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03.07.2011 / Projekte und Initiativen

GRÜN MACHT SCHULE!

Am Anfang sollte in einem Kunstprojekt eine Steinbank um einen Baum entstehen. Doch die stellvertretende Direktorin der Fläming-Grundschule an der Kaisereiche, Annette Czykowski, geriet bei ihrer Suche nach einem Ratgeber ausgerechnet an Georg Coenen von „Grün macht Schule“, und heraus kam eine komplette Umgestaltung des Schulfreigeländes.
Arbeitsbesprechung der „Dachdecker“. Foto: Ottmar Fischer

„Grün macht Schule“ entstand 1983 als Projekt der Stiftung Naturschutz Berlin, als Kind seiner Zeit. Die Aufregung über den Turnschuhminister aus Frankfurt  hatte sich gelegt. Und nach dem Einzug der Grünen in den Bundestag gewöhnte sich die Bevölkerung auch an dort strickende Abgeordnete und an den Anblick von nackten Säuglingshintern beim Windelwechseln im Hohen Haus.

Der Gedanke, die Natur nicht als Feind, sondern als Freund zu behandeln, hatte den Marsch durch die Institutionen angetreten und sollte schließlich auch noch in der Bundesregierung ankommen. Sogar im traditionell roten und noch frontstädtischen Berlin zog grüne Luft durch die Amtsstuben: die autogerechte Stadt wurde als Schadstoffsammelstelle ausgemacht, die kunterbunte Plastik-schule als asbestverseucht entlarvt.

Die durch die Stiftung bereitgestellte Förderung beschlossener Grün-Projekte fußte aber von Anfang an auf einer Gesamtkonzeption für die zu gestaltenden Freiflächen. Daher erwiesen sich die notwendigerweise geknüpften Kontakte zu den Schul- und Gartenbauämtern schnell als entscheidend für solche Vorhaben. Aus dieser Erfahrung heraus entstand beim Senator für Bildung zunächst eine einzige ABM-Stelle für eine Landschaftsplanerin. Aber daraus ist inzwischen infolge der hohen Nachfrage ein kleiner Stab entstanden, zu dem auch zwei Lehrerstellen gehören. Denn Pädagogen reden am liebsten mit Pädagogen, wenn es um Schulfragen geht.

Georg Coenen ist einer von ihnen. Er hat noch in seiner Zeit als Lehrer das Urknallprojekt einer erfolgreichen Schulhofumgestaltung an seiner Schule durchgeführt und kann heute an nahezu der Hälfte aller infrage kommenden Einrichtungen auf solche Grünumgestaltungen zurückblicken, wozu neben Schulen auch Kindertagesstätten und Horte gehören.

Die Freiflächen an der Fläming-Schule sind sein Vorzeigeprojekt geworden. Hierher führt er Delegationen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland. Sogar bis nach Australien hat sich die Nachricht von der Existenz einer grüngebetteten Erlebnisstätte für Spaß, Spiel, Sport und Kreativität verbreitet.

Freiheit, die die Kinder meinen
Zu Beginn wurde auch hier eine Zukunftswerkstatt eingerichtet, in der die Frage gestellt wurde: Welche Bedürfnisse haben Kinder? Und weil diese selbst am besten wissen, was sie sich auf dem Freigelände wünschen, wurden sie dazu befragt. Eltern, Lehrer und Kinder berieten getrennt und gemeinsam, bereits umgestaltete Schulhöfe wurden besichtigt und die dort gemachten Erfahrungen wurden aufgenommen. Eine Landschaftsplanerin machte sich an die Arbeit, Modelle wurden gebastelt, und schließlich erfolgte die Umsetzung in Einzelprojekten, wobei Kinder, Eltern und Lehrer neben ihren Köpfen auch Hand und Fuß zum Einsatz brachten.

Vor allem wurde der Zaun vor dem noch vorhandenen Grün an den Rändern entfernt. Die trostlose Betonwüste wurde durch märkischen Sand bereichert. Die um ein Drittel verkürzte Sportfläche animiert seither zu Experimenten mit einem freundschaftlich geteilten Raum für gleichzeitige, aber unterschiedliche Bewegungsspiele. Der dadurch gewonnene Platz wurde mithilfe einer Pumpe zu einer Wasserbaustätte. Daneben entstand ein Schulgarten. Ein Trampelpfad führt zum Hügelrand, wo ein Rückzugsgebiet unter Blätterkronen zum Verweilen einlädt. Gegenüber wartet ein „Dschungel“ auf Abenteurer, und davor steht ein Klettergerüst für die Muskelprobe. Auch zum Balancieren fehlt es nicht an Gelegenheit. An anderen Orten gibt es einen Gartenteich, eine abgelegene Sandzone und eine Lehmhütte.

Diese Lehmhütte nun hatte soeben ihren neunjährigen Geburtstag. Zur Geburtstagsfeier schritten die Kinder, indem sie sich an den mittlerweile erforderlichen Reparaturarbeiten beteiligten: das Dach musste erneuert, der Boden begradigt, und die Rundwand neu verputzt werden. Nur die inwendig unübersehbaren Löcher wurden ausgespart. Die sind nämlich von einzeln lebenden Mauerbienen für deren Brut gegraben worden. Erst wenn im Jahresverlauf alle Brutstätten wieder verlassen worden sind, folgt auch dieser letzte Teil der Sanierung.

Eine solche Lehmhütte zu bauen ist weniger schwierig als gemeinhin angenommen wird. Und das bietet Kindern, Eltern und Lehrern vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten. Wer „Grün macht Schule“ im Internet aufruft, findet unter „Projekte“ auch die „Fläming-Schule“. Und dort ist der Bau dieser Lehmhütte von den beteiligten Kindern ausführlich dokumentiert. Nur Mut!

Ottmar Fischer und Hartmut Ulrich

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