklügeltes System von Flügelbewegungen. Hummeln sind in der Lage, einen sogenannten Vorderkantenwirbel zu erzeugen. Da leuchten Ingenieursaugen auf, denn diese technische Leistung ist genial. Libellen sehen wie kleine Hubschrauber aus. Ihre langen, großen Flügel ermöglichen ihnen eine schnelle Wendigkeit. Hummeln dagegen haben kurze Flügel, aber erzeugen damit eben ihren berühmten Vorderkantenwirbel. Sie sind fast schon mit Kampfjets vergleichbar, wenn auch viel pazifistischer und schöner anzusehen. Zwar haben sie auch einen Stachel, aber den setzen sie nur selten ein.

Sind Hummeln also friedliebende Kampfjets, aber deutlich fauler als die fleißigen Bienen? Diese Frage lässt sich ganz klar mit nein beantworten. Hummeln und Bienen gehören zu den staatenbildenden Insekten. Es gibt bei beiden eine klare Hierarchie und eine hohe Arbeitsmoral. Auch die Hummelkönigin hat ihren Hofstaat von Arbeiterinnen, die arbeitsteilig entweder sammeln oder im Stock bleiben. Zusätzlich gibt es Drohnen für die Begattung der Jungköniginnen während des so-genannten „Hummelfluges“. Den Bienen wurde das „Biene Maja-Lied“ von Karel Gott gewidmet. Den Hummeln und ihrem Hummelflug wurde dagegen ein musikalisches Denkmal von dem russischen Komponisten Rimski-Korsakow gesetzt. Ein feiner Unter-schied also!

Hummeln fangen früh mit ihrer Arbeit an. Sie schlüpfen aus ihren Nestern, die in Erdlöchern, Baumhöhlen oder auch Nistkästen angelegt werden. Auch bei zehn Grad, da ist es den Bienen noch viel zu kalt, fliegen sie los, um Nektar zu sammeln. Das wird dadurch möglich, weil sie wetterfester und weniger kälteempfindlich sind. Es liegt aber auch daran, dass sie im Gegensatz zu den Bienen keine Vorräte in Form von Honig anlegen. Ihnen bleibt praktisch nichts anderes übrig, als so bald wie möglich Nahrung zu suchen. Wegen der fehlenden Vorratshaltung gibt es auch keine Hummel-Imkerei. Allerdings werden manche Hummelarten z. B. für die Bestäubung in Gewächshäusern eingesetzt.

Allein in Europa sind ungefähr siebzig verschiedene Arten von Hummeln bekannt. Die bei uns in Gärten, Parks und Wiesen am häufigsten herumschwirrende Art ist „bombus hortorum“ – die Gartenhummel. Genau wie die Bienen sind die Hummeln stark gefährdet durch die intensivierte Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen sowie durch Parasiten. Wer Hummeln helfen möchte, kann ihnen eine schöne Wohnung in Form eines Nistkastens anbieten. Außerdem brauchen Hummeln, Bienen und Wildbienen Nahrung. Statt im Garten also nur den Rasen zu hegen und zu pflegen, ist es sinnvoll – zumindest eine Ecke – mit einer bunten Wiese zu schmücken. Oder in Balkonkästen nicht nur Geranien, sondern auch Wiesenblumen anzupflanzen. So ist es für alle fleißigen Nektarsammler leichter, diesen auch zu finden.

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden