Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

4.09.2014

Garten – Arbeit – Schule

Gartenarbeit in der Schule? Mitten in einer Großstadt? Wo gibt es das denn? Ja, Berlin macht’s möglich!

Fotos: Christine Bitterwolf

In unserer Stadt gibt es insgesamt 15 Gartenarbeitsschulen, und eine davon liegt in Schöneberg gleich hinter dem S-Bahnhof Südkreuz. Hier wurde bereits 1922 eine der ersten Gartenarbeitsschulen in Berlin gegründet. Gerade weil die Großstadtkinder nicht alle einen Balkon oder Garten haben, ist es für sie so wichtig, die Natur nicht nur aus dem Schulbuch, sondern auch praktisch zu erfahren. Wo könnte man denn sonst während des Schulunterrichtes Kartoffeln oder Salat anbauen und dann die Entwicklung der Pflanze bis zur Ernte beobachten.

Inzwischen hat zwar fast jede Grundschule einen kleinen Schulgarten, in dem einzelne Klassen oder Arbeitsgemeinschaften Blumen pflanzen oder künstlerisch tätig werden. Die Gartenarbeitsschule in Schöneberg verfügt aber über ein 25.000 qm großes Gelände, auf dem z. Zt. 25 Klassen ein eigenes Feld bewirtschaften. Hier werden Kinder und Jugendliche aller Alterstufen, vom Kindergarten bis zur gymnasialen Oberstufe, mit Fragen der Natur konfrontiert.

Neben den kleinen Feldern gibt es noch das sogenannte Freilandlabor, in dem unterschiedliche Biotope und biologische Abläufe beobachtet werden können. Da sind z.B. verschiedene Teiche, in denen zwar keine Fische schwimmen, aber andere z.T. mikroskopisch kleine Tiere und Pflanzen zu entdecken sind. Es gibt eine Kräuterspirale, ein Bienenhaus und eine Schmetterlingsabteilung. Hier kann überall praktisch erkundet werden, was im Biologie-Unterricht gerade theoretisch durchgenommen wird.

Leiter der Gartenarbeitsschule ist Herr Winkler, der gleichzeitig auch Biologielehrer an einem Berliner Gymnasium ist. Für die pädagogische Betreuung verschiedener Projekte steht mit Frau Müller-Krahl eine weitere Biologielehrerin bereit. Daneben gibt es noch einen Gartenmeister, der mit zwei weiteren Angestellten jederzeit Fragen zur praktischen Arbeit beantwortet. Gelegentlich machen auch Studenten der FU hier ein Praktikum.

Nach dem Winter, wenn die Klassen das erste Mal mit ihrem Biologie- oder Klassenlehrer in die Gartenarbeitsschule kommen, können sie sich im Gewächshaus vorgezogene Pflanzen oder Samen aussuchen. Es stehen diverse Gemüse- und Blumensorten zur Verfügung. Manchmal hat ein Lehrer auch vorbereitend mit seinen Schülern schon im Klassenzimmer Pflänzchen angezogen. Nach der Aussaat und der ersten Pflanzung kommen die Klassen dann einmal wöchentlich, um in ihrem Feld nach dem Rechten zu sehen. Dabei lernen die Kinder, was so ein junge Pflanze braucht, um groß zu werden, bis sie dann im Sommer oder Herbst die Kartoffeln oder Tomaten ernten können. Manche Kinder kommen sogar in den Ferien, um ihre Anpflanzungen zu gießen.

Nicht alle Lehrer wollen regelmäßig jede Woche ein Feld betreuen. Sie kommen aber gerne themenbezogen ins Freilandlabor. Hier bietet Frau Müller-Krahl Unterrichtseinheiten an, wie zum Beispiel „Ökosystem Teich“, „Bodentiere“ oder „das Sozialverhalten der Bienen“. Bienen in der Stadt, dieses Thema ist ja z. Zt. sehr en vogue, die Gartenarbeitsschule hat jedoch schon seit langen ein Bienenhaus. Die Pädagogin gibt den Kindern gerne mal eine tote Biene in die Hand oder eine Honigwabe zur genaueren Betrachtung.

Sie bietet ebenso Kurse zur gesunden Ernährung an. Aus welchen Kräutern kann man was machen, Tee oder Gewürze. Was gehört zu einem Rohkostsalat und wie wird er zubereitet. Wie wird Brot gebacken, dabei wird Korn mit einem Mörser zermahlen. Hinterher können die Kinder natürlich den Tee trinken, den Salat essen und das frische Brot kosten, vielleicht mit etwas eigenem Honig.

Bei einem so breiten Angebot ist jetzt auch klar, dass die Gartenarbeitsschule selbst im Winter interessant ist. Dann werden auch Themen zum Leben der Tiere angeboten, wie verbergen und schützen sie sich? Oder wie kommen Vögel durch die kalte Jahreszeit? Wer hat schon einmal eine Vogelfeder unter dem Mikroskop betrachtet? Die Schüler können auch probieren mit einer Feder zu schreiben oder zu zeichnen.

Es ist daher kein Wunder, dass sowohl Gartenarbeit als auch Schule, wenn sie so vielseitig angeboten wird, den Kindern großen Spaß macht.

Christine Bitterwolf


Gartenarbeitsschule und Freilandlabor Tempelhof-Schöneberg
Sachsendamm 34/35
10829 Berlin
home: www.gast-s.de

Zugang vom Vorarlberger Damm aus, Eingang zur Laubenkolonie Bergfrieden kurz vor der Brücke über die A100. Der Weg durch die Kolonie ist ausgeschildert.

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