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3.02.2015

Geliebter Lügner von Jerome Kilty

Premiere im Schloßpark-Theater mit Brigitte Grothum und Achim Wolff – Regie Philip Tiedemann

Achim Wolff und Brigitte Grothum in "Geliebter Lügner" im Schloßpark-Theater. Foto: DerDehmel-Urbschat

Als Mädchen holte ich mir meinen Lesestoff aus einer privaten Leih-bücherei, von denen es viele gab in der Nachkriegszeit. Ich las Abenteuerromane und Tiergeschichten. Die Zeit verging, und eines Tages wollte ich etwas von George Bernard Shaw lesen. Jetzt kann ich nichts mehr für dich tun, sagte die Büchereifrau und schickte mich in die Stadtbücherei. Daran musste ich denken, als das Stück „Geliebter Lügner“ auf dem Spielplan des Schloßpark-Theaters erschien, die Geschichte des Briefwechsels zwischen George Bernard Shaw und der englischen Schauspielerin Beatrice Stella Campbell.

Wie bekannt ist George Bernard Shaw eigentlich heute noch? Was weiß man noch über ihn, den geistreichen irischen Spötter, Dramatiker, Politiker, Pazifisten und – und, den einzigen, der gleichermaßen den Nobelpreis für Literatur und den Oscar für das beste Drehbuch seines Stückes Pygmalion erhielt? Was kennen jüngere Menschen von ihm außer seinen Namen? Reicht das, um sich für seine amourösen Abenteuer anno dazumal zu interessieren? Noch dazu mit einer englischen Schauspielerin, die heutzutage kein Mensch mehr kennt, außer vielleicht in England?  Das mag man sich fragen. Viele Jahre lang sind seine Stücke nur noch selten auf deutschen Bühnen gespielt worden, im Gegensatz zu den sechziger, siebziger, achtziger Jahren, als ich mit viel Gewinn und Vergnügen Major Barbara, Helden, Pygmalion und andere sah, ganz zu schweigen von der legendären Aufführung des Musicals My Fair Lady im Theater des Westens in den Fünfzigern.

„Wir beide wollen Ihnen heute eine Liebesgeschichte erzählen, wie sie sich aus dem Briefwechsel ergibt zwischen dem großen Dramatiker und Vegetarier Bernard Shaw und der fleischessenden Schauspielerin Beatrice Stella Campbell“ - mit diesem Dialog beginnt das Stück. Die „Beiden“ sind die Schauspieler Brigitte Grothum in der Rolle der Beatrice Stella Campbell und Achim Wolff als G.B.S. Wechselseitig lesen sie sich aus den zahlreich herumflatternden Briefbögen vor, Briefe, die sie sich vierzig Jahre lang immer wieder schrieben.
Ob es eine platonische Beziehung war oder eine echte Liebesgeschichte, darüber sind sich die Experten bis heute offenbar nicht einig; jedenfalls hatten sie, obwohl beide anderweitig verheiratet, viel Gefühl füreinander, wie aus dem Briefwechsel hervorgeht, umschmeichelten sich, zankten sich, hielten jahrelange Distanz voneinander und waren sich dann auch wieder ganz nah. Ihre Briefe sind mit geistreichen Bemerkungen und witzigen Formulierungen gespickt, denn auch Beatrice Stella Campbell war für ihren scharfen Witz berüchtigt.

Sie galt als eine „präraffaelitische Schönheit“, die vorwiegend dramatische Frauencharaktere verkörperte, ein Rollenfach, in dem man Brigitte Grothum eher weniger kennt. Aber wenn das Londoner Publikum von 1914 die 49jährige Diva Campbell in der Rolle der 20jährigen Göre Liza Doolittle akzeptiert hat – Shaw hatte ihr die Rolle auf den Leib geschrieben – dann können wir uns auch an Brigitte Grothum als Beatrice Stella Campbell und Achim Wolff als George Bernard Shaw erfreuen. Sie agieren publikumswirksam und hauchen der alten Geschichte Leben ein.

Ich würde mir aber wünschen, wieder mehr Shaw in unseren Theatern sehen zu können, anstatt mit dieser abgestandenen Liebesgeschichte abgespeist zu werden.

Sigrid Wiegand

Nächste Vorstellungen:
1. Februar 2015, 16 Uhr
25.-28. Februar 2015, 20 Uhr

Kartenvorverkauf:
(030) 789 56 67- 100
www.schloßpark-theater.de

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