Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

06.07.2015 / Projekte und Initiativen

Friedenauer Stadtteilbibliothek erhalten!

Seit feststeht, dass im Jahre 2017 die Steuerfahndung in das altehrwürdige Friedenauer Rathaus einziehen wird, ist auch der Standort der Kinder- und Jugendbibliothek im Hause hinfällig geworden.
Fotos: Thomas Protz

Denn der angemeldete Raumbedarf der Behörde erfordert auch die Nutzung der jetzigen Bibliotheksräume. Doch ist das Bezirksamt auf seiner Suche nach einem Ersatzstandort inzwischen fündig geworden: Das Nachbarschaftsheim Schöneberg hat sich bereit erklärt, in seinem Gebäude in der Handjerystraße 44/45 die beiden unteren Geschosse im Rahmen der allgemeinen Grundinstandsetzung des Hauses auf eigene Kosten für eine Bibliotheksnutzung zu entkernen, zu sanieren und barrierefrei zu erschließen.

Doch ist damit noch nicht alles im Lot. Zwar erfüllen die Räume mit ihren 414 qm rechnerisch die Vorgaben aus dem Berliner Bibliotheksentwicklungsplan von 1990, übertreffen auch leicht die Größe der bisherigen Bücherei, und die baufachliche Bewertung durch das Bezirksamt hält die Anforderungen an eine Bibliotheksnutzung für erfüllbar. Aber der Bezirk zögert, denn er hat ein drückendes Haushaltsproblem und will das Minus in der Kosten-Leistungs-Rechnung im Bibliothekswesen langfristig durch die Konzentration auf zwei Großstandorte beheben.
Deswegen passt die Fortführung einer speziellen Kinder- und Jugendbibliothek, und sei sie auch noch so beliebt wie die im Friedenauer Rathaus, nicht mehr so recht in die Vorstellungswelt der bezirklichen Zukunftsplanung.

So weist Dr. Boese für die Abteilung Stadtbibliotheken in der Bezirksverwaltung in einer Stellungnahme darauf hin, dass der in Aussicht genommene Standort Handjerystraße nicht nur keine umfassenderen Angebote auf vergrößerten Flächen ermögliche, sondern zudem in Konkurrenz u. a. zur Zentralbibliothek im Schloss am Steglitzer Rathaus treten müsse, die sich zugleich an alle Generationen, Schichten und Herkünfte wende und deren günstiger Standort inmitten des Käuferstroms von und zu umliegenden Geschäften auch Gelegenheitsnutzer anzuziehen vermöge. Um hier mehr betriebswirtschaftliches Licht ins Dunkel der Vorstellungen zu bringen, hat Dr. Boese vom Bibliotheksausschuss der BVV den Auftrag erhalten, zur nächsten Sitzung ein Zahlenwerk vorzulegen, das Vergleiche ermöglicht.

Und das Volk?

So wichtig die Wirtschaftlichkeitsberechnung auch ist, nicht weniger bedeutsam ist der staatliche Auftrag zur Vermittlung von Bildung und Kultur. Es wäre grob fahrlässig, die Ergebnisse einer Kundenbefragung aus dem Jahre 2012 zu ignorieren, wonach über 90% der Befragten angeben, sie nutzten die Friedenauer Bibliothek wegen der Wohnort-, Arbeits- und Schulnähe, die Hälfte käme deswegen sogar zu Fuß. Und nicht zu unterschätzen ist außerdem, dass es im dichtest besiedelten Stadtteil Berlins über 40 Kitas gibt, sowie fünf Grundschulen und fünf Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, die in zu verabredenden Kooperationen das Lesevergnügen vor Ort erkunden könnten. Dazu würde am neuen Standort ein ausreichend großer Gruppenraum zur Verfügung stehen.

Unter den Freunden der Friedenauer Stadtteilbibliothek ist daher seit dem Bekanntwerden der unabänderlichen Standortschließung im Rathaus die Sorge ständig gewachsen, es könnte im Zuge der bezirklichen Großplanung zu einer Streichung auch aller Ersatzoptionen kommen. Deswegen hat sich Anfang Juni eine Initiativgruppe gebildet, die seither Unterschriften für einen Einwohnerantrag nach §44 Bezirksverwaltungsgesetz sammelt, mit dem die BVV aufgefordert werden soll, die Friedenauer Bibliothek mithilfe der Anmietung der angebotenen Räume in der Handjerystraße zu erhalten. In der Antragsbegründung heißt es:

„Bibliotheken sind Orte der Kultur und Bildung. Sie sollten allen Menschen wohnortnah zur Verfügung stehen, selbstverständlich auch denen in Friedenau. Lange Wege halten genau diejenigen vom Besuch einer Bibliothek ab, die wir erreichen wollen und müssen: Kinder, Eltern und Großeltern aus Friedenau, Kita- und Schulgruppen sowie Menschen, die altersbedingt oder aufgrund einer Behinderung eingeschränkt sind.“

Wer die Initiative unterstützen will oder weitere Informationen wünscht, kann sich wenden an: Elisabeth Simon, Telefon: 50 59 14 32

Unterschriftenlisten können Sie sich auf den Internetseiten der Stadtteilzeitung Schöneberg unter www.stadtteilzeitung-schoeneberg.de/bibliothek-erhalten.pdf herunterladen

Ottmar Fischer

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