Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

6.07.2015

Hier werden nicht nur die Flötentöne beigebracht

Bambusflötenbau bei Martina Letz

Foto: Christime Sugg

Kaum zu glauben, aber jeder kann eine Flöte selbst bauen. Es braucht keine besondere Vorbildung, Lust zum kreativen Schaffen und ein bisschen Geduld genügen. Ungefähr zwei Tage dauert es, und ein schnödes Bambusrohr wird unter Anleitung von Martina Letz in eine wohlklingende Flöte verwandelt. Die erfahrene Flöten- und Klavierlehrerin war schon lange am Flötenbau interessiert. Vor drei Jahren eröffnete sich dann endlich für sie die Möglichkeit, diese Zusatzqualifikation zu erwerben.

Dieser Bambusflötenbau hat Geschichte. Er geht auf die Londoner Lehrerin Margret James zurück. Sie arbeitete zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Slums und wollte, dass ihre Schüler mittels eines Instruments auch praktischen Musikunterricht bekommen. Ab 1928 entwickelte sie das Bauen und Spielen von Bambusflöten. Dies war der Beginn der Bambusflötenbewegung, die sich später und bis heute Bambusflötengilde nennt. Sie ist in Europa, Japan und Amerika vertreten.
Aus Bambus lassen sich Tenorflöten, Sopranflöten und Altflöten bauen, je nach Dicke und Größe des verwendeten Bambusrohrs. Übrigens, den Bambus besorgt Martina Letz im Baumarkt oder Dekorationsgeschäft. Ursprünglich stammt er aus Indien, Sri Lanka und China. Der erste Arbeitsschritt beim Flötenbau besteht in der Auswahl eines geeigneten Bambusstückes. Dann müssen die Knoten des Rohres durchbohrt werden. Hierbei sind Kraft und Geduld erforderlich, denn Bambus ist ein sehr harter Werkstoff. Anschließend wird mit Handbohrer, Feilen und einer kleinen Säge weitergearbeitet. Dabei ist das Bohren der Löcher etwas ganz Besonderes, meint M. Letz, denn im Prozess der Abstimmung und Überprüfung der Tonhöhe wird die Flöte ihrem Erbauer immer vertrauter. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Vorgang des Flötenbaus relativ  entspannend, fast schon meditativ ist. Am Ende hält man dann seine Flöte in der Hand und empfindet die Art von Befriedigung, die sich nur nach handwerklichem Tun einstellt. Dann folgt die kreative Seite dieser Arbeit. Ganz nach Belieben kann das Instrument mit Farben und Motiven verziert werden.

Mit den Bambusflöten kann ebenso nach Noten gespielt werden wie mit einer traditionellen Flöte. Der Unterschied beider Flöten liegt einzig darin, dass die Bambusflöte aus einem Stück ist. Es gibt beim Flötenbau ein großes Spektrum an Instrumenten. So entstehen durch unterschiedlich angeordnete Löcher Flöten mit ganz eigener Tongebung bzw. individueller Tonleiter. Auch Obertonflöten und Einhandflöten kann man selbst bauen. Zur Erklärung: Bei der Obertonflöte werden die Obertöne überblasen. Mit ihr lässt es sich nicht nach Noten spielen, jedoch eignet sie sich gut zum Improvisieren. Einhandflöten stammen aus dem Mittelalter. Es gab damals Musikanten, die über der Schulter eine Trommel trugen, die sie mit einer Hand betätigten, mit der anderen Hand spielten sie auf einer Flöte mit drei Löchern, der Einhandflöte.

Für Kinder gibt es außerdem spezielle Flöten, wie zum Beispiel die Lotusflöten, bei denen durch Ziehen eines Stabs der Ton moduliert wird, es können Kuckucksflöten gebaut werden, die wie die Vogelstimme klingen oder die sogenannte "Sambagurke", ein perkussives Instrument, das die Form einer Gurke hat.

Der weiche Klang einer Bambusflöte passt als Begleitung gut zu Saiteninstrumenten oder Trommeln. Auch das Zusammenspiel mehrerer Bambusflöten hört sich schön an. Dies ist dann auch ein toller Abschluss, wenn alle auf ihren selbstgebauten Flöten spielen.

Info : Martina Letz
Tel. 832 62 23 oder E-Mail: letzmartina@yahoo.de

Christine Sugg

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