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10.03.2018

Fahnen für den Frieden

Krieg und Frieden in der Ukraine

Aus dem Friedenauer Lokal-Anzeiger - Februar 1918

Januar/Februar im Jahr 2014:  Mit der Besetzung der Ost-Ukraine begann der kriegerische Konflikt um die Ukraine. Mehr als 10.000 Menschen wurden  bisher getötet; etwa 3,5 Millionen Ukrainer benötigen derzeit humanitäre Hilfe. U.a. spielten  Deutschland und Frankreich  eine wichtige Vermittlerrolle bei den  Minsker Friedensvereinbarungen und beim Waffenstillstand sowie dem  weihnachtlichen Gefangenenaustausch 2017. Im Frühjahr 2018 soll nun eine UN-Friedensmission mit einer Blauhelmtruppe in der Ost-Ukraine starten. Mit seinem gleichzeitigen Besuch in der Ukraine will der gegenwärtig geschäftsführende Außenminister Gabriel die heutige deutsche Rolle im Friedensprozess demonstrieren: „Wir lassen euch nicht im Stich: Für uns ist dieser Konflikt weder eingefroren noch vergessen, sondern hochaktuell und brandgefährlich.“

Allerdings ist im heutigen Geschichtsbewusstsein die deutsche Besetzung der Ukraine vor hundert Jahren aber längst vergessen. Das Deutsche Reich war vor hundert Jahren im 1. Weltkrieg der handelnde Kriegsteilnehmer bei der Besetzung der Ukraine. Und Frankreich war zusammen mit Russland Kriegsgegner. Aber wegen der geschwächten Roten Armee war das neue Sowjetrussland zum Frieden mit Deutschland und dem Viererbund gezwungen. Man konnte also im Februar 1918 im „Friedenauer Lokal–Anzeiger“ siegesgewiss nachlesen:

„Frieden mit Rußland. Brest-Litowsk. Die deutsch-oesterreich-ungarisch-russische Kommission für die Behandlung der politischen und territorialen Fragen hielt gestern und heute Sitzungen ab. In der heutigen Sitzung teilte der Vorsitzende der russischen Delegation mit, daß  Rußland unter Verzicht auf die formelle Unterzeichnung eines Friedensvertrages den Kriegszustand mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn, der Türkei und Bulgarien für beendet erklärt und gleichzeitig den Befehl zur vollständigen Demobilisierung der russischen Streitkräfte an allen Fronten erteilt. Für die aus dieser Lage sich ergebenden weiteren zwischen den Mächten des Vierbundes und Russland über die Gestaltung der wechselseitigen diplomatischen, konsularischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen verwies Herr Trotzki auf den Weg unmittelbaren Verkehrs zwischen den beteiligten Regierungen und auf die bereits in Petersburg befindlichen Kommissionen des Vierbundes.

Fahnen heraus! Die Botschaft vom Frieden mit der Ukraine hat sich äußerlich nicht durch Beflaggen der Häuser so bemerkbar gemacht, wie dies durch Eintreffen von Siegesnachrichten bisher der Fall war. Sicherlich sind  unserer Bevölkerung doch wohl die Friedensnachrichten mindestens ebenso wertvoll wie die Nachrichten von großen, allerdings auch zum Frieden beitragenden Siegen. Jetzt kommt nun die Kunde vom Friedensschluß auf der ganzen Ostfront. Das soll unsere Mitbürger veranlassen, ihrer Freude durch reichhaltiges Beflaggen der Häuser Ausdruck zu geben.“

Die Oberste Heeresleitung (OHL) mit Hindenburg und Ludendorff  an der Spitze forderte aber nicht nur einen Separatfrieden mit der Ukraine, sondern einen  formalen Gesamtfrieden mit Russland und setzte als Frist zum Verhandlungsbeginn den 16. Februar. Wegen der russischen Verzögerungstaktik durch Trotzki vermochte die OHL nach Fristablauf Wilhelm II. zum Einmarsch der deutschen Truppen in das Baltikum, die Krim und die Ukraine zu überzeugen, um damit den Druck auf diesen formellen Gesamtfriedensvertrag zu erhöhen.

Am 18. Februrar begann auf breiter Front die „Operation Faustschlag“. 250.000 deutsche und oesterreichische Soldaten eroberten innerhalb kurzer Zeit das Baltikum, die Ukraine, sowie weitere Gebiete. Am 3. März wurde Kiew von deutschen Truppen besetzt. Die russische Regierung unter Führung Lenins  – inzwischen von Petersburg nach Moskau verlegt - stimmte nunmehr notgedrungen dem „Annektionsfrieden“ (u.a. Verlust des Baltikums, Teile Polens und Finnlands) in Brest-Litowsk zu. Das junge Sowjetrussland verlor dadurch ein Drittel der Bevölkerung und der landwirtschaftlich genutzten Fläche, 75% seiner Stahl- und Kohleproduktion sowie große Teile seiner Industriestandorte. Oesterreichische Truppen eroberten am 13. März Odessa und die Halbinsel Krim. Die Ostfront war damit weitgehend kriegsfrei.

Anmerkung:  Diese Textfassung vermag die damaligen Ereignisse nur in stark verkürzter Form darzustellen. Nähere Informationen sind in der einschlägigen Literatur nachzulesen bzw. bei einem Besuch der Ausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“ im Deutschen Historischen Museums zu erfahren.

Hartmut Ulrich

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