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3.04.2015

Hinter die Kulissen geblinzelt

Berlin hat eine weite Theaterlandschaft, staatliche und private Theater, große und kleine Bühnen, Musikbühnen und Boulevardtheater und vieles mehr.

Foto: Christine Bitterwolf

Nun kann man feststellen, dass einige dieser Theater nicht durchgängig an allen Tagen bespielt werden. Da finden manchmal zwei oder drei Tage in der Woche einfach keine Vorstellungen statt. Hat es die Theaterleitung nicht nötig? Kommt nicht genug Publikum? Haben die Schauspieler keine Lust? Nein, im Gegenteil. Alle sind fleißig und geben ihr Bestes. Aber wie wir am Spielplan des kleinen Theaters zeigen wollen, ist dies ein höchst logistisches Problem.

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Konzepte, ein Theater zu bespielen: da sind die Repertoire-Theater, die ein eigenes Ensemble haben. Das heißt, die Schauspieler sind am Theater fest angestellt und spielen verschiedene Rollen in verschiedenen Stücken, die im Wechsel aufgeführt werden (z.B. das Deutsche Theater, Theater an der Parkaue).
Dann gibt es die En-Suite-Theater, die ihre Schauspieler jeweils für ein Stück engagieren, das über eine festen Zeitraum von ca. 6-8 Wochen täglich auf der Bühne gespielt wird (z. B. die beiden Kudamm-Theater).
Und es gibt die Bespiel-Theater, die kein eigenes Programmangebot haben, sondern von fertigen Produktionen, wie z.B. Tourneetheatern, genutzt werden oder für einzelne Events gemietet werden können. (z. B das Hebbel am Ufer, das Schillertheater, bevor die Staatsoper vorübergehend eingezogen ist).
Daneben gibt es außerdem die vielen kleinen Theater, die ebenfalls eigene Produktionen auf die Bühne bringen, aber nicht jeden Abend das gleiche Stück zeigen und kein festes Ensemble haben. Hierzu gehört auch das Kleine Theater am Südwestkorso in Friedenau.

Das Kleine Theater ist mit noch nicht einmal 100 Plätzen wirklich ein kleines Theater. Es ist im Friedenauer Kiez eine feste Institution. Frau Bares, die Geschäftsführerin, hat ihr Haus aber mit den Themenschwerpunkten Biographie und psychologisches Kammerspiel inzwischen berlinweit etabliert. Sie bietet bewusst kein experimentelles Theater an.

Das Programmangebot muss jedoch abwechslungsreich gestaltet sein. Zur Zeit laufen acht Stücke gleichzeitig, dabei wird keines öfter als vier mal im Monat gezeigt. Und hier beginnt die termingenaue Koordination. Jedes Theaterstück ist mit anderen Schauspielern besetzt, die, wenn sie nicht am Kleinen Theater spielen, andere Engagements haben, an anderen Theatern, beim Film, als Hörspielsprecher oder vielleicht mit einem eigenen Abend. Etwa drei Monate im voraus werden die Spielpläne erstellt und die Termine abgestimmt. Frau Bares schlägt ihren Schauspielern einige Termine für die nächsten Monate vor und wenn alle Teilnehmer einer Produktion zugesagt haben, ist dieses Datum für alle geblockt. Wenn nur ein Darsteller schon anderweitig verpflichtet ist, beginnt die Planung für diesen Tag von Neuem.

So kann es an manchen dieser kleinen Bühnen schlimmstenfalls auch einmal dazu kommen, dass es an einem Abend keine Vorstellung gibt.

Im Kleinen Theater werden jedoch bewusst spielfreie Abende geplant. An diesen Tagen wird im Hause intensiv gearbeitet. Neben dem laufenden Repertoire wird häufig schon an den nächsten Stücken gearbeitet. Auch für die Proben müssen die Termine mit allen Akteuren abgestimmt werden. Da das Kleine Theater nicht über gesonderte Probenräume verfügt, wie die großen Schauspielhäuser, können die Proben nur auf der freien Theaterbühne durchgeführt werden.
Außerdem ist auch der Bühnen-Techniker in dieser Zeit stets am Werke. Da die Stücke meist nur zwei oder drei Tage hintereinander gespielt werden, muss regelmäßig die Bühne umgebaut und die Beleuchtung neu eingestellt werden, was bis zu acht Stunden dauern kann. Gelegentlich müssen Reparaturen vorgenommen werden. Am Ende der Probenwochen ist auch die Scheinwerfereinstellung für das neue Stück zu erproben. Das Kleine Theater hat nur diesen einen Techniker, der für alle Arbeiten im Haus und an der Bühne zuständig ist.

Die Mitarbeiter, die abends an der Bar und an der Kasse für die Zuschauer im Einsatz sind, arbeiten auf der Basis von Mini-Jobs. Sie sind immer dann da, wenn sie gebraucht werden. Entsprechend kann die Kasse beispielsweise nicht den ganzen Tag geöffnet sein. Die Zuschauer können zwar telephonisch Karten vorbestellen im Büro, aber abgeholt werden, können die Karten nur abends jeweils zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn. Dafür bietet das Kleine Theater aber auch den besonderen Service, dass langfristig vorbestellte Karten erst am Vorstellungstag abgeholt werden müssen und vertraut darauf, dass die Gäste die Reservierungen nicht verfallen lassen.

Auch in anderen Bereichen, nicht nur beim Personal, muss so ein kleines privat geführtes Theater sparsam wirtschaften und kalkulieren. Die Subventionen, die das Haus erhält, decken gerade die Fixkosten, wie beispielsweise Miete und Heizung.

Aber so ein Theater braucht auch für jedes Stück neue Kulissen. Diese werden ebenfalls im Theater auf der Bühne anfertigt. Neue Kostüme können meistens aus dem hauseigenen Fundus zusammengestellt werden, der im Laufe der letzte Jahre auf stattliche 600 Kostümteile angewachsen ist. So müssen für neue Inszenierungen jeweils nur Einzelteile ergänzt werden.

Im Ganzen stellt das Kleine Theater bis zu vier neue Produktionen pro Jahr auf die Bühne, darunter sind viele Berliner Erstaufführungen. Manche der Inszenierungen sind so erfolgreich, dass sie über mehrere Jahre gespielt werden.

Christine Bitterwolf

Im April auf dem Spielplan: Barbara Streisand, Alte Liebe, Schachnovelle, Du sollst nicht lieben, 6 Tanzstunden in 6 Wochen, Meier Müller, Schulz.

Kleines Theater
Südwestkorso 64
12161 Berlin
www.kleines-theater.de

 

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