Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

8.10.2013

Friedenspreis für das Robert-Blum-Gymnasium

Die Robert-Blum-Schule erhielt den diesjährigen Aachener Friedenspreis.

Foto: Robert-Blum-Schule

Meine Töchter besuchten in den 80er Jahren das Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz. Wir Eltern hatten diese Schule ausgesucht, weil es dort eine rege Friedens-AG gab, die der Schule insgesamt eine besondere friedenspolitische Prägung gab, nicht üblich in der damaligen Westberliner Schullandschaft. Es wurden damals Vertreter der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) für Vorträge in die Schule eingeladen. Die damalige Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien schickte eigens einen Boten in die Schule, der ein Verbot solcher Veranstaltungen überbrachte. Mit Unterstützung der Schulkonferenz und des Direktors wurden diese Veranstaltungen doch ermöglicht.

Heute sind solche Zeitzeugengespräche eine Selbstverständlichkeit im Schulalltag. Nach der Wiedervereinigung wurden die Schulen vermehrt mit dem Thema Wehrpflicht konfrontiert. Jugendoffiziere der Bundeswehr fragten bei Schulen an, ob sie Informationsveranstaltung abhalten dürften. In mehreren Bundesländern gibt es mittlerweile Kooperationsverträge mit den Schulbehörden. So ist es in vielen Bundesländern eine Selbstverständlichkeit, dass Jahr für Jahr Jugendoffiziere in die Schulen kommen, um für den Eintritt in die Bundeswehr zu werben. Dabei obliegt es den Gremien der Schulen, ob solche Einladungen angenommen werden. Gerade nach Aussetzung der Wehrplicht 2012 wirbt die Bundeswehr verstärkt um Nachwuchs. Es gab im letzten Jahr 3.765 Unterrichtsbesuche, die Kosten dafür lagen bei ca. 29 Mill. Euro. Im laufenden Quartal traten nur 615 Freiwillige ihren Wehrdienst an, 60% weniger als vor einem Jahr, davon brechen 30% während der Probezeit (6 Monate) den Dienst ab - 25% davon auf eigenen Wunsch, 5% werden aussortiert. Die Bundeswehr fragte auch beim Robert-Blum-Gymnasium an, ob dort ein Vortrag über Sicherheitspolitik in den oberen Klassen gehalten werden könnte. Auf Anregung mehrerer Schüler und des Lehrers Herrn Schmidt fand eine sehr lebhafte Diskussion darüber an der Schule statt. Viele der Schüler fanden, dass die Bundeswehr in ihrer Schule nichts zu suchen hätte. Dem schlossen sich auch viele der Lehrer an. Die Schulkonferenz des Robert-Blum-Gymnasiums, bestehend aus Schülern, Lehrer/innen und Eltern beschloss daraufhin, eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr grundsätzlich abzulehnen. „Wichtig ist allen Gruppierungen der Schule, dass es nicht um eine generelle Ablehnung der Bundeswehr gehe, sondern unsere Schule ist kein Ort für Werbekampagnen, wo für den Kriegsdienst geworben wird“, so die Erklärung der Schulkonferenz. Für diese Entscheidung ist die Schule Anfang September vom Verein Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden. Die Initiative begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Wir zeichnen damit die Schulen aus, die als erste in den Jahren 2010 und 2011 den Beschluss in ihren Schulkonferenzen gefasst haben, die Bundeswehr nicht an ihre Schule einzuladen. Wir wollen den Mut und die Cou-rage der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer mit dem Aachener Friedens-preis 2013 würdigen und gleichzeitig ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft setzen.“ Der Aachener Friedenspreis e.V. entstand aus der Friedensbewegung der 80er Jahre, die sich vor allem gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen und Cruise missiles auf dem Territorium der Bundesrepublik richtete.

Ernst Karbe / Bilderbär

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