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29.08.2016

Happy end für Bauruine?

Der Steglitzer Kreisel - von seinem Baubeginn 1974 an bis heute Symbol für verfehlte Berliner Baupolitik - hat wahrscheinlich eine neue Bestimmung gefunden.

Foto: Thomas Protz

Er wird zum Wohnprojekt City Tower der CG Gruppe. Hinter dem Namen verbirgt sich ein auf Hochhäuser spezialisierter Investor, der in dem 118,5 m hohen Gebäude in den nächsten Jahren 182 Wohnungen errichten möchte.

Für 20 Millionen Euro verkauft das Land Berlin das Gebäude an die CG Gruppe. Wenn am 07.09.2016, also kurz vor der Wahl, das Abgeordnetenhaus zustimmt, ist der Deal perfekt.

Die CG Gruppe ist bereits Eigentümer des Sockelgeschosses, in dem sich aktuell Geschäfte, ein Parkhaus und ein großes Hotel befinden. Schon hängt ein großes Plakat des Eigentümers an den sogenannten "City Häusern", dahinter wird schon umgebaut und modernisiert. Im Sockelgeschoss entstehen außerdem 66 Wohnungen, die  zum Teil an der Autobahn liegen.
Nach dem Erwerb des Hochhauses will der Projektentwickler ebenfalls mit dem Umbau der ehemaligen Büroflächen beginnen.

Anstelle der braunen Fassade soll es viel Glas, Loggien und Balkone geben, das Hochhaus wirkt dadurch sehr modern, hell und "luftig". Im sogenannten "City Tower" sind pro Etage 4 bis 8 Wohnungen vorgesehen, mit einer Wohnungsgröße von 35 qm bis 250 qm. Die Wohnungen verfügen über 3,50 m hohe Decken, bodentiefe Fenster und Fußbodenheizung, insgesamt kann man von einer gehobenen Ausstattung sprechen. Ganz oben, im 34.Stock mit tollem Blick über Berlin, entstehen elegante Penthauswohnungen. 9.000 Euro soll dort der Quadratmeter kosten. In den unteren Stockwerken liegt der Quadratmeterpreis ab 3.200 Euro. Laut der CG Gruppe handelt es sich bei den Wohnungen im neuen Kreisel zwar um Eigentumswohnungen, jedoch werden diese vermietet verkauft, dienen also als Anlageobjekt für reiche Leute. Als Miete wird für die zukünftigen Eigentümer 9 bis 25 Euro/qm angegeben. Insgesamt gibt es ca. 48.000 qm Mietfläche.  Der Projektentwickler plant 277 Millionen Euro für die Modernisierung des Kreisels zu investieren, das sind ca. 5.770 Euro/qm.

Der Kaufpreis von 20 Millionen, den die CG Gruppe zahlt, hört sich zunächst lukrativ an und wird vom Senat sehr positiv gewertet. Leider müssen hierbei Abstriche gemacht werden. Seit 2007 steht das Hochhaus leer, denn es musste vom Asbest saniert werden. Die Asbestsanierung kostete Berlin ca. 18,5 Millionen Euro. Zieht man die Summe vom Kaufpreis ab, bleibt gerade einmal eine gute Millionen an Gewinn. Nicht viel für eine große Immobilie in bester Lage. Der Leerstand ab 2007 kostete das Land Berlin zwischen 650.000 und einer Million an Betriebskosten pro Jahr. Eine stolze Summe. Zieht man diese Summe wiederum vom Kaufpreis ab, wird aus dem kleinen Gewinn schnell ein Verlust. Ganz zu schweigen von den immensen Kosten für das Land, den Kreisel damals fertig zu bauen!

Weiterhin bleibt zu diskutieren, ob es besser ist, ein so kostenintensives Objekt loszuwerden bzw. fast zu verschenken oder ob es nicht besser wäre, das Objekt nach der Asbestssanierung zu behalten und mit Hilfe der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften den Kreisel selbst zum Wohnhochhaus umzubauen. Das Konzept ist doch nicht privaten Investoren vorbehalten. Diese werden wieder Gewinne machen, ebenso wie die Wohnungseigentümer, und die öffentliche Hand geht leer aus bzw. hat die Vorarbeit geleistet. Angesichts der angespannten Wohnungslage und vor allem dem gravierenden Mangel an Sozialwohnungen wäre dieser Standort eine Alternative gewesen. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack, den der Kreisel schon seit seinem Beginn mit sich herumträgt.

Christine Sugg

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