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29.01.2012 / Menschen in Schöneberg

"Früher gab's die Weichgespülten …"

Sie proben in einem Hinterhofkeller der Dominicusstraße nahe dem Rathaus Schöneberg: Ulli und die grauen Zellen. Und die sind Johannes Gebauer (Drums), Volker Hugo (Gitarre), Mano Opitz (Keyboards), Micki Westphal (Bass) und Ulli Zelle (Gesang), Berlins bekannter Abendschau-Reporter. Am 16.11.2011 stellten sie sich den Fragen der Stadtteilzeitung.
(Von links nach rechts) Hinten: M. Westphal, V. Hugo, J. Gebauer, Vorne: M. Opitz, U. Zelle. Foto: Hartmut Becker

Vor Kurzem feierten „Ulli und die grauen Zellen“ ihr zehnjähriges Jubiläum. Wie kam es damals zur Gründung der Band?

50ster Geburtstag von Ulli Zelle, gefeiert in der ufaFabrik, und 50jähriger Wunsch von Ulli Zelle, mal in einer Band mitzuspielen, und fünf mutige Musiker, die sich darauf eingelassen haben, für einen Abend mit einem absoluten Laien aufzutreten. Daraus resultierte der Wunsch einiger Leute, tretet doch auch mal bei uns auf. Und langsam wurde daraus die Band „Ulli und die grauen Zellen“.      

Wie reifte Dein Entschluss zum Rocksänger?

Mit 16 im Easy Beat Club Steinbergen, oder auch im Tannenhof Wendthagen, oder auch im Haus Niedersachsen in Stadthagen, das waren unsere drei Beatclubs im Landkreis und da saß ich immer vorne an der Bühne rechts, erster Tisch, da, wo die heiße Luft vibriert, da war ich.   

Die grauen Zellen haben schon mit jeweils eigenen oder in unterschiedlich besetzten Bands gespielt. Johannnes Gebauer in den Lounge Wizards, Volker Hugo in der Volker Hugo Band, Mano Opitz in The Chicken-hunters, Micki Westphal in The Outs. Warum macht ihr nicht DIE EINE Band?

Die Jungs sind jeden Tag auf einer anderen Bühne. Und jede Woche nur einmal mit den grauen Zellen zu spielen, das würde einfach nicht ausreichen, auch finanziell nicht.

Am 31. Oktober hattet ihr euren Auftritt im Wintergarten Variete. Was war dort anders als zum Beispiel im Rickenbackers?

Die große Bühne, das Licht, die Atmosphäre, anders als im kleinen Club, eine sehr professionelle Technik, und es war doch gemütlich.

„Ulli und die grauen Zellen“ stehen für Soul und Rock der 60er und 70er. Ihr lasst eine wunderbare Zeit auferstehen. Kann es irgendwann mit den grauen Zellen auch eine eigene Musikrichtung geben?

Könnte es theoretisch. Aber das will keiner hören. Nein, auszuschließen ist es nicht, aber Andrej Hermlin käme auch nicht auf die Idee, Musik aus der Jetztzeit zu machen, sondern er lebt davon, dass er die 20er und 30er Jahre auferstehen lässt, und die Gefühle damit transportiert. Musik ist ein Schlüssel für Gefühle. Und wenn man Musik hört, dann tut sich was im Kopf auf, und mehr wollen wir eigentlich gar nicht. Wir wollen die Tür zu einem guten Gefühl aufmachen.  

Ulli war Udo in Perfektion. Ist diese Perfektion durchorchestriert oder Folge des unbewussten Musikers Ulli Zelle?

Das war eine spontane Aktion. Ich hatte fünf Minuten Zeit, und die Kollegen des Stage Musicals hatten mir Hut, Frack und Brille gegeben und gesagt "es geht gleich los, mach irgendwas draus!" und dann ist das dabei entstanden. Man merkt aber, dass man Udo perfektioniert, wenn man mit ihm selber zu tun hat.

Auf der Bühne seid ihr zutiefst in euch. In eurer Interpretation oder in der von euch nachzuempfindenden Musik?

Sowohl als auch, beides. Manchmal empfinde ich schon, dass wir mehr in unserer Interpretation sind, aber es stimmt schon, beides.

Ist für die Zellen die Bühnenkunst von „Ulli und die grauen Zellen“ auch so etwas wie das große Theater einer vergangenen Musikepoche?

Durchaus. Man spielt ja oft in einer Umgebung mit Theateratmosphäre. Im Wintergarten oder im TIPI zum Beispiel.  

Musik kann auch Sehnsucht ausdrücken. Wird der Charme des Rock der 60er und 70er auferstehen?

Eigentlich war er ja nie weg. Früher gab's die Weichgespülten und die Rocker. Heutzutage gibt’s alle Facetten. Sie sind Spiegel der damaligen Zeit.

Das Potenzial der grauen Zellen wird, so schätzt man, nur zu einem geringen Teil genutzt. Werden „Ulli und die grauen Zellen“ ihr Repertoire erweitern, und wenn ja, wohin steuern die grauen Zellen ihr Wachstum?

Ja, wir machen immer wieder neue Nummern: Heute haben wir gerade neu aufgenommen: Get It On (T. Rex) und Sweet Soul Music.

Dank an Johannes Gebauer, Volker Hugo, Mano Opitz, Micki Westphal und Ulli Zelle für die Zeit, die ihr euch für dieses Interview genommen habt.

Arnd Moritz


„Ulli und die grauen Zellen“ im Internet: <link http: www.ulli-und-diegrauenzellen.de external-link-new-window externen link in einem neuen>www.ulli-und-diegrauenzellen.de

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