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2.05.2011

Europa zu Besuch im VD13: Junge Leute und Lokalpolitik

Schon Wochen zuvor bereitete sich eine Gruppe von Jugendlichen des Kinder- und Jugendzentrums „VD13“ auf eine europäische Besuchergruppe aus Rumänien, der Türkei, Schweden und den Niederlanden vor. Dafür erarbeiteten sie sich Wissen über die Stadt, die Bundespolitik, die Berliner Politik und die bevorstehenden Wahlen im Abgeordnetenhaus.

Gruppenfoto im Kinder- und Jugendzentrum VD13. Foto: Hartmut Becker

Die Jugendlichen – sechs junge Frauen und zwei junge Männer – nutzten einen Termin im Büro des SPD-Politikers Lars Oberg, Berliner Abgeordneter mit Wahlkreis in Schöneberg. Oberg, selbst seit Anfang zwanzig im politischen Geschäft aktiv, wurde als lokaler „Lernpate“ für das Projekt geworben. Ziel des Besuchs war, die Gruppe aus dem VD13 an die Lokalpolitik heranzuführen. Hierzu erklärte Lars Oberg die Aufgaben eines Berliner Abgeordneten, schilderte den normalen Tagesablauf seiner Arbeit für das Abgeordnetenhaus.

Oberg begrüßte das Engagement der Jugendeinrichtung VD13, an diesem internationalen Bildungs- und Austauschprojekt mitzuwirken und betonte die Wichtigkeit der Teilnahme junger Leute verschiedener Herkunft.

Am 13. April traf die europäische Jugendgruppe, insgesamt 18 Gäste, in Berlin ein. „Das Treffen hier in Berlin vom 13. April - 16. April 2011 ist der Auftakt des zweijährigen EU-Projektes "Young People and Local Politics“ erklärt Projektkoordinatorin Gökcen Demiragli vom Kidöb (Treffpunkt für Frauen aus der Türkei). Mit Hilfe der englischen Sprache konnten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen rasch freundschaftlich verständigen. “Es gab so gut wie keine Hemmschwelle. Binnen kurzer Zeit haben alle ihre Gesprächspartner und -themen gefunden.“ meint Claudia von der Wall vom VD13.
 
Zusammen mit der lokalen Gruppe haben die Besucher, die in einer Jugendherberge in Kreuzberg untergebracht waren, Berlin in Windeseile kennengelernt – vor allen Dingen von der politischen Seite. An verschiedenen Tagen wurde der Reichstag so-wie das Rathaus Schöneberg besichtigt. Am Freitag, dem 15. April begleitete der Abgeordnete Lars Oberg die gesamte Gruppe bei einem Besuch des Berliner Abgeordnetenhauses. Unter anderem, so Oberg, waren „die Jugendlichen sehr daran interessiert, zu wissen, wie Berlin die Integrationsfrage beantwortet – viele hatten die intensiven Debatten hierzulande verfolgt.“ Im Allgemeinen fand Oberg es „sehr spannend, wie Menschen aus verschiedenen Ecken Europas ein ähnliches Verständnis von Lokalpolitik entwickeln bzw. besitzen“.
Auch die Gäste zeigten sich begeistert und engagiert. Güven Yakar aus dem Bezirk Beykoz in Istanbul betonte die Wichtigkeit des Projekts für seine Heimat. „Die Türkei möchte zur EU gehören. Dabei ist es wichtig, dass junge Türken sich über die verschiedenen politischen Systeme der EU-Länder informieren – auch auf lokaler Ebene.“ Jamina Leghezeu aus Resita im Westen Rumäniens äußerte sich philosophisch: „Es ist wichtig, dass junge Leute es begreifen, nicht immer nur gegen etwas zu sein, weil sie es nicht verstehen. Nur wenn Verständnis erworben wird, kann eine Person gegen, und natürlich auch für etwas eintreten – mit Hilfe der Politik“.

Am Abend des 14. April bildete ein Grillfest mit Lokalprominenz auf dem Gelände des Kinder- und Jugendzentrums VD13 den Abschluss des Berlinbesuchs. Die Stadträtin für Familie, Jugend und Sport in Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, nahm sich hier Zeit zum Austausch mit den Gästen. Mit dabei auch Mitglieder des Vorstands des Nachbarschaftheims Schöneberg und der Geschäftsführer Georg Zinner. Schatzmeister Rainer Mohnhaupt bemerkte: „Die Einrichtung VD13 schafft die Frei-räume, die benötigt werden, ein solches tolles Projekt zu ermöglichen. Darauf kann das Nachbarschaftsheim Schöneberg nur stolz sein“.

Nach der Abreise der Gäste läuft das Projekt zur Stärkung der Jugend in der Lokalpolitik weiter. Voraussichtlich werden drei bis vier Personen der Schöneberger Gruppe mit Begleitung und gemeinsam mit den Schweden, Holländern und Rumänen Istanbul zwischen dem 22. und 26. Juni als Gäste der türkischen Gruppe besuchen. Nächstes Jahr sind Schweden und Rumänien an der Reihe, bevor das Projekt in den Niederlanden seinen Aus-klang findet.

„Das Feedback von den Teilnehmern war stets positiv“, resümiert Claudia von der Wall. „Vor allen Dingen von unseren eigenen Jugendlichen. Sie fanden in der Lokalpolitik Ansprechpartner, mit denen sie unproblematisch reden konnten.“ Kollegin Gökcen Demiragli ergänzt: „Sie lernten, dass Politik nichts Fremdes oder Abgehobenes ist, sondern greifbar nah“. Und – sie deutet auf einige junge Frauen aus der eigenen Gruppe – „sie entdeckten in sich einen Stolz auf die eigene Stadt und den Bezirk“.

T. W. Donohoe