Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

1.03.2020

Fastfashion - Schattenseiten der Mode

Wer hat sich beim Kauf eines T-Shirts schon mal die Frage gestellt, wie viel Wasser für die Herstellung verbraucht wurde? Die Ausstellung „Fastfashion - die Schattenseiten der Mode“ gibt darauf und auf vieles mehr eine Antwort.

Tim Mitchell, Recycling von Kleidung, 2005 © Tim Mitchell and Lucy Norris

Der Zusammenhang von Mode und Klimaschutz wird eindringlich dargestellt. Durch Fotos, Schaubilder, Filmsequenzen, Kleidungsstücke und Stoffe zum Anfassen werden fast alle Sinne des Besuchers  bedient. Die Ausstellung ist nicht nur sehr informativ und gut recherchiert, sondern durchaus auch sehr anregend.
Gerade in unserer Konsumwelt sind Kleidung und Mode sehr wichtig. Laut der Ausstellung ist der Modekonsum heute sehr schnelllebig, so entstand der Begriff der Fastfashion - in Anlehnung an das Fastfood - einfache Zutaten, schnell  zubereitet und  gegessen. Auf die Mode übertragen bedeutet es, dass viel und schnell produziert wird, dass ein T-Shirt heutzutage weniger als ein Cappuccino kostet und oft kaum getragen wird.
Die Ausstellung beginnt mit dem Thema Mode und Konsum. Da der Warenabsatz vom modischen Wandel abhängt, stellen die großen Modeketten ständig neue Kollektionen her und locken mit den neuen Trends die Käufer in die Läden. Wir erfahren auch, dass der Konsument nicht mehr wie früher einer Marke treu ist, sondern Marken aus verschiedenen Preissegmenten mixt. Ein Schaubild in-formiert über Neukauf und Entsorgung von Kleidung, so erfährt man, dass in Deutschland pro Kopf ca. 27 kg Kleidung neu gekauft wird und 14,8 kg Kleidung durch Altkleidersammlung entsorgt wird! Praktisch die Hälfte wird weggeworfen!

Beim nächsten Thema Ökonomie und Bekleidung  geht es um die Entwicklung der Bekleidungsindustrie. Dazu gehört die Verlagerung der Produktion in die Billiglohnländer und die dortigen Arbeitsbedingungen. Eindringlich werden im Schaubild die Stationen zur Herstellung einer Jeans dargestellt – insgesamt 40.000km – fast um die halbe Welt. Außerdem erfahren wir hier, wie sich der Preis für ein T-Shirt für 4,99 Euro zusammensetzt – so beträgt der Lohnanteil 0,13 Euro! Ein weiterer Schwerpunkt ist Ökologie und Bekleidung. Hier wird zum Beispiel die Luft und Abwasserverschmutzung bei der Produktion in den Billiglohnländern thematisiert oder die vielen Chemikalien, die  zum Beispiel zur Veredlung von Stoffen verwendet werden.
Es verwundert nicht zu erfahren, dass die Ökobilanz der Bekleidungsindustrie negativ ist. Angefangen bei der Gewinnung der Rohstoffe, über die Herstellung der Fasern bis zur Produktion werden große Mengen an Wasser und Energie verbraucht.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt mögliche Alternativen für den Konsumenten auf, die sogenannte Slowfashion. Darunter versteht man zuerst fair produzierte und nachhaltige Mode, aber auch innovative Trends und Ideen wie zum Beispiel umweltschonendes Upcycling. Auch hier gibt die Ausstellung einen guten Überblick und Einblicke in die Slowfashion-Szene. Es werden nicht nur Labels, die nachhaltig produzieren, vorgestellt, sondern auch viele Anregungen zum nachhaltigeren Umgang mit Kleidung gegeben. Interessant ist zum Beispiel auch die Präsentation von neuen, nachhaltig produzierten Stoffen aus Algen oder recycelten Plastikflaschen. Es gibt Stoffproben zum Anfassen. Auch zu einem anderen Konsumverhalten wird aufgerufen, die längere Verwendung von qualitativ höherwertigen Kleidungsstücken, zum Beispiel durch Kleidertausch.

Im Rahmen der Ausstellung finden bis August mehrere Veranstaltungen zu diesem Thema statt, darunter zum Beispiel eine Modenschau der Modeschule Berlin am 06.03.20, bei der Slowfashion- Entwürfe vorgestellt werden.
Ergänzend dazu bietet das Museum die Möglichkeit, sich konkret und nachhaltig mit seiner eigenen Kleidung zu befassen. Jeden 3. Sonntag im Monat findet ein Workshop statt mit dem Titel: Zu schade für die Tonne! Mit Unterstützung von Designerinnen werden alte Kleidungsstücke neu gestaltet. Jeden 1. Sonntag im Monat gibt es ein RepairCafé – dort bekommt man eine Anleitung, kleine Reparaturen an Kleidung zu machen.
Diese informative und aufrüttelnde Ausstellung, die uns in Bezug auf  Mode und Konsum nachdenklich und wachsam macht, ist für jeden interessant, besonders wichtig ist sie für junge Leute, denn die sind ja meist sehr modebewusst … vielleicht als nächster Wandertag für Schulklassen?
Alle Termine sind im Internet nachlesbar unter www.smb.museum/mek
Bis 02.08.2020, Di-Fr 10-17Uhr,
Sa und So 10-18Uhr

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin-Dahlem

Christine Sugg

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