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1.07.2021

Gesundheitsamt mit Bundeswehr gegen Covid-19

Von Ottmar Fischer. An das Landeskommando der Bundeswehr hat es in Berlin insgesamt mehr als 150 Amtshilfeersuchen gegeben. Daraufhin sind mehr als 1.300 Soldaten in der Hauptstadt zur Pandemiebekämpfung zum Einsatz gekommen.

Hauptfeldwebel Roß am Einsatzort. Foto: Bundeswehr/Pampusch

Das Praktische am Militär ist, dass alle Einheiten über Befehlsketten miteinander verbunden sind und dadurch die unterschiedlichsten Kräfte umstandslos überall dort zur Verstärkung herangezogen werden können, wo die erkannte Gefährdungslage dies zur Beherrschung der Bedrohung sinnvoll erscheinen lässt. Das ist im gewöhnlichen Leben durchweg komplizierter. Und auch in den zivilen Verwaltungsstrukturen läuft das etwas anders. Dort führt eine Handlungsanforderung nicht unmittelbar zur Ausführung, sondern zunächst zur Überprüfung der eigenen Zuständigkeit, was oft Irritationen in den betroffenen Abteilungen auslöst und ungewollt auch zu Zeitverlusten bei der Bestimmung der angemessenen Reaktion führt.

Da wäre eigentlich zu erwarten, dass solch unterschiedliche Formationen wie Militär und Verwaltung sich besonders schwertun müssten, wenn sie durch unerwartete Umstände zur Zusammenarbeit verpflichtet würden. Doch hat die gemeinsame Bekämpfung des bislang unbekannten Virus Covid-19 das Gegenteil erwiesen. Als im vergangenen Jahr die personellen Möglichkeiten der Verwaltung zur Bekämpfung der immer bedrohlicher um sich greifenden Pandemie an ihre Grenzen stießen und die Bundeswehr von der Landesregierung um Amtshilfe ersucht wurde, kam es auch in Tempelhof-Schöneberg zu einer Kooperation von Einsatzkräften aus Militär und Verwaltung. Wie Gesundheitsstadtrat Schworck im Oktober in der BVV bekanntmachte, wurden damals 32 Soldaten dem Krisenstab des Gesundheitsamts zugeordnet, die genauso wie die fachfremden Mitarbeitenden aus anderen Abteilungen des Bezirksamts zunächst in die Besonderheiten der Aufgabe eingearbeitet wurden, um dann in gesonderten Teams sich den Herausforderungen zu stellen. Dadurch wuchs die Anzahl der Mitarbeitenden im Krisenstab auf zeitweise 200 Personen an.

Inzwischen ist durch die anhaltend sinkenden Infektionszahlen der Stab wieder kleiner geworden und auf Seiten der Bundeswehr sind aktuell noch 15 Soldaten dabei. Sie alle gehören dem Wachbataillon beim Bundesverteidigungsministerium in Berlin an, das den Fernsehzuschauern als Ehrenformation bei der protokollarischen Begrüßung von Staatsgästen bekannt ist. An den täglichen Sitzungen der Teamleitungen im Krisenstab nimmt auch der Hauptfeldwebel Peter Roß teil und vermittelt als militärischer Vorgesetzter den Soldaten die aktuelle Sachlage und die daraus folgenden Anforderungen. Die militärischen Hilfskräfte sind ebenso wie die aus den anderen Ämtern hinzugezogenen Mitarbeitenden dem Führungsstab gegenüber weisungsgebunden und werden in kleinen Gruppen bei der Kontaktnachverfolgung der als infiziert gemeldeten Personen eingesetzt.

Ein Presseoffizier der Bundeswehr, Hauptmann Sebastian Grünberg, hat auf Anfrage der Stadtteilzeitung nun ein Treffen mit dem Hauptfeldwebel ermöglicht, das mit freundlicher Genehmigung des Gesundheitsamts am Einsatzort der Soldaten stattfand. Auch Frau Schilling als stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts schaute kurz vorbei und erläuterte die Vorgehensweise bei der Kontaktnachverfolgung Es habe keine Reibereien zwischen militärischen und zivilen Kräften gegeben, sondern alle hätten sich als gemeinsames Team verstanden, das mit viel Engagement eine gemeinsame Herausforderung erfolgreich bewältigt habe. Und in der Tat deuten nicht nur die rückläufigen Infektionszahlen auf den Erfolg, sondern auch das für den 30. Juni anvisierte Ende der Bundeswehr-Hilfeleistung. Auch Hauptfeldwebel Roß wagte bereits einen Rückblick und stellte fest: „Die Mitarbeit der einzelnen Soldaten wurde von Anfang an genauso wertgeschätzt wie die der aus den anderen Ämtern zu Hilfe gerufenen Mitarbeiter.“

Aber auch die vom Infektionsgeschehen direkt Betroffenen zeigten sich durchweg kooperationswillig, erläuterte Hauptfeldwebel Roß im Gespräch mit der Stadtteilzeitung. Das habe wohl auch damit zu tun, dass in den weitaus überwiegenden Fällen bereits durch ein Labor oder einen Arzt eine Infektionsbestätigung vorgelegen habe und die Sinnhaftigkeit der vom Gesundheitsamt daraufhin angeordneten Quarantäne sofort verstanden wurde. Auch bei schwierigen Wohnsituationen habe meistens eine Lösung gefunden werden können, etwa wenn Paare voneinander isoliert werden mussten oder wenn für einen Infizierten aus einer Familie mit ohnehin schon beengten Wohnverhältnissen im gemeinsamen Nachdenken ein abgesonderter Raum aufzufinden und zu organisieren war, wobei auch Küche und Bad einbezogen wurden. In Einzelfällen sei sogar die Einquartierung in einem eigens für solche Notfälle angemieteten Hotel nötig geworden. Und auch die mobilen Abstrich-Teams, die den zur offiziellen Beendigung der jeweiligen Quarantäne notwendigen Test mit negativem Ergebnis durchführten, seien überall verständnisvoll aufgenommen worden.

Hauptmann Grünberg ergänzte diese Ausführungen noch durch den Hinweis, dass es an das Landeskommando der Bundeswehr in Berlin insgesamt mehr als 150 Amtshilfeersuchen gegeben habe und daraufhin mehr als 1.300 Soldaten in der Hauptstadt zur Pandemiebekämpfung zum Einsatz gekommen seien. Wie in Berlin und in Tempelhof-Schöneberg sei dies neben der Kontaktnachverfolgung per Telefon und Internet auch in Impfzentren, an Teststationen, sowie in Alten- und Pflegeheimen der Fall gewesen. Deutschlandweit waren in der Spitze in mehr als 1.000 Amtshilfen über 15.000 Soldaten parallel eingesetzt. Vielleicht hat zur hohen Akzeptanz und zum Erfolg des Bundeswehr-Einsatzes auch beigetragen, dass die eingesetzten Soldaten ihre psychische Belastbarkeit bereits in der Flüchtlingshilfe erproben konnten, ähnlich wie die etwa aus den Bürgerämtern abgeordneten Hilfskräfte ihre Stressfähigkeit zuvor in ihren Kundenkontakten eingeübt haben. Die beiden Soldaten haben die Stadtteilzeitung am Ende des Gesprächs jedenfalls eingeladen, die 4. Kompanie des Wachbataillons auch einmal jenseits des Pandemie-Einsatzes zu besuchen, denn diese Einheit unterhält eine Patenschaft mit dem Bezirk. Hoffen wir also, dass die Pandemie nicht noch einmal dazwischen funkt.

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