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10.11.2019

Grüne Stadtertüchtigung angefragt

Aus der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg

Überall Unruhe: Klimastreik in Bern (Schweiz): Kundgebung auf dem Helvetiaplatz. Foto: Hadi

Im August sinkt die Dauer der Tageshelligkeit im Monatsverlauf besonders stark. Und das kündigt unmissverständlich den Herbst an. Mit unverminderter Leuchtkraft richteten die Bezirksverordneten davon unbeeindruckt ihren Blick auf Erhalt und Pflege des Stadtgrüns, was schon die letzte Sitzung vor der Sommerpause hatte ergrünen lassen. Beschlossen wurde die Aufforderung an das Bezirksamt, die beiden unwetterbedingt umgestürzten Trauerweiden im Schöneberger Stadtpark „kurzfristig“ zu ersetzen. Wobei das Beschleunigungswort auf Wunsch der FDP in den SPD-Antrag eingefügt worden war.

In den Grün-Ausschuss überwiesen wurde der Antrag von Astrid Bialluch-Liu (Grüne), der das Bezirksamt auffordert, sich für die bienenfreundliche Begrünung von Dächern der Bushaltestellen einzusetzen. Vorbild für solcherart „Bee-Stops“ ist die Stadt Utrecht in Holland, wo 300 begrünte Haltestellendächer „einen wichtigen Beitrag für Artenschutz und -vielfalt leisten“, so die Antragsbegründung. Und weiter heißt es dort: „Gleichzeitig filtert die Grünbedachung Feinstaub aus der Luft und speichert Regenwasser. Dies hat den positiven Effekt, dass bei Hitze die Luft gekühlt und das Mikroklima verbessert wird.“

Einen „Klimanotstand“ aber, wie er in rund 10 deutschen Städten zur Beschleunigung von Klimaschutzmaßnahmen ausgerufen wurde, mochte Bezirksbürgermeisterin Schöttler (SPD) in ihrem Redebeitrag für den absehbaren Wegfall der Kleingartenkolonie Eschenallee infolge des dort vorgesehenen Schulneubaus zur Bedarfsdeckung für die wachsenden Schülerzahlen nicht in Anwendung bringen. In einer Einwohneranfrage hatte dies die Vorsitzende der Kolonie zur Rettung der Kleingärten angeregt. Als es im weiteren Verlauf der Sitzung erneut um den Konflikt von notwendigem Schulneubau und notwendigem Klimaschutz ging, kam es im traditionsreichen Sitzungssaal zum wohl größten Heiterkeits-Ausbruch seiner hundertjährigen Geschichte:

Die Vorsitzende des Schulausschusses, Martina Zander-Rade (Grüne), wandte sich vom Rednerpult aus direkt an den Vorredner, ihren Ehemann Christian Zander (CDU): „Sie wissen ja, wie sehr ich Sie schätze, Herr Zander ...“ In den Sturm der daraufhin ausbrechenden Heiterkeit im Saal musste sogar der im Zuschauerbereich anwesende CDU-Jungstar Philipp Amthor einstimmen, dem die Delikatesse dieser parteiübergreifenden Liebe trotz seiner bundespolitischen Entfernung nicht unbekannt geblieben zu sein scheint. Und selbst die Rednerin schien überrascht zu sein von der Wirkung der von ihr eingesetzten Rhetorik. Denn es war vernehmbar Rührung in der Stimme, als sie nach der endlich wieder eingekehrten Ruhe im Saal fortfuhr: „... aber warum Sie ausgerechnet in dieser Sache einen Zusammenhang zwischen Schulstandort und Klimaschutz herstellen wollen, bleibt mir unerfindlich.“

Mit der Bewältigung von Interessenkonflikten bekam es auch Stadträtin Heiß (Grüne) zu tun. In Beantwortung einer Mündlichen Anfrage von André Stammen (FDP) zum Gegensatz der amtlicherseits empfohlenen Benutzung von Fahrrädern und der gleichzeitig festzustellenden Vernachlässigung des Baus und der Sanierung von Fahrradwegen räumte sie ein, dass es bei Radwegen wie auch bei Fahrbahnen und Gehwegen einen „über die Jahre der Sparsamkeit angewachsenen Sanierungsstau“ gebe. Doch werde der „nach und nach“ abgebaut. Beispiel: Tempelhofer Damm. Und selbstredend gehöre auch der im Zuge des Klimawandels vermehrt  auftretende Astaustrieb an den Radwegrändern zu den vom Bezirksamt wahrgenommenen Herausforderungen:

„In den vergangenen Jahren hat der Umfang der Stamm- und Stockaustriebe dramatisch zugenommen. Ursache ist die vermehrte Totholzbildung. Baumarten wie Linde reagieren durch den Schnitt des Totholzes vermehrt mit verstärktem Austrieb in allen Bereichen des Baumes, also auch am Stamm. Der verstärkte Austrieb dient der Bildung von Assimilierungsfläche zur Versorgung des Baumes und damit zur Lebenserhaltung. Eine weitere Ursache für die Bildung von Austrieben im unteren Stammbereich ist eine verstärkte Sonneneinstrahlung und damit verbundene höhere Temperaturen am Stamm. Hierauf reagiert der Baum mit Stockaustrieben als Überlebensstrategie. Die Blätter bieten Schatten und reduzieren dadurch die Temperaturen am und im Stamm. Es ist zu beobachten, dass auf den Sonnenseiten vermehrt Austriebe entstehen. Gleichermaßen wachsen auf den schattigen, den Häusern zugewandten Seiten oftmals weniger Triebe ... Gegenwärtig werden Stamm- und Stockaustriebe nur im Bereich von Kreuzungen und Ein- und Ausfahrten zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit entfernt. Darüber hinaus werden gemeldete Gefahrenstellen beseitigt.“

Fazit: Auch Radfahrende müssen an ihrer Kompromissfähigkeit arbeiten!

Ottmar Fischer

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