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25.02.2014

Gebremstes Berlinale-Hopping

Wir sitzen im Café Josty im Sony Center am sogenannten Berlinale-Sonntag mit den verbilligten Eintrittspreisen, haben gerade unseren letzten Film hinter uns, die Entführung des (mittlerweile etwas abgeranzten) Michel Houellebecq, versuchen den Sinn und Zweck des recht interessanten Films zu entschlüsseln und lassen die 64. Berlinale Revue passieren.

Berlinale 2006. Foto: Andreas Teich

Sehr glanzvoll ist sie mir nicht vorgekommen, auch hier ist heute Abend nicht viel los. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich in diesem Jahr nicht viel rumgekommen bin, eine Krankheit kam mir unpassenderweise dazwischen.

„Trotz mancher Ausnahme enttäuschte die Berlinale“ vernahm ich später in den Medien, und „Kein Spitzenjahrgang, aber durchaus befriedigend“. Das klingt nicht gerade berauschend, und auch über die Verteilung der Bären hört man geteilte Meinungen, was allerdings nichts Neues ist. An Dieter Kosslicks Filmauswahl mäkelte man wieder herum, vermisste Glanz und Glamour, trotz einigem Staraufgebot (u.a. Tilda Swinton, Matt Damon, Bill Murray, Ralph Fiennes und der unvermeidliche George Clooney).  
Der Festivalleiter hatte auch wieder einige deutsche Jungfilmer-Werke ins Festival gehoben, eines lief im Wettbewerb und bekam sogar einen Silbernen Bären fürs beste Drehbuch: „Kreuzweg“, das Drama eines Mädchens aus einer strenggläubigen katholischen Familie – na, ich weiß nicht. Hoffentlich ist es wenigstens ein guter Film. Ich las etwas von „quälender Langeweile und bohrender Pein“...
                                                          
Viel habe ich also offenbar nicht versäumt, wohl auch, weil mir die Kartenbeschaffung in diesem Jahr etwas beschwerlich war. Nach dem ersten zweistündigen Anstehen beschloss ich, nur noch Onlinekarten zu bestellen, was aber auch seine Tücken hatte: die Karten für die begehrten Filme waren innerhalb von fünf (!) Minuten nach der Freischaltung vergriffen, da konnte ich noch so eifrig ab Punkt 10 Uhr auf die Taste drücken. Ob das wohl mit rechten Dingen zuging?

Meine Motivation war also etwas gebremst. Für einige Filme, die ich gern gesehen hätte, gab es online keine Karten (mehr), zum Beispiel „Boyhood“ (Silberner Bär für die beste Regie), der mich bei meiner Vorliebe für Langzeitdokus sehr interessiert und als Geheimtipp für den Goldenen Bären galt (den er dann doch nicht bekam), oder der Forumsfilm „Iranien“, in dem ein Exiliraner mit strenggläubigen Regimeanhängern diskutiert, um die Möglichkeiten eines gemeinsamen Raums auszuloten, der sich letztlich als utopisch erwies.
Ich sah die eine oder andere interessante Dokumentation, die Geschichte eines alten indischen Filmstudios aus der Sicht der ehemaligen Angestellten und Arbeiter dort („Journey to Prabhat“) oder Heinz Emigholz' „Airstrip“, Architektur unter dem Titel „Aufbruch der Moderne,Teil III“: Flughäfen, Autobahnen, Skulpturen, Kathedralen, Markthallen u.a., in dem er erstmals eine Geschichte zu seinen bekannten großartigen Architekturfilmen zu erzählen versuchte, was mich nicht so ganz überzeugte.
Den Goldenen Bären bekam der chinesische Film „Bai Ri Yan Huo“, „The Grand Budapest Hotel“ den Großen Preis der Jury.

In den „wieder auferstandenen“ Zoo-Palast bin ich leider nicht gekommen, aber dafür wird es ja noch genug Gelegenheiten geben, vielleicht für „Grand Budapest Hotel“ oder „American Hustle“, und hoffentlich auch „Boyhood“.
Und natürlich zur 65. Berlinale im nächsten Jahr!

Sigrid Wiegand

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