Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10.12.2020

Grün, grün, grün - sind alle meine Kleider

Aus der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg II

Blick vom Wasserturm auf dem Südgelände auf das östliche Gelände, das angebunden werden soll. Foto: Thomas Thieme

Von Ottmar Fischer
Warum grün? Weil mein Schatz ein Stadtgequälter ist, könnte man die alte Volksliedzeile der Überschrift aktualisiert fortführen, wenn man an das weiterhin anwachsende Interesse der Bevölkerung an einem grüngeschmückten Wohnumfeld denkt. Doch im wirklichen Leben geht so mancher Wunsch nicht in Erfüllung, meistens weil die finanziellen Mittel dafür nicht ausreichen. Oder es dauert. Dann heißt es entweder den Gürtel enger zu schnallen, also woanders zu sparen, oder auf die Zukunft zu hoffen. Und das gilt auch für Bezirksamt und BVV.
So hatte etwa die BVV im Mai auf Antrag der CDU dem Bezirksamt aufgetragen, bis zum Herbst eine Kostenschätzung für die erwünschte Erhöhung der Anzahl von Abfallkörben um 20% in den Grünanlagen und die Erhöhung der Taktzahl bei der Reinigung der Grünanlagen, „damit nicht regelmäßige Müllberge im Umfeld der Abfallbehälter entstehen“, so die Begründung. Als Ergebnis der rechnerischen Bemühungen teilte das Bezirksamt der BVV nun mit, dass die derzeitigen Kosten für Reinigung bereits 10% des gesamten Grün-Haushalts betrügen und eine weitere Erhöhung zu Lasten von Unterhaltung und Pflege gehen würde. Wenn die BVV bei ihrem Wunsch bleiben sollte, hieß es weiter, erbitte das Bezirksamt für den nächsten Haushalt eine entsprechende Anpassung bei der Mittelzuweisung. Wir dürfen also gespannt sein, zu welcher Entscheidung sich die BVV nun durchringt.
Um die Attraktivität der Grünanlagen zu steigern, werden aber noch ganz andere Ideen ins Feld geführt, besonders von den Jüngeren. So wird infolge eines Antrags aus dem Kinder- und Jugendparlament zur Zeit beraten, ob die Einrichtung eines „Sportparcours“ zum Aufenthalt im Freien einladen könnte. In der Antragsbegründung der Jugendlichen heißt es: „Es treiben viel zu wenige Personen Sport. Selbst wenn Leute Sport betreiben, ist es meist drinnen. Wir möchten gerne, dass mehr Menschen draußen Sport betreiben und nicht nur auf dem Sofa sitzen und Playstation oder Handy spielen. Wir möchten gerne, dass wir mehr Sportmöglichkeiten draußen haben.“

Ebenfalls aus dem Kinder- und Jugendparlament stammt ein Antrag, der die koordinierten Bemühungen gleich mehrerer Behörden erforderlich macht, denn die Jugendlichen bitten um Unterstützung bei einer modellhaft konzipierten Begrünung von Gebäude und Gelände des Robert Blum Gymnasiums. Sie erhoffen sich davon nicht nur eine Verbesserung der Lernatmosphäre, schon allein wegen der Luftverbesserung, sondern zugleich auch Anregungen zum Erlernen des Umgangs mit Pflanzen. In ihrem Antrag heißt es: „Damit die Pflanzen sowohl in der Schule als auch in den Ferien gut gepflegt werden, schlagen wir vor, dass wir Schüler Arbeitsgruppen bilden, die sich mit der Pflanzenpflege auseinandersetzen.“ Und angefügt haben sie den Link zu einer Studie, den wir hier für Interessierte wiedergeben wollen: www.climate-service-center.de/imperia/content/csc/report30.pdf

