Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.11.2015

Finsternis

„Finsternis gilt hinlänglich als das absolute Dunkel. Kein Licht, kein Schatten, kein Sehen. Reine Projektionsfläche.

Fotos: Foto: Lea Rochus

Wie zeigt sich das Finstere in künstlerischen Werken, oder tritt es vielmehr in einem Nicht-Zeigen auf?“ Mit diesem Thema setzte sich sich Kuratorin Sarah Frost intensiv auseinander.

Der Blick von außen in die Galerie ist versperrt. Die Künstlerin Gisela Weimann hat das große quadratische Fenster mit einer speziell für diese Ausstellung konzipierten Arbeit „Ich seh schwarz“ dicht gemacht. Ein mit Molton bespannter Keilrahmen, passgenau für die Maße des Fensters gearbeitet, verweigert dem Vorbeilaufenden Ein-blick in die Galerieräume. Von außen weiß, von innen pechschwarz. Anklänge an Malewitschs „Das Schwarze Quadrat“ kommen auf. Der großformatige Zwilling ist ebenso geheimnsivoll.
Im großen Eingangsraum dominiert Schwarz Weiß. Mit Grafiken, Malerei, Fotografien, Plastiken und Videoarbeiten nähern sich die Künstlerinnen aus unterschiedlichen Richtungen dem Thema.

Eine weitere Art von Finsternis behandelt Susan Donaths Arbeit „Urne“. In dem handelsüblichen grau-metallischen Gefäß wollte die Künstlerin in einer Performance die Stasi-Akten ihrer Familie verbrennen und deren Überreste auf dem Familiengrundstück beisetzen. Doch konnte sie die Arbeit wegen Problemen mit dem Persönlichkeitsschutzgesetz nicht wie geplant umsetzen. Die Urne erinnert aber auch ungefüllt an einen finsteren Aspekt noch nicht lange vergangener Zeit und harrt dem Datum entgegen, an dem mit dem Tod die Persönlichkeitsrechte erlöschen. Deshalb: Work-in-progress.

Ganz anders geht Nadine Rennert in ihrer Plastik „Dem Staub sein Gegengewicht 1“ vor. Ihre Figur aus Polyesterwatte, eine riesige Wollmaus, krümmt sich auf einem dreibeinigen Kinderstuhl, den Kopf in einen Karton gesteckt. Es ist das Vogel-Strauß-Prinzip, sich der Wirklichkeit zu entziehen, oder der Kinderglaube, nicht sichtbar zu sein, wenn die Hände vor den Augen alles verschwinden lassen.

Betritt er den hinteren kleineren Raum, erblickt der Besucher eine über und über mit vorwiegend kleinformatigen Arbeiten in der sogenannten Petersburger Hängung gestaltenen Wand. Mit Fotos, Malerei und grafischen Stücken bewegen sich die Künstlerinnen jede für sich auf die Thematik zu, ihre Werke bilden ein patchworkartiges Gesamttableau. Der Besucher ist eingeladen, sich auf der Bank niederzulassen und sich auf jedes einzelne Stück einzulassen. So kann er seiner eigenen Fantasie freien Lauf lassen.

Im Keller wartet ein dreiminütiges Video von Elisabeth Stumpf, „Lightning/Frightening“. Ein Säugling mit einer Maske liegt unter einer scharfkantigen Apparatur, Blitze zucken, die Geräusche erinnern an einen Horrorfilm. Spooky!

Kuratorin Sarah Frost, Kunstwissenschaftlerin und GEDOK-Mitglied, wählte unter 66 Bewerbungen 26 Künstlerinnen für die Schau aus und zeigt mit ihrer Auswahl die ganze Bandbreite des künstlerischen Schaffens der Künstlerinnen der GEDOK Berlin. Die GEDOK Berlin ist eine von 23 Regionalgruppen im Bundesverband GEDOK, dem Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e. V., des größten und traditionsreichsten Künstlerinnenverbandes in Deutschland. Sie ist der einzige Zusammenschluss von Künstlerinnen, der alle Sparten umfasst und in dem auch die Kunstförderinnen und Kunstförderer integriert sind. Seit drei Jahren finden Ausstel-lungen in der Motzstrasse in eigenen Räumen statt, zuvor waren Gastausstellungen z.B. im Verbor-genen Museum die alternative Möglichkeit, die Arbeiten der Künstlerinnen zu präsentieren.

Noch bis zum 23.1.2016 ist die Ausstellung Finsternis zu sehen.

Beteiligte Künstlerinnen:
Katharina Albers, Christine Bachmann, Silke Bachmann, Evelyn Bauer, Jeanette Chavez, Birgit Clausnitzer, Rosa Dames, Inge Denker, Susan Donath, Tamara Ebert, Burghild Eichheim, Ellen Fellmann, Katja Hochstein, Susanne Isakovic, Erika Matsunami, Kirstin Rabe, Nadine Rennert, Jutta Rosenkranz, Lea Rochus, Angelika Schneider-v. Maydell, Elisabeth Stumpf, Kathrin Sohn, Nham-hee Völkel-Song, Gisela Weimann, Sabine Wild, Ila Wingen

Termine:
Sa 9.1.2016
17 Uhr: Performance
von Katja Hochstein und Monika Herrmann (Violoncello) „Manchen süße Wonne lacht“
18 Uhr: Ulrike Prasse liest „Abwärtsfahrt“, eine Textcollage und
Gedichte von Christel Guhde

Finissage, 23.1.2016, 16 Uhr
Mayako Kubo (Komposition) & Irene Kurka (Sopran)
„verfinstert ...“, nach d. Gedicht „Exil“ von Ingeborg Bachmann

GEDOK GALERIE, Motzstr. 59, 10777 Berlin-Schöneberg
Öffnungszeiten Do - So 14 -18h
Tel. 030. 441 39 05
info@GEDOK-berlin.de
www.GEDOK-berlin.de

Katharina Helwig

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