Natur erlebbar machen
Manche Verbesserungen brauchen besonders lange, weil sie viel Zeit für Vorüberlegungen, Koordinierungen und Verabredungen benötigen, von dem Ringen um die Bereitstellung der benötigten Mittel im Haushalt ganz zu schweigen, denn das Geld wächst schließlich nicht auf den Bäumen. Doch selbst die Verwirklichung kann noch zur Geduldsprobe werden. So erstrecken sich die in diesem Jahr begonnenen Maßnahmen zur Wiederherstellung des guten alten Birkenwäldchens am Perelsplatz bis weit ins nächste Jahr hinein. Innerhalb des zur Zeit eingezäunten Geländes ist zwar bereits gesät, gepflanzt und auch gefällt worden, sodass sich die kommende Pracht bereits erahnen lässt. Es bleibt jedoch vorerst nur die Vorfreude auf ein durch ökologische Sorgfalt ermöglichtes Erlebnis. Über die Wartezeit hinwegtrösten kann derweil das mit großem Aufwand wieder hergestellte ehemalige Toilettenhäuschen nebenan, wo von einem endlich gefundenen Pächter Kaffee und Kuchen angeboten werden, was so manchen Besucher auch zum Aufenthalt im neu gestalteten Garten veranlasst.
Auch der Friedrich-Wilhelm-Platz darbt nach wie vor in Unvollendung, ja eigentlich sogar an einem Nichtbeginn. In Beantwortung einer Großen Anfrage der FDP zum Stand der Planungen gab Stadträtin Heiß (Grüne) in der Novembersitzung der BVV bekannt, dass zwar eine erweiterte Vorplanung auf der Grundlage des Wettbewerbs-Ergebnisses abgeschlossen sei, dass aber der Fortgang der Arbeiten wegen eines noch nicht abgeschlossenen Rechtsstreits mit dem Planungsbüro seit über einem Jahr unterbrochen sei. Da der Ausgang des Streits ungewiss sei, könne auch keine Aussage zum Beginn der Umsetzung erfolgen. Doch sei sowohl die Pflanzung von drei neuen Bäumen vorgesehen, wobei „klimaresistente“ Sorten ausgewählt werden sollen, als auch ein neuartiges Pflanzenbeet, das dann von der ortsansässigen Bürgerinitiative betreut werden soll und wofür ein Wasseranschluss zur Verfügung gestellt werde. In der Debatte ermunterte Dagmar Lipper (FDP) die Stadträtin, die BI wenigstens vom Grund dieses betrüblichen Stillstands zu informieren.

Ein ganz großes Rad wollen die Grünen drehen, und man darf schon heute gespannt sein, wie viel Zeit die Umsetzung verschlingen wird. Schauplatz wird das der Bahn gehörende östliche Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Tempelhof, also die Flächen zwischen den Fernbahngleisen, dem Prellerweg, der Röblingstraße und dem Gewerbegebiet Bessemerstraße. Hierfür soll nach ihren Wünschen vom Bezirksamt ein „naturschutzrechtliches Unterschutzstellungsverfahren“ angestoßen werden. Mittelfristig wird angestrebt, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zum Erhalt der Flächenqualitäten einzuleiten. Und langfristiges Ziel soll die Anbindung der im Erfolgsfall neu für den Naturschutz gewonnenen Flächen an den bestehenden Naturpark Schöneberger Südgelände sein. Erster Halt auf der langen Reise zum fernen Zielbahnhof wurde nun der zuständige Stadtentwicklungsausschuss.

Etwas schneller dürfte es dagegen bei einem anderen auf Antrag der Grünen von der BVV im November beschlossenen Vorhaben gehen. Das Bezirksamt wurde beauftragt, „im Rahmen eines Modellprojekts einen multifunktionalen Regenspielplatz zu errichten ... Dieser soll konzeptionell zum Ziel haben, den Kindern über das Spiel mit den Spielgeräten den Wasserkreislauf erlebbar zu machen. Informationstafeln sollen über den Zusammenhang von Regen, Versickerung und Grundwasserneubildung informieren. Zudem soll er als Versickerungsfläche dienen.“ Und als Vorbilder werden bestehende Plätze in Hamburg und Stuttgart genannt. Mal sehen, ob es der Regenspielplatz tatsächlich schneller ins Ziel schafft als das neue Naturschutzgebiet.

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